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Am Montag überraschte Nicole Petignat die Fussballschweiz mit ihrem sofortigen Rücktritt als Schiedsrichterin. Die einzige Frau, die hierzulande in der Super League und in der Challenge League pfiff, möchte sich neu dem Rollstuhl-Basketball widmen und wird Trainerin des CFR Jura.
Wars das schon mit den Frauen mit der Pfeife? Nein! Jetzt kommt Esther Staubli. Die 29-Jährige aus Ortschwaben im Kanton Bern ist seit acht Jahren Schiedsrichterin. Seit 2006 ist sie Fifa-Referee und hat schon mehrere internationale Frauenspiele geleitet. Letztes Jahr stand sie bei der Frauen-U19-EM in Island im Einsatz.
«Sie ist auf bestem Weg»
In der Schweiz leitet Staubli regelmässig 1. Liga-Partien der Männer. Wie stehen nun die Chancen, dass die Bernerin eines Tages die abgetretene Petignat ersetzt?
«Sie ist auf bestem Weg», sagt Luigi Ponte. Der Präsident des Schweizer Schiedsrichterverbands, schränkt aber ein: «In nächster Zeit müssen wir ohne Frauen-Schiris auskommen.»
Im allerbesten Fall dauere es noch zwei Jahre, bis Staubli die Qualifikation für die Challenge League schafft, vermutet Ponte. «Dafür müsste sie am laufenden Band hervorragend pfeifen. Von Frauen wird halt noch mehr erwartet als von Männern.»
Ponte weiss, dass die Freude über Petignats Rücktritt bei vielen Männern gross war. «Nicole wurde nie akzeptiert. Immer wieder musste sie sich dumme Sprüche von Spielern und Funktionären anhören. Jetzt haben sie es geschafft.»
Nicole Petignat lebte die Spiele mit. Jubelte schon mal über schöne Tore, zog sich aber immer wieder den Unmut der Akteure auf sich, weil sie Szenen gestenreich und lautstark kommentierte. «Schiess!», «Mach!», «Zeit, Zeit!».
«Sie ist ein sehr ruhiger, besonnener Typ»
Die Beschreibung ihrer potenziellen Nachfolgerin tönt da ganz anders, vielversprechender für die Spieler. Ponte: «Sie ist ein sehr ruhiger, besonnener Typ.»
Dass Staubli fähig ist, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen, beweist sie im Alltag: Die ledige Blondine mit den tiefblauen Augen bewirtschaftet einen Bauernhof in Ortschwaben und betreibt Viehzucht.
Im September bestand sie die Bachelor-Prüfungen im Bereich Landwirtschaft und trägt fortan den Titel «diplomierte Agrarwissenschaftlerin». Es ist also kein Wunder, bezeichnet der Schiri-Präsident sie als «gschiids Meitli». Doch ein Spaziergang wird der Weg in die höchste Liga für die Exotin nicht.
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