Fussball-Verband nimmt Stellung zu den Krawallen Geisterspiele für Basel?

  • Aktualisiert am 03.01.2012
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ZÜRICH - Die wüsten Randale im Spitzenkampf zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel könnten ein Nachspiel haben. Dem FCB drohen sogar Geisterspiele.

Der Spitzenkampf Zürich-Basel brachte gestern hitzige Duelle auf dem Rasen – und noch hitzigere Scharmützel auf den Tribünen und ausserhalb des Stadions. Schon nach dem 1:1-Ausgleich durch den FCZ-Schweden Djuric flogen zwischen der Zürcher Haupttribüne und dem Basler Sektor Gegenstände hin und her.

Nach dem entscheidenden 3:1 durch Eren Derdiyok ging dann endgültig die Post ab. FCB-Anhänger stürmten auf die Tartanbahn, um den Sieg zu feiern – doch blieb alles friedlich und niemand setzte einen Fuss auf den Rasen, wie FCB-Sprecher Josef Zindel betont. Die Fans liessen sich rasch dazu bewegen, auf die Tribüne zurückzukehren.

Schlimmere Konsequenzen hätten die Fackeln haben können, die aus dem FCB-Sektor in Richtung Gegentribüne flogen. Dort – eigentlich im «Family Corner» – hielten sich offenbar ebenso gewaltbereite FCZ-Hardcorefans auf, die nicht mit Provokationen sparten.

«Einfach Verbrecher»

Ulrich Pfister, Sicherheitschef des Schweizerischen Fussballverbands, findet klare Worte für Fans, die Fackeln auf gegnerische Anhänger schmeissen: «Solche Personen haben keinen Respekt vor ihren Mitmenschen, das sind für mich einfach Verbrecher», sagt Pfister gegenüber Blick.ch.

Wir erinnern uns: Vor rund einem Jahr wurde der FC Zürich für das Verhalten eines Teils seiner Fans in Basel hart bestraft. Die Chaoten hatten Petarden in die Zuschauer auf den Rängen unter ihnen geworfen. Die Folge: Der Stadtklub musste zu Beginn der aktuellen Saison zwei «Geisterspiele» absolvieren.

Muss der FCB nach den Szenen von gestern nun ähnliche Sanktionen fürchten? Klar ist: Der SFV wird aufgrund des Berichtes seines Sicherheitsinspizienten vor Ort ein Verfahren gegen beide Klubs eröffnen. Dann wird die Disziplinarkommission über mögliche Konsequenzen entscheiden.

Deren Präsident, Odilo Bürgy, mag noch keine Aussagen darüber machen, was den Baslern blühen könnte. Er hält aber fest: «Beim FCZ wurden damals 18 bis 20 Fackeln in die Zuschauerränge abgefeuert. Das war ein bisher unbekannter Tatbestand.»

Weniger Fackeln = milderes Urteil?

Dass im Letzigrund nicht so viele gefährliche Gegenstände flogen, könnte also zu einem milderen Urteil führen: «Die Bemessung der Strafe ist kein Schwarz-Weiss-Spiel. Wir müssen deshalb jeden Fall für sich betrachten», so Bürgy. Je nachdem wie schlampig die Zürcher Eingangskontrollen waren, könnte der Verband auch den FCZ bestrafen.

Augenzeugen berichten, dass etwa bei den Eingängen zur Haupttribüne keine Fans durchsucht wurden. Und auch im Basler Sektor war es kein Problem, verbotene Gegenstände reinzuschmuggeln.

Bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, dürfte es so oder so noch ein paar Wochen dauern – also bis nach Saisonende. (hhs/si)

Verbot für Gästefans «keine Lösung»

Der Zürcher Hooligan-Experte Dölf Brack fordert, dass in Zukunft bei Hochrisikospielen wie FCZ-FCB keine Gästefans mehr ins Stadion gelassen werden. «Dann wäre das Problem gelöst», wie Brack gegenüber Radio 1 sagte (Blick.ch berichtete). Eine solche Lösung wird in Italien seit rund zwei Jahren praktiziert. SFV-Sicherheitschef Pfister kann solchen Lösungen allerdings wenig abgewinnen. «Die Gästeanhänger würden trotzdem anreisen und es käme einfach vor den Stadien zu Krawallen. Oder noch schlimmer: Gewalttätige Fans würden sich im Internet anonym Tickets für irgendeinen Sektor bestellen und dann die unbescholtenen Matchbesucher aus dem Stadion prügeln», warnt Pfister. (hhs/si)

Geisterspiele in Basel

Für den FC Basel wären Geisterspiele keine Neuigkeit: 2003 mussten die «Bebbi» ein Spiel vor der leeren Muttenzerkurve durchführen, nachdem im Spiel gegen die Grasshoppers Goalie Fabrice Borer von einer Münze am Kopf getroffen worden war.

Noch schlimmer traf es die Basler nach der «Finalissima» am 13. Mai 2006. Nach dem Spiel, dass als «Schande von Basel» in die Geschichte einging, wurde der FCB mit zwei Geisterspielen und drei weiteren Spielen vor der leeren Muttenzerkurve bestraft.

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