Der Torschützenkönig der letzten beiden Saisons erlebt die längste Flaute seiner Karriere. Und das ausgerechnet jetzt, wo es um seine Zukunft geht.
Sonntagmittag, Swissporarena Luzern. Es läuft die Nachspielzeit. Spielstand FCL vs. FCB 1:0. Freistoss für Basel aus 16 Metern.
Logisch, eine Sache für Alex Frei (33). Eine Situation, die er liebt. Trifft er, ist seine Tor-Krise beendet. Keiner redet mehr über die unterirdische Leistung in den 92 Minuten zuvor.
Frei läuft an – und setzt die Kugel über den Kasten. Sekunden später verwirft der Torschützenkönig der letzten beiden Jahre die Hände, flucht. Das Spiel ist aus – und er mittlerweile seit 615 Minuten ohne Treffer.
Schon in zwei Szenen zuvor scheitert Frei aus aussichtsreicher Position. Der Ball will einfach nicht rein. Am 28. Juli traf er letztmals in der Super League. BLICK hat nachgeschaut: So lange wartete Frei während seiner ganzen Profi-Karriere noch nie auf einen Torerfolg! Nicht in Luzern, Genf oder Rennes, nicht in Dortmund – und erst recht nicht beim FCB, wo er in bisher 141 Pflichtspielen 101-mal knipste!
Jeder, der Alex kennt, weiss: Die Krise nervt ihn selbst am meisten! Seit Wochen betet er die gleichen Sätze runter: «Ich komme ja noch zu Chancen, irgendwann gehen sie wieder rein. Ich weiss, wie ich da rauskomme.» Aber wann?
Die Situation ist heikel. Denn es geht auch um seine Zukunft. Freis Vertrag läuft am Saisonende aus. Der Torjäger a.D. zu BLICK: «Wir werden sicher im November zusammensitzen und über meine Zukunft reden. Ob ich als Spieler weitermachen will, ob man mich überhaupt noch will.»
Das sieht auch FCB-Sportdirektor Georg Heitz so: «Die Frage ist, ob er noch Mumm und Lust hat, ein Jahr dranzuhängen. Wie wir die Sache als Klub einschätzen. Es ist noch zu früh, um über ein mögliches Karriereende zu reden. Aber dass Alex derzeit nicht die Leistung bringt, die er von sich selbst erwartet, sieht jeder.»
Ist es mit Frei vorbei? Wird dies seine Abschiedssaison? Was dafür spricht: Zuletzt hatte er immer wieder mit Bobos zu kämpfen, was ihn tierisch nervte. Fussverletzung, Beckenprellung, Cut über dem Auge – es kam knüppeldick.
Dazu haben sich Freis Prioritäten verändert, seit er Vater ist. «Der Mittelpunkt des Lebens ist unsere Tochter», sagt er. Und im «Sonntag» gab er zu: «In meiner Prioritätenliste haben sich vielleicht drei, vier Prozent verschoben. Zugunsten meiner Familie und zuungunsten meines Killerinstinkts.»
Doch es spricht auch einiges dagegen. Nicht zuletzt sein Ehrgeiz. Frei will und verdient einen würdigen Abschied. Heisst: auf dem Barfüsserplatz, mit einem Pokal in den Händen. Ob es den nach dieser Saison für den FCB gibt, ist fraglicher denn je. Und das liegt bei weitem nicht nur an Frei.
Kommentar von Felix Bingesser, Sportchef:
Ludovic Magnin ist 33 Jahre alt. Er hat eine grosse Karriere hinter sich. Doch es zwickt da und dort. Er zollt dem Alter Tribut. Hat an Dynamik verloren und ist langsam geworden. Jetzt tritt er zurück.
Alex Frei ist 33 Jahre alt. Er hat eine grosse Karriere hinter sich. Jetzt zwickt es da und dort. Er zollt dem Alter Tribut. Hat an Dynamik verloren und ist langsam geworden. Was macht er jetzt?
Jetzt, da sein Vertrag bei Meister Basel Ende Saison ausläuft? Alex Frei ist der beste Schweizer Stürmer des vergangenen Jahrzehnts. Aber auch er ist im Herbst seiner Karriere angekommen. Und es ist kein goldener Herbst.
Frei ist nicht der Sündenbock. Aber er steht stellvertretend für die Krise des FC Basel. Der bestbezahlte Super-League-Spieler ist seit Wochen nur mehr ein Mitläufer. Das nervt keinen so sehr wie ihn, den verbissenen Leitwolf. Er hat in Basel gefunden, was er gesucht hat. Er hat in der Heimat drei grossartige Jahre gehabt. Und er wird noch das eine oder andere Tor schiessen. Aber das genügt nicht. Nicht für einen wie ihn.
Denn seine derzeitige Ladehemmung ist nicht auf eine temporäre Formschwäche zurückzuführen. Sie ist das schleichende Ende einer grossen Karriere.
Darum möchte man ihm zurufen: Alex, lass es sein! Mach Ende Saison Schluss!
| Platz | Mannschaft | SP | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Basel | 33 | 59:30 | 66 |
| 2 | GC | 33 | 41:30 | 60 |
| 3 | St. Gallen | 33 | 49:32 | 56 |
| 4 | Zürich | 33 | 54:42 | 49 |
| 5 | Thun | 34 | 42:42 | 47 |
| 6 | Sion | 34 | 36:50 | 45 |
| 7 | YB | 33 | 44:43 | 42 |
| 8 | Luzern | 34 | 35:49 | 36 |
| 9 | Lausanne | 34 | 28:47 | 30 |
| 10 | Servette | 33 | 28:51 | 26 |
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (31)