FCZ-Star Chiumiento bricht sein Schweigen «Dass kein Klub mich wollte, war nicht einfach für mich»

Seit seiner Ausmusterung im Januar hat FCZ-Star Davide Chiumiento (31) geschwiegen. Jetzt redet er Klartext: Er lobt Trainer Hyypiä und kritisiert sich selbst!

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3 YB 5 14:8 9
4 Vaduz 5 7:9 7
5 Lausanne 5 10:14 7
6 GC 5 9:9 6
7 Lugano 5 7:10 6
8 Thun 5 8:13 5
9 St. Gallen 5 3:8 3
10 Sion 5 5:12 3
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BLICK: Wie sehr hat Sie Ihre Ausmusterung im Januar getroffen?
Davide Chiumiento: Das tat sehr weh. Ich dachte, dass wir eine Lösung finden, dass ich eine zweite Chance kriege. Erst mit der Zeit habe ich realisiert, dass ich Fehler gemacht habe. Das war der schwierigste Prozess, und dabei hat mir meine Frau sehr geholfen. Sie ist kritisch und sehr direkt. Im Nachhinein hat es diese Auszeit vielleicht gebraucht, ich habe dazugelernt.

Was?
Dass ich es nicht persönlich nehmen soll, wenn es um die Sache geht. Dass ich positiver sein sollte. Bei mir ist es so: Bin ich enttäuscht, merkt es die ganze Kabine. Bin ich glücklich, dann auch. So war ich immer, nicht nur im Fussball. Ich mache das nicht gewollt. Ich habe mir damals viele Gedanken gemacht, vielleicht hatte ich deshalb eine negative Körpersprache.

Wie ist es konkret zu Ihrem Rauswurf gekommen?
Was vorgefallen ist, bleibt zwischen Sami und mir. Jedenfalls ist mir eines ganz besonders wichtig: Der FCZ liegt mir sehr am Herzen.

Seit sieben Wochen sind Sie wieder im Kader. Mussten Sie, der Ex-Captain, sich hierarchisch wieder hinten anstehen? Oder was hat sich verändert?
Ich habe mich verändert! Ich bin viel positiver eingestellt als vorher. Ich habe die Rückkehr als meine grosse Chance angesehen, die ich packen wollte. Und so habe ich vom ersten Tag an Vollgas gegeben. Bei den Mitspielern hat sich nichts verändert, sie waren alle sehr glücklich, dass ich wieder da bin.

Wenn Ihr Trainer Hyypiä vom Fussball spricht, redet er von Arbeit von Willen. Ihre Art von Fussball hat wenig mit Arbeit zu tun, Sie sind der Künstler...
... Ich war in meiner Auszeit nicht nur enttäuscht. Ich hatte auch viel Zeit mir Gedanken zu machen. Oft will man ja die eigenen Schwächen nicht sehen. Ich habe gemerkt, dass ich von Samis Mentalität, seiner Berufseinstellung enorm profitieren kann. Sagen wir es so: Hätte ich ihn früher als Trainer oder als Mitspieler gehabt, wäre ich vielleicht auf einem körperlichen Niveau gewesen, mit welchem ich... wie soll ich das sagen, ohne überheblich zu klingen?

Mit welchem Sie wohl nicht bei YB, Vancouver oder dem FCZ gespielt hätten...
Ja, vielleicht so. Und deshalb ist es speziell, dass ich ihn jetzt als Trainer habe. Am Anfang war die Umstellung schwierig. Es ist ja nicht so, dass ich vorher nicht trainiert hätte. Aber bestimmte Trainingseinheiten waren neu für mich.

Sami Hyypiä betont jeweils, dass er aus seinem Talent mehr als das Maximum herausgeholt habe.
Dies will er seit dem ersten Tag uns allen mitgeben. Er sagt jeweils: Wenn du einen schlechten linken Fuss hast, trainiere ihn täglich. Als Spieler denkt man vielleicht ‹jaja› und macht es dann doch nicht. Er selbst geht täglich laufen und schlägt nach dem Training noch Flanken. Dabei müsste er dies doch nicht mehr machen. Er ist Trainer! Sami ist, was seine Erfahrung im Profifussball betrifft, viel weiter als jeder von uns Spielern. Er will, dass jeder das Maximum herausholt.

Sie kommen gerade von einer Extraschicht Laufen. Gehört das zum verordneten Aufbautraining?
Nein. Die ersten Wochen musste ich Extraschichten einlegen. Ich will Sami und dem ganzen Staff danken, dass sie immer mitgelaufen sind. Jetzt renne ich freiwillig dreimal in der Woche zehn Kilometer.

Das dürfte das erste Mal in Ihrer Karriere sein!
Das kann man so sagen. Freiwillig rennen war ich nie. Freiwillig auf dem Platz war ich aber schon öfter. Aber ich habe gemerkt, dass ich diese Basisläufe brauche. Sie tun mir gut.

Sie waren über vier Wochen suspendiert. Warum haben Sie den FCZ nicht verlassen?
Anfragen, die interessant gewesen wären, sind keine gekommen. Nach meinem verletzungsbedingten Ausfall über fast die komplette Vorrunde hin und während der anschliessenden Zwangspause hat es mich trotzdem etwas verwundert, dass niemand beim FCZ angerufen hat. Das war am Anfang nicht einfach für mich, im Nachhinein bin ich aber glücklich darüber!

Es ging das Gerücht um, dass Sie sich ins Team zurückklagen wollten. Stimmt das?
Nein, das hätte auch nichts gebracht. Ich hätte nicht zurückkommen wollen, wenn ich nicht erwünscht gewesen wäre. Der Tag, an dem mich Gilles Yapi anrief und fragte, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könne, war ein toller Tag. Ich danke Gilles, dass er meine Rückkehr eingeleitet hat. Ich kenne ihn seit unserer gemeinsamen Zeit bei YB. Ich habe mich beim FCZ für ihn stark gemacht als er ohne Klub war. Er ist ein super Typ und ein super Fussballer. Vielleicht hat er dasselbe über mich gedacht. 

Mit Hyypiä haben Sie ein professionelles Verhältnis?
Er war sehr fair. Er hat mir bei meiner Rückkehr reinen Wein eingeschenkt. Er sagte, falls ich mich reinhängen würde, bekäme ich meine Chance. Und er hat sie mir dann auch gegeben. Im Moment bin ich total glücklich.

Auch FCZ-Präsident Ancillo Canepa dürfte total glücklich sein. Dass Sie einer seiner ausgesprochenen Lieblingsspieler sind, ist ja kein Geheimnis.
Chiumiento schmunzelt und sagt: Vielleicht ja... nach Yassine Chikhaoui.

Publiziert am 27.03.2016 | Aktualisiert am 28.03.2016

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