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Ich unterhalte mich sehr oft mit Massimo Busacca. Kein Wunder. Wir stammen beide aus dem selben Quartier in Bellinzona. Er, der Sizilianer. Ich, der Türke.
Ich will damit sagen: Sowohl er wie ich galten in Bellinzona als Ausländer. Trotz des Schweizer Passes.
Ich habe Massimo oft gefragt, weshalb er nicht in Italien pfeifen wolle. Einer der weltbesten Schiedsrichter in einer grossen Liga, standesgemäss. Er hat mir immer wieder gesagt: «Kubi, ich bin Schweizer. Hier bin ich anerkannt. Diesem Land verdanke ich meine Karriere. Hier will ich pfeifen.»
Ich hatte dieselbe Reaktion, als ich mit Lugano in St. Gallen spielte. Als «Turco di merda» (Scheiss-Türke) wurde ich tituliert. Ich zeigte keinen Stinkefinger. Doch ich sagte mir: Für dieses Land habe ich jahrelang meine Knochen hingehalten. Und nun das! Nein, für dieses Land spiele ich nie mehr!
Ein Jahr später war genügend Gras über die Sache gewachsen, und ich gab mein Comeback. Aber es tat weh. Sehr weh sogar. Massimo ist es gleich ergangen. Weshalb ich ein gewisses Verständnis für seine Reaktion wecken möchte.
Wie auch für seine Aussage am Spieltag, er könne sich nicht mehr daran erinnern, ob er die Geste gemacht habe. Wer derart eingenommen ist von Ärger und Emotionen, der weiss das möglicherweise wirklich nicht mehr.
Aber ich will die Geste auf keinen Fall entschuldigen! Sie ist schlimm. Ganz schlimm sogar. Massimo ist deshalb zu Recht gesperrt worden. Doch damit soll es sich haben.
Auf seine internationale Karriere darf diese Sache keinen Einfluss haben. Denn schliesslich trägt der Mann den Namen unseres Landes in die ganze Welt hinaus.
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BLICK-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz galt in Bellinzona als Ausländer, wie Busacca. (BLICK-Sport)