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BLICK im Sion-Camp mit CC!

Die Sion-Spieler haben die erste von vier Phasen in ihrem Militärlager in Riddes überstanden. Mit einem Elchtest zum Schluss: Einem nächtlichen Schneeschuh-Marsch über 7,8 Kilometer. BLICK quälte sich mit.

Von Alain Kunz | Aktualisiert um 16:06 | 21.01.2009
Laut gemotzt wird nicht mehr. Die verwöhnten Nationalspieler haben sich ihrem Schicksal ergeben. Gestern durften sie wieder nach Hause. Und überlebt haben alle. Es war die erste Phase des CC-Camps.

Sion-Boss Christian Constantin zog die Spieler in der ehemaligen Biscuitfabrik von Riddes zusammen. Um den Gemeinschaftssinn zu stärken. Tagwacht morgens um sieben. Training 30 Minuten später. Frühstück erst um halb neun. Um zehn Uhr Lauftraining. Unter dem Autobahn-Viadukt hindurch. Zum Schluss gibts den «Bertine special»: Bauchmuskeltraining. Keiner kann dem neuen Trainer Umberto Barberis das Wasser reichen. «Ist meine Spezialität. Da kriege ich sie klein», sagt der 57-Jährige und lächelt verschmitzt.

Dann Schweiss abwaschen in der Gemeinschaftsdusche. In den spartanisch eingerichteten Zimmern hats keine Duschen, Toiletten – und was viel schlimmer ist: kein TV-Gerät. Auch Schränke fehlen. Die Effekten werden in Plastikbehältern versorgt. Für die Militärgewohnten kein Neuland. Für Stars wie Goran Obradovic ist das Leben im Viererschlag total ungewohnt: «Militär? Nicht doch. In Jugoslawien werden die Fussballer davon automatisch dispensiert.»

Die Kantine ist klein. Das Essen wird aus dem präsidialen Hotel in Martigny angeliefert. Zur Unterhaltung gibts zwei TV-Geräte, eine Playstation, einen Billardtisch und ein Wireless-Netz im Haus. Mit viel gutem Willen kann das Beach-Fussball-Volleyfeld zur Entertainment-Infrastruktur gerechnet werden.

«Ich habe das Gefühl, die Spieler schätzen es hier zu sein», sagt Barberis. «Es ist wie in einer ­Familie», ergänzt Co-Trainer Christian Zermatten. Dann driftet Barberis, der dreifache Schweizer Fussballer des Jahres, ab in Alltagsphilosophie: «Wer zu viel Luxus hat, der hat Angst davor, dass ihm dieser weggenommen wird. Weil es hier keinen Luxus gibt, entstehen auch keine Angstgefühle.» Steck die Leute ins Gefängnis – und die Welt wird besser…

Barberis und Zermatten, der den Luxusentzug aus seinem Trainerleben in Malaysia, Elfenbeinküste, Algerien und Mali kennt, leben das Kasernenleben vor: Sie ­teilen ein Zimmer. Einzig CC hat eine Einzel-Abstellkammer. Zermatten sagt: «Das ist Luxus-Militär, auf dem Niveau von Offiziersunterkünften.»

Zum Abschluss der Woche gibts noch den CC-Spezialdrill: Schneeschuh-Laufen. Vom Wintersportort La Tzoumaz oberhalb von Riddes auf 1500 Metern hinauf nach Savoleyres oberhalb von Verbier auf 2354 Metern. Höhendifferenz: 850 Meter. Länge der Strecke: 7,8 Kilometer. Start: 17 Uhr, bei Minustemperaturen. Für die vielen Exoten im Team sind die klobigen Dinger an den ­Füssen ungewohnt. Doch als sie merken, dass man selbst in den Steilhängen der Skipiste nicht abrutscht, ­legen auch sie ein ganz flottes ­Tempo vor. «Der Schlussaufstieg war aber verdammt hart», keucht Neuzuzug Enes Fermino. Was soll dann erst ich sagen, als Hobbysportler? Egal.

Zuerst marschiere ich mit Generaldirektor Dominique Massimo. Rauchen verbindet. Doch bald sehe ich ihn nicht mehr. Ich bleibe in Tuchfühlung mit den Spielern. Und das bis zum Schluss. Auf dem letzten Kilometer frage ich mich dann auch, wo meine Beine geblieben sind. Es ist mittlerweile klirrend kalt. Aber ich beisse mich durch. Das Ziel! 22 Minuten später ist Ex-Nati-Keeper und Sion-Goalietrainer Marco Pascolo im Ziel. 37 Minuten später Barberis und Massimo. Ich bin stolz.

Erst zwei Stunden später kommt Constantin. Er setzte die letzten ­Unterschriften unter einen Architekturvertrag für ein grosses Einkaufszentrum in Sierre. Das hatte ­Vorrang, es ging um Millionen. Da musste selbst der Schneeschuh-Marsch warten, für den er in seinen Zermatter Ferien wacker geübt hatte. Téléverbier-Direktor Eric Balet fährt dem Präsidenten mit einem Schneetöff entgegen. «Er lehnte das Angebot, für die Schlusssteigung auf den
Töff zu sitzen, kategorisch ab», ­berichtet Balet. Das Ego von CC und sein gewaltiger Ehrgeiz lassen den ­kleinen Bschiss nicht zu.

Dann kommt auch er an. Seine Zeit ist um 15 Minuten schlechter als meine. Ich atme auf. Und CC pustet die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte aus. Er wird an diesem Tag 52 Jahre alt. Barberis und Zermatten singen, klatschen und lachen. Noch.
Eine spezielle Trainingsanlage für den FC Sion, erstellt nach den Wünschen von Präsident Constantin. (EQ)
Die Unterkunft des FC Sion, eine alte Biskuit-Fabrik. (EQ)
Saidu alade Adeshina (l.) und Mobulu M´Futi in ihrer «gemütlichen» Unterkunft. (EQ)
Auch der Präsident Christian Constantin residiert in der Biskuit-Fabrik. (EQ)
Zwischenverpflegung der spärlichen Art für die Sion-Kicker. (EQ)
Happy Birthday: Christian Constantin feiert seinen 52. Geburtstag. (EQ)
Kopf einziehen heisst es bei Saidu Alade Adeshina und Mobulu M´Futi (r.). (EQ)
Keine idyllische Umgebung für die joggenden Sion-Spieler. (EQ)
Trinkpause für Mobulu M´Futi. (EQ)
Obinna Nwaneri freundet sich mit seinen Schneeschuhen an. (EQ)
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