«Gewisse Dinge behalte ich für immer für mich» Wie Sion-Akolo vom Flüchtling zum Fussball-Star wurde

Als Bootsflüchtling kam er vor sechs Jahren in die Schweiz. Nun ist Chadrac Akolo (21) ein Top-Stürmer. Die Narben der Flucht aber sind geblieben.

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Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 Basel 18 49:15 47
2 YB 18 42:24 35
3 Sion 18 38:31 29
4 Luzern 18 36:33 29
5 GC 18 26:32 22
6 St. Gallen 18 20:27 21
7 Lausanne 18 30:34 18
8 Lugano 18 23:35 18
9 Thun 18 23:34 16
10 Vaduz 18 21:43 16
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Chadrac ist 15, als er sich aus der Demokratischen Republik Kongo aufmacht nach Europa, wo Mutter und Geschwister warten. Es ist eine abenteuerliche Reise übers Mittelmeer. Lebensgefährlich. Chadrac hätte viel zu erzählen. Aber er will nicht. «Es gibt gewisse Dinge, die werde ich für immer für mich behalten. Diese Reise gehört dazu», sagt er.

Die Flucht gelingt. Chadrac kommt ins Flüchtlingszentrum nach Bex VD. «Eine harte Zeit», erinnert er sich an die zwei Jahre voller Ungewissheit. «Immer wieder kamen Polizisten, holten Leute ab. Wir spielten Fussball, wussten nie, ob wir anderntags mit der gleichen Mannschaft werden antreten können. Ich hatte erwartet, dass die Zeit hart werden würde. Aber dass es so schlimm wird, hätte ich nicht gedacht.» Chadrac erledigt Gelegenheitsjobs. Schnuppert als Elektriker, als Maurer. «Doch das gefiel mir nicht. Für mich gabs nur eines im Leben: Fussball!»

Auch wenn der Gedanke an eine Profikarriere zu diesem Zeitpunkt ganz weit weg ist, wenn man jeden Tag mit einem Gedanken aufwacht: ja nicht ausgewiesen werden! «Wissen Sie, im Kongo hatten wir weder Fussballschuhe noch richtige Bälle. Mit Schuhen habe ich erstmals in der Schweiz gespielt. Zuvor immer nur barfuss. Und auch ein richtiger Ball war ein Novum. Im Kongo bastelten wir uns das Spielgerät aus alten Klamotten.»

Nach zwei Jahren darf die Familie das Heim verlassen und kommt in eine Wohnung in Aigle. Chadrac spielt mittlerweile für den FC Bex, weil sein Talent dem damaligen Trainer des Zweitligisten auffiel. Von den B-Junioren kommt er direkt in die erste Mannschaft, weil es in Bex zu wenige Spieler für ein A-Team hat.

Und plötzlich winkt die ganz grosse Chance. Chadrac darf sich eine Woche lang beim FC Basel zeigen. Doch der Meister verzichtet auf ein Engagement. Akolo geht zurück nach Bex. Doch nun ist er auf dem Radar. Blaise Piffaretti, U15-Verantwortlicher für das Team Valais, holt ihn zum FC Sion. Chadrac spielt in der U18. Dann geht alles recht schnell. Mit 19 erhält er seinen ersten Profivertrag.

Im ersten Anlauf setzt er sich beim FC Sion nicht so richtig durch, wechselt deshalb leihweise für ein halbes Jahr zu Xamax. In Neuenburg liest ihm Michel Decastel die Leviten. Chadrac hört genau hin. Schiesst Tor um Tor. Und kehrt auf diese Saison hin zurück ins Wallis, wo er unter Peter Zeidler nun durchgestartet ist.

Träumt er nun weiter, nachdem schon mal das, wovon er kaum zu träumen gewagt hatte, Realität geworden ist? «Nein. Mein Traum ist wahr geworden. Das reicht jetzt mal.» Den Namen seines Lieblingsklubs verrät er doch noch: Real Madrid. Dann lacht er seinen Berater Michel Urscheler an und witzelt: «Also, wenn Du mich zu Real bringst, dann…» Der Rest bleibt unausgesprochen.

Publiziert am 20.12.2016 | Aktualisiert am 20.12.2016

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2 Kommentare
  • Heinrich  Ochsner 20.12.2016
    jetzt ist er ein Star...... In der CH gibt es nur möchtegern Stars, wären es Stars, wären sie längst verkauft!
    • Renato  Schnider 21.12.2016
      Weshalb soviel Neid/Missgunst Herr Ochsner? In der CH gibt es u.a. auch einen Roger Federer oder eine Lara Gut und diese sind in ihren Sportarten durchaus Stars!