Kann er den Vertrag mit GC einlösen?

  • Publiziert: 28.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Andreas Böni, Max Kern und Heiko Ostendorp
play Der 300-Millionen-Mann am letzten Donnerstag in der Letzigrund-Loge Nr. 6. (Toto Marti)

Einen Tag nachdem BLICK die Bombe platzen liess, bleiben grosse Zweifel über die Hintergründe des 300-Mio-Deals.

Letzigrund, letzten Donnerstag. Die Begegnung: GC gegen Vaduz. Eine gute Stunde vor Matchbeginn fahren drei schwarze Mercedes-Limousinen im Stadion vor. Sicherheitsleute winken die Luxuskarrossen mit abgedunkelten Scheiben in die Tiefgarage, wo die Führungscrew der Grasshoppers die Gäste in Empfang nimmt und in den VIP-Bereich schleust. Bilder, die man sonst nur im Champions-League-Final sieht. Es geht um GC gegen Vaduz.

Kein Schwein interessiert sich für diese Begegnung. Offizielle Zuschauerzahl: 2400. Die VIP-Gäste, die aus dem Wagen-Konvoi steigen, nehmen in der Loge 6 Platz. Es findet immer noch kein Champions-League-Final auf dem Letzirasen statt, aber die zehnköpfige Delegation scheint grosse Freude zu haben am trostlosen Spiel. Es wird gelacht, gescherzt, Wolldecken werden über die Knie gezogen.

Grund des seltsamen Interesses am uninteressanten Spiel: Die Delegation, angeführt von Volker. G. (Name der Redaktion bekannt), will die Fussballsektion des Grasshopper Clubs kaufen. Für sage und schreibe 300 Millionen Franken (gestern im BLICK).

Erste Tranche am Donnerstag

Der Investitionsvertrag wurde einen Tag zuvor, bei einem mehrstündigen Essen im Hotel Baur au Lac in Zürich, unterschrieben. Darin verpflichtet sich der Investor, bis am 30. April eine erste Tranche von 150 Millionen Franken auf das Konto von GC bei der Credit Suisse zu überweisen. Die restlichen 150 Millionen sind am 15. Mai fällig.

Im Namen von GC haben Vize-Präsident und Sportchef Erich Vogel sowie Finanzchef Heinz Spross das Papier unterschrieben. Beide sitzen an diesem Abend im Letzigrund auf der Haupttribüne. Auch sie wirken zufrieden, was nicht am Spiel liegen kann. GC gewinnt zwar 2:0 durch einen Treffer von Dos Santos und ein Eigentor von Vaduz.

Doch das ist nicht der Punkt. Das matchentscheidende Eigentor für GC könnte bereits am Abend zuvor im Baur au Lac gefallen sein. Zugunsten von wem?

300 Millionen für einen Schweizer Fusballklub?

Gestern schossen die Spekulationen ins Kraut, nachdem die Geschichte auf diesen Spalten publik wurde. Wer hat wen über den Tisch gezogen? 300 Millionen für einen Schweizer Fussballklub – da lachen ja die Hühner. Mit Sicherheit die Grashüpfer. Aber nur wenn denn das Geld bis Donnerstag tatsächlich fliesst.

Im Vertrag, der BLICK als Kopie vorliegt (siehe Ausriss), verpflichtet sich der Investor jedenfalls, eine so hohe Summe zu zahlen, die locker reichen würde, um einen Topklub in Europa zu übernehmen. Dutzende stehen derzeit zur Verfügung, von der AS Roma bis Manchester City. Weshalb ausgerechnet GC, dessen Aktienpaket einen Bruchteil davon wert ist?

Hartnäckiges Schweigen

Sowohl GC wie auch der Investor schweigen dazu. Offenbar besteht eine Vereinbarung, dass keine Partei sich vorderhand dazu äussert. Wer die Abmachung bricht, soll zwei Millionen zahlen. Im Investitionsvertrag selbst, der letzten Mittwoch zwischen Spargelcrèmesuppe und Filet Rossini im Baur au Lac unterschrieben wurde, steht nichts von einer solchen Schweigeklausel. Vielmehr wird bereits das neue Führungsteam vertraglich festgehalten.

Aus der Entourage des Investors sollen zwei Personen, die namentlich genannt sind, zu Vize-Präsidenten des GC aufsteigen. Ein dritter soll im Verwaltungsrat von GC die Interessen des Investors vertreten (Punkt 5). Der Investor selbst (Punkt 6) wird persönlich das Präsidium der Transferkommission übernehmen oder einer seiner Vertreter bestellen.

Schliesslich wird festgehalten, dass nach Eingang der gesamten Summe von 300 Millionen der Investor das Recht hat, auf Beginn der neuen Saison 2009/2010 bis zu hundert Prozent der GC-Aktien zu übernehmen.

Die Frage, wieso der Investor die Mehrheit der Aktien nicht gleich jetzt übernimmt, und das für einen vergleichsweise läppischen Betrag von 5 bis 10 Millionen, bleibt offen. Was der ganze Hokuspokus soll, wird spätestens am Donnerstag bekannt, wenn die erste Tranche fällig ist.

Seriöses Umfeld

Eine erste Überprüfung der Personen in der Entourage des Investors hat ergeben, dass mit Ausnahme einer Person, die mehrere Betreibungen im Leumundszeugnis hat, alle sauber scheinen. Der eine führt ein Immobiliengeschäft mit 200 Angestellten, eine andere Person ist Vize-Gemeinderat, wiederum ein anderer arbeitet ohne negative Aktennotiz als Treuhänder.

Das Umfeld des Investors scheint seriös zu sein – der grosse Unterschied zum Investor selbst?

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Gestern glaubten nur gerade rund ein Drittel der User, dass GC eine Mega-Deal über 300-Mio Franken abgeschlossen hat. Jetzt sehen Sie die Bilder der möglichen Investoren. Sind Sie immer noch der selben Meinung?

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