Das Meisterrennen Sforza: «Basel ist mental stärker»

FCZ vs. FCB. Erster gegen Zweiter. Jubelt Zürich am Sonntag bereits als Meister? Für BLICK analysiert Champions-League- Sieger und TV-Co-Kommentator Ciri Sforza (39) die beiden Teams. Spieler für Spieler.

  • Publiziert: 16.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
play Ciriaco Sforza analysiert die Mannschaften von Basel und dem FCZ Spieler für Spieler. (Keystone)

Johnny Leoni vs. Franco Costanzo

«Zwei sehr gute Goalies. Aber Costanzo hat mehr Ausstrahlung, spielt besser mit. Auch von der Präsenz her gefällt mir der Argentinier besser.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCB 0:1

Philippe Koch vs. Reto Zanni

«Kompliment an Zürichs Trainer Bernard Challandes, dass er nach der Verletzung von Stahel auf einen Jungen setzt. Und das in der Endphase des Titelkampfs. Für Zanni spricht aber klar die Erfahrung, er hat sich zuletzt aufgefangen. Das wichtige Tor beim 2:0 gegen Luzern wird Reto Kraft geben.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCB 0:2

Hannu Tihinen vs. David Abraham

«Tihinen hat die Jungen beim FCZ sehr gut im Griff. Du siehst: Da ist ein wirklicher Leader an der Arbeit – auf und neben dem Platz. Es ist für einen Trainer wichtig, dass du solche Typen im Team hast, auch in schlechten Zeiten. Der Argentinier Abraham ist Anfang Saison neu dazugekommen, er hat noch Schwierigkeiten mit der Sprache, das braucht alles seine Zeit.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCZ 1:2

Alain Rochat vs. Beg Ferati

«Rochat hat schon im Ausland gespielt, er kann als Aussen- und Innenverteidiger eingesetzt werden. Der Romand ist ruhig am Ball, aber aggressiv im Zweikampf. Der FCZ spielt auch dank Rochats Qualitäten von hinten heraus Fussball. Ferati ist ein interessanter Spieler, ihm gehört die Zukunft.»

Sforzas Urteil: REMIS: JE EIN PUNKT 2:3

Veli Lampi vs. Behrang Safari

«Beide sind jung, beide haben für ihr Land schon Länderspiele bestritten. Vom Talent her könnten es der Finne Lampi und der Schwede Safari beide weit bringen. Aber für den grossen Unterschied konnten sie hier in der Schweiz noch nicht sorgen.»

Sforzas Urteil: REMIS: JE EIN PUNKT 3:4

Silvan Aegerter vs. Marcos Gelabert

«Vom Taktischen und Spielerischen her ist Aegerter mit Tihinen für die Mannschaft am wichtigsten. Basels Argentinier Gelabert ist zwar ein guter Läufer, aber diese Fähigkeiten hat Aegerter auch.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCZ 4:4

Xavier Margairaz vs. Beni Huggel

«Huggel hat nach turbulenten Zeiten in der Nati und im Klub eine gute Saison hinter sich, er schoss wichtige Tore. Für das Spiel von Christian Gross ist Beni ein sehr wichtiger Mann. Margairaz braucht nach seiner langen Verletzungspause noch ein wenig Zeit, auch wenn ihm in dieser Saison schon wichtige Tore gelungen sind.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCB 4:5

Tico vs . Fabian Frei

«Tico hatte am Anfang Riesenprobleme in der Schweiz. Aber in den letzten Wochen war der Nigerianer ein wertvoller Spieler für den FCZ. Frei ist ein junger Schweizer mit viel Talent. Er ist bei Christian Gross auf gutem Weg, hat sicher noch Potenzial nach oben. Für mich ein unentschiedenes Duell.»

