Das «Koch»-Rezept Nur der FCZ setzt auf Brüder

  • Publiziert: 14.08.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Michael Wegmann, Michel Wettstein (Text) und Kathi Bethels (Fotos)

Die Brüder Koch kochen gestern Pasta, der SonntagsBlick degustiert mit. Heute spielt Philippe gegen Bellinzona von Beginn an, Raphael sitzt auf der Bank.

Raphael steht an der Kochinsel, schneidet frische Tomaten in kleine Stücke. Sein zwölf Monate jüngerer Bruder Philippe hantiert am Herd, setzt Wasser auf und öffnet das Glas mit Tomatensauce. Auch wenn den beiden Brüdern Kochmütze und Schürze ausgezeichnet stehen, angezogen haben sie sie nur fürs Foto-Shooting. «Meistens essen wir ja auswärts», gibt Raphael zu und schmunzelt, «und wenn wir kochen, gibts viel Pasta.»

Und wer ist der bessere Koch? Philippe: «Das ist klar, das bin ich. Aber es ist natürlich auch sehr einfach, der bessere Koch zu sein.» Sein Bruder muss schmunzeln: «Was soll ich dazu noch sagen?»

«Wir streiten uns nie»

Die Kochs aus Biberist sind die einzigen Brüder in der Super League, kicken zusammen beim FCZ und teilen sich eine WG in Schwamendingen, gemeinsam mit zwei U21-Kickern.

Das WG-Leben klappt bestens, die Brüder sind ein Herz und eine Seele. Raphi: «Es tönt blöd, aber wir streiten uns nie. Ausser vielleicht, wenn wir uns gegenseitig die Kleider stibitzen!»

Philippe probiert die Pasta. «Die brauchen noch Salz», sagt er. «Das ist der Beweis dafür, dass ich der bessere Koch bin. Er hat auch probiert und nicht gemerkt, dass etwas fehlt.»

Schweizer Meister mit 19 Jahren

SonntagsBlick isst mit und bewertet die Pasta: gut im Geschmack, jedoch nicht mehr ganz al dente. Eine aufgerundete 5.

Philippe, der jüngere Koch kam 2007 nach Zürich, direkt aus dem U18-Team von Solothurn. «Ich hatte einige Angebote. Für den FCZ habe ich mich entschieden, weil er sich am meisten um mich bemüht hat.» Und es hat sich gelohnt: Auf der Visitenkarte des 19-Jährigen steht heute: Schweizer Meister und Champions-League-Teilnehmer.

Nebenbei macht der Zidane-Fan noch das KV. «In einem Jahr schliesse ich ab», sagt er. In der letzten Saison unter Bernard Challandes noch Stammspieler, kommt er in dieser Spielzeit heute erstmals zum Einsatz. Und auch nur, weil sich Florian Stahel im Spiel gegen Xamax den Meniskus riss.

«Klar war ich enttäuscht, als mir Urs Fischer kurz vor der Saison mitteilte, dass er nicht auf mich setzt. Aber ich habe es akzeptiert und weiterhin alles gegeben. Jetzt bekomme ich meine Chance und will sie nutzen, auch wenn der Grund kein erfreulicher ist», sagt Philippe.

Kein Stammplatz für Raphael

Vom Stammplatz kann Raphael, der auf diese Saison hin ins Profikader aufgenommen wurde, nur träumen. «Nach Teixeira, Zouaghi und Rochat bin ich die Nummer vier», sagt er. Und: «Ich gebe alles, und freue mich über jede Minute, die ich spielen kann.» Raphael hat letztes Jahr die Berufslehre zum Polymechaniker abgeschlossen.

Die Kochs räumen gemeinsam den Tisch ab, füllen die Waschmaschine. Fussballprofis, die kochen können und auch noch abwaschen. Da schlagen Frauenherzen höher! Sind sie schon vergeben? «Nein, wir sind beide noch Single», sagt Philippe und schmunzelt.

Der FC Zürich soll für die Koch-Brüder nur eine Zwischenstation einer grossen Fussballerkarriere sein. Philippe: «Wir wollen uns beim FCZ durchsetzen und dann ins Ausland. Meine Wunschklubs sind Barcelona oder Real Madrid.» Raphael meint: «Da bin ich vielleicht ein bisschen bescheidener, aber das Ausland wäre schon cool.»

Wie lautet das «Koch»-Rezept?

Und was ist das Fussball-Rezept der Koch-Profis?
Raphi: «Viel Wille und Arbeit – die richtige Einstellung.»
Philippe: «An gewissen Tagen Extratrainings schieben, zum Beispiel im Kraftraum oder lange Bälle schlagen. Talent kann man aber nicht lernen, das hat man oder nicht.»
Raphi: «Lange Ruhephasen nach den Trainings, die Beine hochlagern und lesen oder TV schauen.»

Dazu kommt: kein Alkohol während der Meisterschaft, nicht mal ein Bierchen. Und kein Ausgang. Auch die Street Parade lassen sie aus. Philippe: «Das sagt uns nichts.» 

play Philippe Koch (l.) «Es ist einfach, der bessere Koch zu sein.»; Raphael Koch «Meistens essen wir ja auswärts» (Kathi Bethels)

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