ROTA - Zum Abschluss des Trainingslagers in Südspanien stellen sich die YB-Stars David Degen, Alberto Regazzoni und Emiliano Dudar einem Ping-Pong-Interview mit BLICK.
Letzter Tagebuch-Eintrag
Hören und sehen Sie selber im obenstehenden Video, was David Degen von seinem Bruder Philipp hält – und weshalb er Bern seiner Basler Heimat vorzieht.
Zudem: Warum Alberto Regazzoni auf brunette Frauen steht und weshalb Emiliano Dudar Fan von River Plate ist.
Regazzoni trifft gegen Split
Alberto Regazzoni brachte YB im Testspiel gegen Hajduk Split mittels Penalty 1:0 in Führung. Am Ende verlor der Tabellenführer der Super League gegen das Traditionsteam aus Kroatien 1:2.
YB – Hajduk Split 1:2 (1:1)
Estepona (Spanien). – SR Jarnos (ESP).
Tore: 27. Regazzoni (Foulpenalty) 1:0, 31. (Foulpenalty) 1:1, 78. 1:2.
YB: Wölfli; Lingani (63. Mardassi), Dudar, Affolter (63. Schneider); Degen, Yapi, Hochstrasser (55. Doubaï), Raimondi (46. Sutter); C. Schneuwly (30. Morello, 63. Coly), Doumbia, Regazzoni (63. Bienvenu).
Bemerkungen: YB ohne M. Schneuwly (verletzt) und Traore (angeschlagen).
YB-Tagebuch vom 25. Januar
«Kaputt, kaputt», seufzt YB-Topskorer Seydou Doumbia, am Samstagnachmittag. Weil das Spiel gegen Leipzig wegen Regens ausgefallen ist, hat Konditrainer Martin Fryand die Profis zum Footing aufgeboten. Danach haben die Spieler frei bis Sonntagmittag. «Endlich», sagt der YB-Wunderstürmer.
Am Abend dürfen die Profis in den Ausgang. «Jeder soll selber entschieden, ob er irgendwo hin will, oder ob er im Hotel bleibt», sagt Captain Marco Wölfli. Wölflis Zimmerkollege Mario Raimondi hat für Sonntagmorgen nur einen Wunsch: «Ausschlafen!» Was das Schlimmste sei am Trainingslager, wird Raimondi gefragt. «Marco Wölfli’s Wecker-Klingelton – Karibik-Musik. Jeden Morgen! Grauenhaft!»
Pecht hatte YB-Abwehrchef Emiliano Dudar, als er über Weihnachten in die Heimat Argentinien flog. Kaum stellte er seinen Geländewagen vor dem Haus der Schwiegereltern ab, klingelte es an der Tür: «Ist das ihr Wagen, der da draussen steht» – wollte ein Securitas-Wächter wissen – «Señor, da fehlt ein Rad!» Als Dudar den Vorfall anzeigt, grinsen die Beamten: Es ist der neuste Trick in Argentinien. Organisierte Jugendliche montieren Autoräder ab – in 20 Sekunden.
Was tun die YB-Profis, wenn sie nach dem Entspannungsbad und dem Abendessen in ihre Zimmer hoch gehen?
Scott Sutter hat die neuen Staffeln von «24» mitgebracht, die er in den Laptop schiebt. Sutter kann sich das leisten: Er ist im teaminternen Nintendo-Spiel «Mario Kart», die klare Nummer 1. Obwohl auch Marco Wölfli («vom Talent her bin ich der Beste, Scott trainert einfach am meisten») und Mario Raimondi den Spitzenplatz für sich reklamieren.
Raimondi meldet sich nach langer Verletzungspause nicht nur auf dem Platz zurück: Auch an der Spielkonsole hat «Mändu» Ambitionen: «Ich war acht Monate verletzt und habe kein einziges Rennen mitgemacht – jetzt fahre ich schon wieder unter die ersten 3 – sensationell!»
YB-Tagebuch vom 24. Januar
Der neue YB-Stürmer heisst Henri Bienvenu (21). Er kommt vom tunesischen Rekordmeister Espérance sportive de Tunis (11 Spiele / 6 Tore). Am Mittwoch hat der Kameruner in Bern den Vertrag unterschrieben. Am Donnerstag ist Bienvenu im Trainingslager in Südspanien eingetroffen. Am Freitag hat er zum ersten Mal die Schuhe geschnürt und durfte gegen Metalurg Zaporizhya (UKR) in den letzten 20 Minuten ran.
«Ich will mich in der Schweiz weiter verbessern», sagt Bienvenu. Kann er der Nachfolger von Doumbia werden? «Ich freue mich, mit ihm zusammenzuspielen. Ich will Tore schiessen, Titel gewinnen. Ich habe mir viel vorgenommen.»
Die Super League kennt Bienvenu: «Ich konnte die Spiele in Tunesien sehen. Ich weiss in etwa, was mich erwartet.»
YB-Tagebuch vom 23. Januar
Was wissen die Amateure von Borussia Dortmund über Young Boys Bern, mit denen sie das Hotel teilen und zum Testspiel angetreten sind? Nichts. Oder jedenfalls fast nichts. Doumbia? Nie gehört. Wölfli? Auch nicht.
Degen? Degen – ah ja, Degen! An den Ex-Gladbacher David Degen können sich ein paar der jungen Dortmunder erinnern. Das Interesse für den Schweizer Tabellenführer nimmt schlagartig zu, als am Donnerstagabend YB-Scout Stéphane Chapuisat eintrifft.
Chappi hier, Chappi dort. Bitte, Chappi, ein Bild!
