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Schwule Fussballer: Das letzte Tabu

MADRID – Das Paparazzo-Bild zweier knutschender Männer soll es beweisen: Real Madrids Star Guti (31) steht auf Kerle. Offiziell wird das Thema Homosexualität im Fussball totgeschwiegen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Realität ist eine andere.

Von Marcel Hauck | Aktualisiert um 07:00 | 20.02.2008

Blick vom Mittwoch

Besten Dank für die zahlreichen und spannenden Kommentare zum Thema (siehe unten). Ausgewählte Meinungen werden am Mittwoch im Blick veröffentlicht.

Die spanische Klatschpostille «Cuore» zeigt den Fussballstar José María Gutiérrez – besser bekannt unter dem Künstlernamen Guti – wie er beim Verlassen einer Bar um zwei Uhr morgens einen Mann auf den Mund küsst. Eine Reaktion in den seriöseren Medien bleibt aus, ebenso gibt es kein Dementi des Vereins oder des Spielers. Mittlerweile wird sogar spekuliert, ob der vermeintliche Mann die Schwester Gutis ist.

Was längst gesellschaftsfähig ist, würde im Fussball für einen Skandal sorgen mit verheerenden Auswirkungen für die Betroffenen: die gleich­geschlechtliche Liebe. Weil es nicht sein darf, gibt es sie nicht. Angeblich. Es ist eines der letzten Tabus.

Wowereit steht zu Homoerotik

Objektive Gründe dafür gibt es keine. In der Politik wie im Showbusiness gehört das Outing von Schwulen und Lesben zur Tagesordnung. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit steht zu seiner Homoerotik, die Fernsehmoderatorin Anne Will ebenso wie der Schweizer Schlagersänger Leonard. Längst hat sich auch das Gesetz an die veränderte Realität angepasst, gleichgeschlechtliche Ehen sind in vielen Ländern Tatsache.

Ausgerechnet Spanien hat als eines der ersten Länder die Adoption von Kindern durch gleich­geschlechtliche Paare legalisiert. Und trotzdem sorgen die Bilder des knutschenden Real-Stars Guti für peinliche Betretenheit und kollektives Schweigen. Ob es sich tatsächlich um einen Mann handelt oder doch um seine Schwester – die Reaktion allein beweist, wie verkrampft das Thema behandelt wird.

Mit gutem Grund. Erst einmal im Profifussball outete sich ein Spieler aus einer der grossen europäischen Ligen. Der Engländer Justin Fashanu war 1981 im Alter von 20 Jahren als erster Farbiger für eine Summe von über einer Million Pfund zu Nottingham Forest transferiert worden. Schnell machten Gerüchte die Runde, wonach Fashanu in Schwulenbars verkehre. Nottingham-Trainer Brian Clough liess ihn seine Abneigung offen spüren. Das Supertalent Fashanu konnte in der obersten Profiliga ohne die nötige Unterstützung nie richtig Fuss fassen.

1990 schliesslich machte er reinen Tisch. Für einen ansehnlichen Betrag inszenierte Fashanu sein Coming-out im Londoner Boulevardblatt «The Sun». Die Reaktionen waren vernichtend. Selbst Fashanus Bruder John – selber Fussballprofi – kannte keine Gnade: «Mein Bruder ist ein Ausgestossener.»

Tragisches Ende

Es kam noch schlimmer: Während eines Engagements in den USA wurde Fashanu von einem 17-Jährigen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Die Vorwürfe wurden von der Polizei nicht weiterverfolgt, doch weniger als zwei Monate später erhängte sich Fashanu mit 37 Jahren in einem leerstehenden Lagerhaus. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: «Ich habe realisiert, dass sowieso alle annehmen, dass ich schuldig bin. Ich möchte nicht noch mehr Schande über meine Freunde und Familie bringen.»

Nach diesem tragischen Ende wollte sich erst recht kein Profifussballer mehr outen. Die zum Teil ausgeprägte schwulenfeindliche Einstellung vieler Fussballprofis brachte der damalige Schalke-Goalie Frank Rost in einem Gespräch mit der deutschen Tageszeitung «taz» vor einigen Jahren wie folgt auf den Punkt: «Schwule Fussballer? Gibt es nicht. Ausserdem dusche ich immer mit dem Arsch zur Wand.»