Sforzas Urteil: REMIS: JE EIN PUNKT 5:6

Almen Abdi vs. Ivan Ergic

«Wer wie Almen Abdi vom Mittelfeld aus 18 Tore schiesst, darunter sehr wichtige, der ist auf einem sehr guten Weg. Wechselt Abdi schon jetzt ins Ausland, muss er sich gut überlegen wohin. Ivan ist mit seiner Erfahrung sehr wichtig für den FCB.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCZ 6:6

Dusan Djuric vs. Marko Perovic

«Djuric ist technisch sehr stark, läuferisch hat er sich angepasst. Er schiesst auch wichtige Tore. Perovic ist ein guter Freistoss-Schütze. Aber wer von Roter Stern Belgrad kommt, sollte mehr drauf haben. Perovic kommt noch nicht auf viele Einsätze, aber vielleicht hat das ja auch seine Gründe.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCZ 7:6

Eric Hassli vs. Marco Streller

«Die Entwicklung, die Hassli auf und neben dem Platz durchmacht, verläuft sehr positiv. Der Franzose ist unglaublich torgefährlich. Marco dagegen hat ein Seuchenjahr hinter sich. Wenn er endlich wieder beschwerdefrei und konzentriert arbeiten kann, wird er für den FCB wieder ein sehr wichtiger Mann.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCZ 8:6

Ersatzbank

«Bei Zürich ist erfreulich, dass Chikhaoui nach langer Verletzung wieder zurück ist. Doch mit Chipperfield und Stocker hat der FCB Internationale in der Hinterhand. Mit Aussie Chipperfield gar einen, der schon mal an einer Weltmeisterschaft gespielt hat.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCB 8:7

Trainer

«Bernard Challandes konnte nach den zwei Meistertiteln von Lucien Favre beim FCZ eigentlich nur verlieren. Aber er hat bisher grossartig gearbeitet. Doch Christian Gross liefert in Basel bereits seit zehn Jahren hervorragende Arbeit.»

Sforzas Urteil: PUNKT FÜR FCB 8:8

8:8 – Sforzas Fazit:

«Mit drei Matchbällen müsste die Sache für den FCZ eigentlich klar sein. Wenn die Zürcher den ersten Matchball gegen den FCB an diesem Sonntag nicht verwerten, bleiben ihnen zwei weitere Chancen. Zuerst auswärts gegen Bellinzona (24. Mai), dann zuhause gegen GC (29. Mai).

Doch genau dieser Umstand könnte den FCZ mental blockieren. Nicht immer ist es ein Vorteil, mehrere Matchbälle zu haben. Die Gefahr ist gross, sich im Unterbewusstsein damit abzufinden, wenn es am Sonntag gegen Basel nicht laufen sollte. Man hat ja noch zwei weitere Matchbälle. Mit anderen Worten: Der ultimative Wille könnte fehlen.

Der Vergleich ist unverhältnismässig, aber Bayern München ist es gewohnt mit Druck umzugehen. Das heisst nicht, dass die Bayern deshalb automatisch die Meisterschaft gewinnen werden. Aber einen leichten Vorteil haben sie aufgrund ihrer Geschichte.

Dasselbe gilt für den FC Basel. Obwohl FCZ und FCB auf den einzelnen Positionen meiner Analyse nach ausgeglichen sind, der FCZ ausserdem vier Punkte Vorsprung aufweist und erst noch ein Heimspiel hat gegen den FCB, sehe ich Basel trotzdem – oder genau deshalb – leicht im Vorteil.

Was die mentale Stärke anbelangt, macht dem FCB-Trainer Christian Gross niemand etwas vor. Seine Mannschaft steht mit dem Rücken zur Wand, wird Vollgas geben. Der FCZ kann, Basel aber muss am Sonntag gewinnen. Das könnte der entscheidende Unterschied sein – zugunsten von Basel.» (Aufgezeichnet von Max Kern)

Ciriaco Sforza

Geboren: 2. März 1970 in Wohlen AG

Karriere als Spieler: GC (1986–88/1990–93), Aarau (1988–90), Kaiserslautern (1993–95/ 1997–2000/ 2002–06), Bayern München (1995–96/ 2000–02), Inter Mailand (1996–97). – 79 Länderspiele.

Karriere als Trainer: Luzern (2006–08).

Grösste Erfolge: Champions-League- Sieger (2001 Bayern), Uefa-Cup-Sieger (1996 Bayern), 2x Deutscher Meister (1998 Kaiserslautern/ 2001 Bayern), Schweizer Meister (1991 GC), Schweizer Cupsieger (1988 GC). – WM 1994, EM 1996. – Fussballer des Jahres 1993.

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Wird der FCZ am Sonntag Meister?»

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