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Totenstimmung in Sions Kabine. Clausen, Geiger, Fournier und Co. lassen die Köpfe hängen. Sion liegt im Cupfinal gegen YB mit zwei Toren im Rückstand. Da ergreift Captain Brigger das Wort. Im Fernsehen erklärt er nach dem Spiel: «Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen endlich den Finger aus dem A…* nehmen.» Briggers Ansprache wirkt. Sion gewinnt 3:2. Damals, im Mai 1991, war der FC Sion ein Walliser Klub.
Auch 1992. Sion wird unter Präsident André Luisier (1998†) zum ersten Mal Schweizer Meister. In der Startelf von Trainer Enzo Trossero (Arg) standen damals mit Geiger, Sautier, Quentin, Fournier, Piffaretti und Brigger sechs waschechte Walliser. Und Nestor Clausen, ein knallharter Gaucho-Verteidiger mit Oberwalliser Wurzeln. Allesamt Spieler, die Gras frassen. Spieler ohne Geldgier, stolz, das rot-weisse Leibchen zu tragen. Echte Walliser Sieger-Mentalität.
Das Stade de Tourbillon war ein Hexenkessel. Die ganze Liga fürchtete den Trip nach Sion.
Heute ist es kalt im Tourbillon. Der FC Sion vereint Ober-, Mittel-und Unterwallis längst nicht mehr. Viele Söldner lassen den Walliser Kampfgeist vermissen.
CC kauft Amateur-Kicker aus allen Herren Ländern, um mit ihnen Kohle zu machen. Dass diese Strategie nicht aufgeht, hat er nicht gemerkt. Heute ist der FC Sion eine Multikulti-Truppe. Präsident Christian Constantin hat die Walliser Seele verkauft.
Wie soll sich der Ägypter Essam El Hadary mit dem Wallis identifizieren, wenn ihm sein Präsident ständig den Traum-Transfer in die Premier League schmackhaft macht?
Will sich ein Latino wie Alvaro Saborio, der Woche für Woche, Training für Training nur für sich schaut, überhaupt mit Rot-Weiss anfreunden?
Warum sollen die lokalpatriotischen Walliser einen Afrikaner wie Serey Die mögen, wenn er Fussball mit Kick-Boxen verwechselt?
Und hat einer im Chaos-Klub dennoch Erfolg, feuert ihn der Allmächtige CC, wie etwa Nestor Clausen im Oktober 2006. Clausen war einer der Gras-Fresser, die 1992 Meister wurden. Er ist Bürger der Oberwalliser Gemeinde Ernen. «Eine vo isch», wie man im Wallis sagt.
Der Sion-Patron will Geld verdienen, sieht Fussball als Big Business. Was CC übersieht: Der Erfolg führt über die Einheimischen. Die Gras-Fresser.
Solche gibts laut CC nicht. Falsch!
Stocker (FCB) Grichting (Auxerre), Lonfat (Sochaux), Wicky (L. A. Galaxy), Quennoz (Xamax) und Leoni (FCZ) sind allesamt Walliser. Aber aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) beim FC Sion.
«Qui cherche, trouvera» – wer sucht, der findet, Monsieur Constantin!
Das ist der Unterschied zum grossen Präsidenten André Luisier. In seiner Zeit schossen Walliser den FC Sion zu Titeln. Wie im Cupfinal 1991, als Rey und Orlando den Cupfinal nach Briggers drastischen Worten drehten. Auch sie waren Walliser Urgesteine.
* Ausdruck der Redaktion bekannt
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Meister 1992. Trainer Enzo Trossero (rechts) konnte sich auf eine echte Walliser Truppe verlassen, angeführt von Captain Jean-Paul Brigger (links). (Paolo Foschini)