Liebes FCB-Tagebuch - 23. Januar
Der erste Test des FC Basel im Trainingslager war noch kein (China-)Kracher. Zu einem lockeren 4:0-Sieg gegen den chinesischen Erstligisten Tianjin Teda reichte es trotzdem.
Fabian Frei mit einem Doppelpack, Eren Derdiyok (nur 30 Sekunden nach seiner Einwechslung) und Valentin Stocker sorgten für das verdiente Resultat. Klingt toll, war aber eher mässig.
Denn der Gegner aus Fernost, der erst Mitte März in die Saison startet, war kein ernsthafter Prüfstein. Dafür sorgten nicht nur die lustigen Namen für beste Unterhaltung unter den wenigen extra angereisten FCB-Fans.
Das Trainerteam der Chinesen, welches aus fünf Leuten bestand, stand mächtig unter Dampf. Vier von ihnen rauchten am Spielfeldrand eine Zigarette nach der anderen, der Chefcoach tippte während des Matches fleissig SMS in sein Handy.
Auf dem Platz langten die China-Kicker teilweise heftig hin. Nach einem Zusammenprall musste Derdiyok mit Schädelweh runter, Gelabert kassierte danach wegen Meckerns die Rote Karte. Christian Gross nahm es gelassen: «Er hat sich mit dem Schiedsrichter unterhalten…»
Der FCB-Coach war mit dem ersten von fünf Tests in den nächsten zehn Tagen zufrieden. Und erlebte nach dem Abpfiff noch ein Highlight seiner langen Trainerkarriere: Die komplette Mannschaft der Chinesen kam zur FCB-Bank und verneigte sich artig vor Gross. Der bedankte sich und nahm dazu freundlicherweise sogar seine Wintermütze ab. Die war angesichts des eisigen Windes und der etwas kahlen Haarpracht des Trainers übrigens durchaus angebracht.
Manieren haben aber nicht nur die Chinesen. Auch die FCB-Profis wissen, was sich gehört. Als vor dem Anpfiff der neue Delegierte des Verwaltungsrats Bernhard Heusler am Spielfeldrand auftauchte, kamen schnurstracks alle zum Händeschütteln und gratulieren.
So viel Anstand ist man im knallharten Fussball-Geschäft sonst gar nicht gewohnt.