Spitzenkampf Vaduz – Aarau

  • Publiziert: 21.07.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Alain Kunz

Trägt ein Fürst eigentlich eine Krone? Heinz, der Erste hätte sie im Ländle verdient: Aufstieg. Startsieg in Luzern. Und jetzt kommts gegen Aarau zum – Spitzenkampf!

Abheben? Für Heinz Hermann (50) ein Fremdwort. Sein Jubel nach dem Aufstieg war zurückhaltend. Jener nach der 2:1-Sensation auf der Luzerner Allmend auch. Heinz, der neue Ländle-Fürst? «Nein, nein. Es ist erst ein Spiel gespielt. Da kann noch viel passieren. Selbst für eine Standortbestimmung ist es noch zu früh. Das Einzige, was es festzuhalten gilt: Diese drei Punkte kann uns niemand mehr nehmen.» Weise Worte. Fürstliche.

Im Vorfeld der Saison waren die Aufsteiger aus Liechtenstein mit sehr wenig Kredit bedacht worden. Ein kaum verstärktes Challenge-League-Team – keine Chance. Doch schon in Luzern haben sie gezeigt: Das muss nicht so sein. Und den Sieg hätten sie nicht nur mit guter Organisation und mit viel Einsatz geholt, betont auch Hermann: «Wir haben immer wieder die Tiefe gesucht, uns Torchancen kreiert. Wir haben diese drei Punkte wirklich verdient.»

Am Donnerstag kommts nun gegen Aarau zur Super-League-Premiere im schmucken Rheinpark-Stadion. Und weil Aarau gegen Sion 3:1 gewonnen hat, lautet die Affiche: Zweiter gegen Ersten!

Spieler Michele Polverino erwartet deshalb, dass Aarau mit mehr Respekt ins Ländle kommt als ihn die Luzerner auf der Allmend gezeigt haben. Und dann wird der –zusammen mit Beni Fischer – einzige Liechtensteiner in der Startaufstellung fast so etwas wie aufmüpfig: «Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen, was über uns gesagt wurde. Wir haben bewiesen, dass wir nicht so schlecht sind, wie das in der Schweiz alle gedacht haben.»

Was den Vaduzern jetzt noch zum grossen Glück fehlt, sind Zuschauer. Deshalb frei nach der Redewendung «Gehe nicht zu deinem Fürsten, wenn du nicht gerufen wirst» der Hermannsche Appell: «Es ist fast ein Muss, dass die Liechtensteiner uns nun unterstützen. Das Team hätte es verdient.»

Zur Illustration ein paar Zahlen: Handgezählte 97 Fans verloren sich am Sonntag im Gästesektor der Allmend. In Luzern kann sich niemand erinnern, dort jemals derart wenige Fans gesehen zu haben. Und: Der Zuschauerschnitt von Vaduz lag letzte Saison bei 1217. Selbst Delsberg hatte mehr Fans.

Heinz Hermann – ein Fürst, vielleicht, aber ohne Volk, gewiss.

Redet Heinz, hören alle zu

Vaduz gewinnt in Luzern. Eine Riesensensation? Für mich nicht. Denn die besten Teams der Challenge League spielen auf ähnlichem Niveau wie die schlechteren der Super League. Technisch ist kein grosser Unterschied auszumachen. Höchstens vom Rhythmus, vom Tempo her, weil die Höherklassigen Vollprofis sind.

Nehmen wir die letzte Saison. Bellinzona ist Basel im Cupfinal technisch überlegen. Die Tessiner lassen St. Gallen in der Barrage keinen Stich. Was zeigt das auf? Dass das Niveau in der Super League derzeit nicht überragend ist. Eine Tatsache, die nicht erstaunen darf. Die besten Spieler werden laufend ins Ausland verkauft. Und für starke Neue fehlt den meisten Klubs das Geld. Die Regel sind viel eher Transfers von Spielern aus der Challenge League. Selbst der FCB hat zwei St. Galler geholt.

So gesehen wäre es keine Sensation, würden die Aufsteiger Vaduz und Bellinzona den Ligaerhalt schaffen. Allerdings muss ich eine kleine Einschränkung machen: Es ist erst gerade eine Runde gespielt. Halten wir den Ball also flach.

Ein grosses Lob gebührt Vaduz-Trainer Heinz Hermann. Er hat gleich im ersten Anlauf das geschafft, woran vor ihm viele gescheitert sind: mit Vaduz aufzusteigen. Ich habe mit Heinz bei Servette und in der Nati zusammengespielt. Er ist ein zurückhaltender Mensch, der nie viel redete.Aber wenn, dann hörten alle aufmerksam zu. Denn Heinz ist eine Persönlichkeit. Eine intelligente dazu. Er hat begriffen, dass es für eine Trainerkarriere von Vorteil ist, das Handwerk von der Pike auf zu lernen, also in unteren Ligen und mit Junioren. Und erst ins Profilager zu wechseln, wenn man bereit ist. Heinz ist bereit.

Exklusiv von Kubilay Türkyilmaz
play Ziel vor Augen: Beim Super-League-Debüt von Vaduz zeigte Heinz Hermann seinen energischen Willen. (Toto Marti)

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