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Hooligans? Schön, haben wir drüber geredet

BLICK-Sportchef Walter De Gregorio zum Hooligan-Problem im Fussball.

Von Walter De Gregorio | Aktualisiert um 19:03 | 24.05.2009
Die Prognosen der englischen «Times» sind düster: «Mit unseren Hooligans wird es immer schlimmer. Sie sind ein übler Auswuchs des Gemeinwesens, und am schlimmsten ist, dass sie sich vermehren und dass Schulbehörden und Gefängnisse, Polizeirichter und Philanthropen sie anscheinend nicht auf den Pfad der Tugend bringen können.»

Die «Times» fragt: «Was machen wir mit diesen Hooligans ? Wer oder was ist schuld, dass es immer mehr werden?» Viele gute Antworten liefert das Blatt. Der Artikel stammt vom 30. Oktober 1890. Richtig gelesen, vom vorletzten Jahrhundert!

Seither sind ganze Wälder abgeholzt worden, um das Papier zu liefern, worauf millionenfach soziologische Studien, Präventionsmassnahmen, politische Debatten zum Thema verfasst wurden. Wir empören uns immer noch, wir klagen an. Die NZZ (im Sportteil vom Freitag) kritisiert auch die Medien. Sie würden von Hochrisikospielen sprechen, was die ganze Stimmung zusätzlich anheize. In der gleichen Ausgabe der NZZ (im Lokalteil) lesen wir dann die Schlagzeile: «Ein weiteres Hochrisikospiel im Letzigrund-Stadion.»

Das Gesülze nervt, die Heuchelei ist ätzend. Die St. Galler Justiz-Direktorin Karin Keller-Sutter sagt im Interview mit BLICK, man müsse die Hooligans härter anpacken. Sie muss es nicht sagen, sie muss es tun! «Wir werden mit einer Delegation von Regierungsräten nach England oder Holland reisen», sagt sie weiter, «um Informationen zu sammeln, wie man die Probleme besser in den Griff bekommen kann.» Welche Informationen braucht sie denn, die wir nicht längst schon haben?

Eines der besten Bücher zum Thema «Geil auf Gewalt» ist von Bill Buford. Ist auch schon fast zwanzig Jahre her, aber topaktuell. Denn: Die Fragen sind dieselben, die Antworten ebenso. Wer hätte das gedacht? Aber schön, haben wir mal wieder drüber geredet.
Bilder wie im Krieg. (Reuters)
Bilder wie im Krieg. (Reuters)
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