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Gestern kurz vor 14 Uhr: Das Team von Xamax trifft sich im Hotel La Réserve in Genf mit Boss Bulat Tschagajew. Neben ihm Vize Islam Satujew, ein Übersetzer und Geschäftsführerin Barbara Perriard. Die Mannschaft ist soeben aus dem Trainingslager in Dubai zurückgekommen.
Tschagajew warnt die Anwesenden: «Alles, was besprochen wird, bleibt unter uns!»
Dann legt er los: «Xamax ist nicht tot. Wir haben gegen den Lizenzentzug rekurriert. Alle sind gegen uns.»
Als er mit seinem Monolog fertig ist, fragen die Spieler, wann sie ihre Löhne erhalten. «Ich weiss es nicht. Es geht im Moment nicht», lässt Tschagajew übersetzen.
«Können wir einen Verein suchen?», fragt Victor Sanchez. «Nein, ihr seid bei Xamax unter Vertrag», antwortet Tschagajew.
Trainer Muñoz will wissen: «Trainieren wir noch?» «Bis Sonntag ist frei, dann wissen wir, wie die Liga entscheidet», antwortet Tschagajew.
Was er dann sagt, bringt die Spieler aus der Fassung: «Ihr könnt jetzt sofort euren Vertrag mit Xamax kündigen und bei mir einen neuen unterschreiben. So bekommt ihr euer Geld.»
Unruhe. «Wir wollen unser Geld jetzt!», fordern einige.
Tschagajew bleibt eine Weile stumm. Dann sagt er: «Wer gehen will, kann gehen. Wendet euch an meinen Anwalt.» Der Tschetschene hat resigniert. Er gibt Name und Nummer des Anwalts bekannt, steigt in seinen Mercedes, braust davon. Als Teammanager Raoul Savoy draussen auf dem Parkplatz den Anwalt anruft, weiss dieser von nichts. «Tschagajew hat uns ein letztes Mal verarscht», sagt ein Spieler. «Hat er wenigstens seinen Mercedes bezahlt?», fragt ein anderer. Ein Witz, aber niemand lacht.
Die Spanier Sanchez und Navarro holen im Teambus ihre Sachen und steigen ins Auto ihres Agenten.
Als der Bus kurz vor 17 Uhr auf der Maladière ankommt, verabschieden sich die Spieler. Sie umarmen sich. Einige haben Tränen in den Augen. «Xamax ist tot», sagt ein Betreuer.
Am Freitag wird der Traditionsverein wohl endgültig zu Grabe getragen. Dann nämlich entscheidet das Neuenburger Bezirksgericht, ob Xamax in Konkurs geht.
Übrigens: Am Abend meldet Xamax auf seiner Homepage: «Entgegen den Medienberichten sind die Spieler nicht freigestellt.» Es ist zu spät. «Jeder sucht einen neuen Job», sagt Teammanager Raoul Savoy.