Solche Sprüche kennt jeder. «Manndeckung», «Druck von hinten machen», «Lattenknaller» – nicht jeder kann in der Mannschaftskabine wirklich darüber lachen. Je nach Schätzung sind 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung homosexuell. Bildet ausgerechnet die Fussballwelt die grosse Ausnahme? Ähnlich wie in der Armee oder weiteren ausgeprägten Männer-Sportarten (siehe Kommentar) ist die Hemmschwelle, seine sexuelle Neigung einzugestehen, fast unüberwindbar.

Guti im Einsatz gegen Roma

Real-Profi Guti, der heute in der Champions League bei der AS Roma mit dem einen oder anderen Spruch rechnen muss, ist mit dem ehemaligen TV-Sternchen Arancha de Benito (39) verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Söhne (8 und 6). Die Ehe des 15-fachen spanischen Internationalen verlief seit Jahren äusserst turbulent, Krach und Versöhnung bilden die Regel. Sogar eine Affäre mit einer Transe wurde Guti angedichtet.

Da wäre ein Techtelmechtel mit einem Mann ohne Brüste vor einer Tapas-Bar kaum der Rede wert. Wären da nicht die Vorurteile in der geradezu homophoben Welt des Profifussballs.
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Kein Kind von Traurigkeit: Real-Star José Maria Gutierrez. (Keystone)
Kein Kind von Traurigkeit: Real-Star José Maria Gutierrez. (Keystone)
Caniggia und Maradona (unten) hatten sich 1996 lieb, als sie mit den Boca Juniors gegen River Plate siegten. (AP)
Caniggia und Maradona (unten) hatten sich 1996 lieb, als sie mit den Boca Juniors gegen River Plate siegten. (AP)
Homosexueller YB-Fanclub

Aktion gegen Sexismus im Fussball

Anlässlich der letzten Aktionswoche von FARE (Football against Racism in Europe) lancierten die Young Boys im November 2007 die Aktion «Gemeinsam gegen Rassismus und Sexismus». Die Aktion gegen Sexismus wurde in Zusammenarbeit mit den homosexuellen YB-Fans der Wankdorf-Junxx durchgeführt.

Das sagen Blick.ch-Leser
Peter, Basel - 14:37 | 19.02.2008
» Aber sicher und hoffentlich gibt es schwule Profifussballer. Ich warte schon lange auf kickende Wowereits.
Bob, Altstätten - 14:24 | 19.02.2008
» JOJO: Fussball ein Männersport? So wie Fussballer sich herumwälzen nach einer kleinen Körpercharge und losjammern wegen "englischer Wochen" gibt es nur ein Verdikt: Mädchensport. Und gemäss JOJO's Theorie wäre demnach jeder Fussballer... *grins*
Roger, Luzern - 14:20 | 19.02.2008
» Es wird mit Sicherheit etliche Herren im Fussballprofigeschäft geben, die ihre Neigung nicht preisgeben - aus Angst um die Karriere. Abweisende Haltungen wären vorprogrammiert; wer möchte in der Dusche schon abweisend und verabscheuend angeschaut werden in der Meinung, man würde sich am Anblick der anderen stimulieren. Homosexualität im Teamsport wird weiterhin ein Tabuthema bleiben, solange die Homosexuellen eine Minderheit und Ausnahme bilden...
Markus, Thun - 14:09 | 19.02.2008
» @Niederdorfer Andre, Spitzenkommentar welchem nichts mehr beizufügen ist. Traurig ist nur, dass dies genau der Realität in der Schweiz entspricht und viele Schweizer das noch immer nicht begriffen haben.
Jojo, Basel - 13:44 | 19.02.2008
» Fussball ist Männersport! Die meisten Frauen haben kein interesse am Fussball.. Schwule sind Feminin.. Also alle Männer die kein interesse am Fussball haben sind Schwul!
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