Erste Gespräche sind schon geführt! Gaydoul: Übernimmt er GC?

  • Publiziert: 12.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Walter De Gregorio
play Kommen für GC wieder bessere Zeiten? (EQ)

Denner-Chef Philippe Gaydoul soll GC kaufen. Seit Monaten laufen Gespräche, das griechische Drama kommt zum Epilog.

Der Vergleich ist vermessen, aber hätten die alten Griechen seinerzeit Fussball gespielt, die grossen Philosophen wären auf das Thema GC eingestiegen. Eine bessere Vorlage für ein klassisches Drama gibt es nicht. Zuerst die Hoffnung, dann die Tragödie, schliesslich die wundersame Wende. Auf den Fussball-Alltag runtergebrochen, klingt das so:

1. Akt: Die grosse Hoffnung.
Vor zwei Jahren wird der Neuanfang des Rekordmeisters angekündigt. Die Führungstroika: Roger Berbig, Heinz Spross und Erich Vogel.

Es gehört noch ein vierter Darsteller dazu, der Verwaltungsrat Martin Blaser. Doch Blaser bleibt im Hintergrund, seine Rolle respektive sein Machteinfluss bleiben diffus.

Entscheiden tut Vogel, der als allmächtiger Sportchef die operative Führung im sportlichen Bereich hat. Die Hoffnung ist gross, dass mit der neuen Führungs-Crew das einst mächtige Troia beziehungsweise Niederhasli bei Zürich wieder alle im Land überstrahlen wird. Es wird ein Dreijahresplan vorgestellt (womit wir einen historischen Sprung in die sowjetische Planwirtschaft machen). Eins, zwei, drei – und GC ist wieder Meister.

2. Akt: Die Tragödie
Der neue Trainer Hanspeter Latour macht seine Arbeit zwar mehr als löblich, doch er kämpft mit stumpfen Spitzen. Das Budget ist mit 15 Millionen Franken nicht klein, aber vergleichsweise bescheiden. Der FC Basel hat das Doppelte, und auch FCZ und YB können etwas tiefer in die Kriegskasse langen.

Mit viel zu kurzen Lanzen schafft es Latour, die Konkurrenz im Mittelfeld wenigsten auf Distanz zu halten. GC wird in der ersten Saison Vierter, in der zweiten ebenso. Das Hauptproblem beim Versuch, den Dreijahresplan umzusetzen, nämlich nach drei Jahren wieder um die Meisterschaft mitzuspielen, scheitert unter anderem am strukturellen Defizit von 4 bis 5 Millionen Franken. Ausgedeutscht: GC hat Hosensäcke mit Löchern.

Die Rettung verspricht ein Phantast, der sage und schreibe 300 Millionen in den Klub investieren will (BLICK vom 27. April). Geld, das aus dem arabischen Raum stammen soll. Die GC-Führung fällt, in ihrer Verzweiflung, auf die Posse rein. Der Phantast Volker Eckel entpuppt sich als Schaumschläger, er ist so Pleite, wie man nur Pleite sein kann.

3. Akt: Die wundersame Wende
Seit Monaten halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach ein Zürcher Unternehmer bereit wäre, in GC zu investieren. Und zwar real, nicht virtuell wie beim Schwank um die 300 Millionen Franken. In den letzten Tagen verdichten sich die Gerüchte. Beim Zürcher Unternehmer soll es sich um keinen Geringeren als den Denner-Boss Philippe Gaydoul (37) handeln. Er würde, mit Zustimmung des Zentralvortandes von GC, die Aktienmehrheit der Fussballsektion aufkaufen und als VR-Präsident amten.

Als Vize-Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates ist der Bündner Dany Bahar vorgesehen, ein Topshot auch er. Bahar war die rechte Hand von Dietrich Mateschitz bei Red Bull, ehe er nach Maranello zu Ferrari ging. Dort ist er die Nummer zwei hinter Luca di Montezemolo.

Mit 26 Jahren hat Gaydoul den Denner-Konzern von seinem Grossvater Karl Schweri übernommen und den Umsatz von 1,3 auf 3 Milliarden mehr als verdoppelt.
Gaydoul und Bahar waren 2003 beide bei der Gründung des Griffith-Club dabei; es ist dies ein Klub von GC, der die erfolgreichsten, jungen Schweizer Köpfe vereint. Als Sportchef soll Oliver Kreuzer kommen, derzeit Sportdirektor bei Sturm Graz, zuvor war er in gleicher Funktion bei Red Bull Salzburg. Kreuzer und Bahar kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Mateschitz/Red Bull (Kreuzer und der neue GC-Trainer Ciri Sforza kennen sich aus München, beide haben gemeinsam für die Bayern gespielt).

Der Deal müsste in den nächsten Tagen perfekt sein, sofern sich Gaydoul mit GC einig wird. Die Gefahr, dass am Ende doch nichts daraus wird, ist nicht ausgeschlossen, wäre aber fatal für GC.

Drei-Akter mit Happy End?
Soweit der Drei-Akter. Die zentrale Frage für uns Zuschauer: Endet das griechi-sche Drama für GC doch noch mit einem erfreulichen Epilog, mit einem unverhofften Happy End?

Wie immerin solchen Fällen schweigen die be-troffenen Akteure. Gaydoul lässt ausrichten: «Zu Gerüchten nehme ich keine Stellung.» Und GC will erst nächste Woche das Wort ergreifen. Verschiedene Quellen bestätigen, dass mit Philippe Gaydoul bereits erste Gespräche geführt worden sind.

Bei den alten Griechen kommts am Schluss oft zum Kampf der Götter, worauf der Held dem einen oder anderen Gott geopfert wird. Damit die Welt weiter besteht und sich der Kosmos in geordneten
Bahnen weiter ausbreiten kann.

Auf Niederhasli bezogen: Wer wird im GC-Campus in Zukunft die Umlaufbahn bestimmen? Und vor allem: Welcher Gott setzt sich durch, welcher Held verbrennt sich die Flügel? Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Vögeln ist weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

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