«Ein Stéphane Chappi, es gibt nur einen Stéphane Chappi», singen die Nachwuchsspieler. Gegen die Amateure des BVB sind die Young Boys am Nachmittag 1:3 untergegangen. Vielleicht hätte Chappi für YB stürmen sollen. Die Dortmunder wären vor Ehrfurcht erstarrt.
Seriöse Fussballer
Was trinken YB-Profis beim Stehapéro mit den YB-Sponsoren und Fans?
Die Italo/Argentinien-Fraktion (Regazzoni und Dudar) bestellt Espressi. Die Afrikaner trinken gesüsstes und ungesüsstes Mineralwasser. David Degen nippt Coca light. Trainer Vladimir Petkovic trinkt gar nichts.
Doumbia und Doubai treffen im Testspiel
Im zweiten Testspiel im Trainingslager gewinnen die Young Boys gegen den ukrainischen Erstligisten Metalurg Saporoschje mit 2:0. Als Torschützen zeichnen sich die beiden Ivorer Seydou Doumbia und Thierry Doubai aus. Neuzugang Giuseppe Morello hat bei einem Pfostenschuss (66.) viel Pech.
YB – Metalurg Saporoschje 2:0 (0:0)
Municipal, Algeciras (Spanien). – SR Alinengo (ESP).
Tore: 54. Doumbia (Regazzoni) 1:0, 76. Doubaï 2:0.
YB: Wölfli; Lingani, Dudar, Affolter; Sutter (62. C. Schneuwly), Hochstrasser, Yapi (46. Doubaï), Raimondi (46. Morello); Degen, Doumbia (72. Bienvenu), Regazzoni (62. Pasche).
Bemerkungen: YB ohne Mardassi, Coly, Schneider (angeschlagen), M. Schneuwly (verletzt). Ab 46. Morello im Angriff, Degen im linken Mittelfeld. 66. Pfostenschuss Morello.).
YB-Tagebuch vom 22. Januar
Der Dokumentarfilm des preisgekrönten Berner Regisseurs Norbert Wiedmer («Sound and Silence») soll das YB-Innenleben zeigen. Als Vorbild dient «Deutschland, ein Sommermärchen» von Sönke Wortmann.
Weil so ein Projekt ganz schön ins Geld gehen kann, filmen derzeit die Spieler selber. Christian Schneuwly und Xavier Hochstrasser (Bild) waren beim YB-Gesellschaftsabend im Trainingslager die Kameramänner.
Deutschland schied beim Sommermärchen im Halbfinale aus. Wenn das nur kein schlechtes Omen ist fürs YB-Summermärli.
YB-Tagebuch vom 21. Januar
Er braucht genau 7 Minuten: Im Testspiel gegen Borussia Dortmunds Amateure trifft YB-Überflieger Seydou Doumbia in der 52. Minute zum 1:1. Trainer Vladimir Petkovic hat seinen besten Stürmer gegen die BVB-Amateure erst in der 2. Hälfte aufs Feld geschickt.
Es sind schwierige Bedingungen auf dem Sportplatz von Rota. Beide Teams stecken mitten im harten Konditionstraining. Sie teilen sich das Hotel und den Trainingplatz. Ach ja – die Klubfarben auch noch. YB tritt deswegen für einmal in roten Trikots an und spielt ziemlich konfus. Dortmunds zweite Mannschaft ist jedenfalls deutlich spritziger, gewinnt 3:1.
«Ein paar Jungs spüren die Anstrengungen der letzten Tage», sagt YB-Sportchef Alain Baumann. Bis zu drei Einheiten, dazu Massage, Schwimmen, Teamsitzungen, Einzelgespräche. Nach dem Abendessen gehen die Spieler auf ihre Zimmer oder spielen Karten. Viel zu sehen gibt es in Rota um diese Jahreszeit ohnehin nicht.
Das mussten auch die 12 YB-Fans merken, die gestern angereist waren. Ausser einem Imbiss-Lokal und einer Bäckerei ist nichts geöffnet.
«Wir haben alles. Das Hotel ist gut, Essen auch. Mehr braucht es nicht», sagt Doumbia.
Am Freitag im BLICK. Doumbia über seinen Wechsel nach Moskau
YB-Tagebuch vom 20. Januar
Die Young Boys sind in Rota an der spanischen Atlantikküste untergekommen. Im Sommer ist hier der Bär los. Im Winter kommen höchstens Berner.
«Da scheint keiner zu sein», sagt der Taxi-Chauffeur, als wir am YB-Hotel vorbeifahren. «Um diese Jahreszeit ist das Dorf ausgestorben.»
Im Ortszentrum sieht es nicht besser aus: Die Regale im einzigen Supermarkt, der geöffnet ist, sind halbleer. Die Frau an der Kasse liest Zeitung.
Rota wirkt wie eine Geisterstadt. Das hat immerhin den Vorteil, dass sich die jungen Boys auf Fussball konzentrieren können. Vom Hotel zum Sportplatz sind es ein paar Schritte. Heute gibt’s den ersten Test. Gegner: Borussia Dortmund II.
Trainieren fürs Joggeli
Allerdings ist der Platz nach tagelangen Regenfällen ziemlich holprig. Hinter den Toren stehen meterhohe Sandberge, mit denen die Platzwarte die Löcher auffüllen. «Es ist okay», sagt David Degen, «andere Teams konnten in der Vorbereitung gar nicht auf ihren Plätzen spielen.»
Und Sportchef Bauman merkt an: «Vielleicht ist das St. Jakob beim Meisterschaftsstart am 7. Februar ja auch nicht in besserem Zustand.»
Serie
Die BLICK-Reporter begleiten die Super-League-Klubs in den Trainingslagern. Im Online-Tagebuch auf Blick.ch erfahren Sie, was abgeht!