GC: Ist Latour noch der Richtige?

  • Publiziert: 05.05.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Max Kern

GC-Krise — GC im Jahr 2009. Die Eckel-Affäre lenkte eine Woche lang von den sportlichen Problemen ab. Punktemässig steht der Rekordmeister in diesem Frühling wie ein Absteiger da, ohne das geringste Feuer. Wer macht endlich Druck?

Wer das blamable 1:3 am Sonntag gegen Bellinzona gesehen hat, muss feststellen: Neben den 300 Eckel-Millionen wird sich GC auch die erhofften Europacup-Einnahmen ans Bein streichen müssen.

Denn im Team fehlt das Feuer! Kann Trainer Hanspeter Latour es nochmals entfachen?

Sportchef Erich Vogel sagt: «Latour hat einen Vertrag bis 2010. Aber die Leistung gegen Bellinzona war absolut ungenügend. Wir werden mit dem Trainer zusammensitzen und die Lage analysieren.» Rückendeckung tönt anders.

«Hoffenheim ist durch Verletzungen in eine ähnliche Situation geraten», verteidigt sich Latour. GC-Abwehrchef Boris Smiljanic spielte im Frühling nur zwei Partien, wird heute in der Rennbahnklinik in Muttenz an der Ferse operiert und fällt zwei bis drei Monate aus. Sturmtank Raul Bobadilla liegt seit Anfang März flach, bereitet sich in Deutschland auf die neue Saison vor. Und Ricci Cabanas, 51-facher Internationaler, rennt die ganze Saison seiner Form nach.

Was ist los mit dem ehemaligen Leader Cabanas?

«Seine Leistung war absolut undiskutabel», klagt Sportchef Vogel. Trainer Latour, der seinen Captain zur Pause rausnahm, sagt: «Ich will jetzt keine Einzelkritik machen. Aber es gelingt Ricci nicht, Impulse zu setzen.» Kann Latour das schlingernde GC-Schiff diese Saison nochmals auf Kurs bringen?

GC und die möglichen Investoren

Ahmed Muhammad Al-Faisal Al-Saud hiess der potenzielle Investor Volker Günter Eckel nach eigenen Angaben im arabischen Raum. Gestern hätten auf dem Konto von GC 150 Millionen Franken eintreffen sollen – die erste Tranche seiner versprochenen Investition von insgesamt 300 Millionen.

«Das Geld ist nicht gekommen», sagt GC-Finanzchef und Geldgeber Heinz Spross kurz nach 16 Uhr und schiebt nach: «Vielleicht kommts ja am Dienstag.» Keiner glaubt bei GC nach der Posse um Eckel wirklich mehr dran.

Und: Andere Zahlen als die 300 Millionen geben beim 27-fachen Meister mehr zu denken. In 13 Spielen holten die Kicker von Trainer Hanspeter Latour in diesem Frühling nur magere 14 Punkte. Schnitt: 1,08 Zähler pro Match.

Zum Vergleich: Im ersten halben Jahr der Meisterschaft konnte GC in 18 Spielen 28 Punkte einfahren. Durchschnitt: 1,55. Hätte GC schon im Herbst so desolat gespielt wie in der zweiten Hälfte der Meisterschaft, müssten die Zürcher jetzt um den Abstieg fighten.

Mit einem Torverhältnis von 27:16 stellte GC Ende 2008 noch die beste Abwehr der Liga. Jetzt kassieren die Blau-Weissen pro Match exakt 2 (!) Treffer. 19 zu 26 Tore ist die miese Bilanz 2009.

Unglaublich: In den letzten 10 Meisterschaftsspielen gabs nur einen Sieg – und das auch nur gegen den mutmasslichen Absteiger Vaduz. Kaum fassbar: Der Durchhänger hat in der Tabelle (noch) keine Konsequenzen. GC hält hartnäckig den 4. Platz – weil Verfolger Aarau ebenfalls in einem Tief steckt.

Der 4. Platz berechtigt – falls YB den Cup gewinnt – nächste Saison zur Teilnahme am Uefa-Cup-Nachfolgewettbewerb Europa League. Übersteht GC dort die beiden Quali-Runden, winken neu 6 Gruppenspiele – und Einnahmen von 2 Mio.
play GC-Trainer Hanspeter Latour. (Keystone)

Top 3

1 Versöhnung in Bern FCB-Dragovic entschuldigt sich mit Trikot bei Maurerbullet
2 FCB-Flegel Dragovic muss sich bei Maurer persönlich entschuldigenbullet
3 Vertrag bis 2015 Doppelter Degen bei Basel!bullet

Fussball

Wir fragen Sie: Kann Latour bei GC das Feuer noch einmal entfachen?»

  • 40,1% Ja
  • 59,9% Nein