FCL im Trainingslager Wegen Abreise: Tränen bei den Balljungen

EL GOUNA - Der FC Luzern bereitet sich in Ägypten auf die neue Saison vor. Blick.ch ist mit dabei.

  • Publiziert: 12.18 Uhr, Aktualisiert: 28.01.2012
  • Von Alex Dutler aus El Gouna

Liebes FCL-Tagebuch (27. Januar)

Noch ein letztes Morgen-Training, dann geht es zurück in die Schweiz. Die FCL-Kicker haben es so eilig, dass sie glatt Sportarzt Thomas Stengel vergessen! Der Car ist weg und der Doc steht wie ein begossener Pudel vor dem Hotel. Im Medienauto chauffieren wir ihn gerade noch rechtzeitig zum Platz.

Coach Yakin schart sein Team im Kreis um sich und hält eine Schlussansprache. Dann startet die letzte intensive Einheit in Ägypten. Als Schlussbouquet gibt es einen Match. Die Gewinner stehen Spalier für die Verlierer und applaudieren. «Merci, dass ihr vorbeigekommen seid. Touristen sind hier immer willkommen.» Solche Spässe zeugen von der guten Laune und der Vorfreude auf zuhause.

Alle verabschieden sich von den ägyptischen Ballbuben. Bei den Kids fliessen Tränen. Die Spieler stecken ihnen heimlich Euro-Scheine zu. Jahmir Hyka zeigt sich besonders grosszügig.
Zurück im Hotel platzt die Bobadilla-Bombe. Grosse Hoffnungen wurden in den letzten Tagen über eine Zukunft des Goalgetters in der Innerschweiz geäussert. Jetzt sieht man doch einige betretene Gesichter, als der Transfer zu YB fix vermeldet wird. Es bleibt keine Zeit zum Trauern: Packen, Check-out und ab gehts zum Flughafen.

Roli Leemann schleust den ganzen Trupp an den Kontrollen vorbei. Bei der Gepäckabgabe gibt es trotzdem Stau. Jetzt braucht es viel Geduld und gutes Zureden. Das ägyptische Personal ist überfordert. Um 17:30 hebt der Flieger ab. Viereinhalb Stunden bis Zürich Flughafen. Die Reise verläuft ruhig. Auch für Doc Stengel. Er hats rechtzeitig geschafft und dieses Jahr kippt im Flieger auch niemand um.

Liebes FCL-Tagebuch (26. Januar)

Letzter Tag vor der Abreise im FCL-Camp. Die Mannschaft trifft sich früh zu einem leichten Footing am Strand. Für den ganz grossen Sport sorgt am Morgen aber die FCL-Führungsriege. Der angekündigte Match Journalisten gegen Vorstand und Staff findet tatsächlich statt. Um 11 Uhr ist Anpfiff direkt neben dem El-Gouna-Stadion. Gespielt wird zweimal 20 Minuten.



Der FCL mit seinen Stars Walter Stierli und Giorgio Contini beginnt nervös. Das Füsschen zittert! Luzerner Chancen sind in der Startphase Mangelware, während die Journis ganz schön keck kombinieren.

Schnell liegen die Innerschweizer 1:4 im Rückstand.

Dann der Einbruch im Medienteam. Ex-Profi Contini packt der Ehrgeiz. Als Sturm-Tank veranstaltet er eine Einmann-Show, schiesst 6 Tore und lässt den Blick.ch-Reporter mehrmals ganz alt aussehen.



Die Zuschauer sind sich nicht einig. Wars am Ende die grössere Erfahrung? Der präsidiale Flügel-Flitzer Walter Stierli ist immerhin 63 Jahre alt. Oder gab doch die mangelnde Kondition bei den Reportern den Ausschlag? Schwer zu sagen... Das Resultat ist denkbar knapp: Der FCL gewinnt mit 10:9,

die Jubelszenen erinnern an den Cupfinal von 1992.

Am Nachmittag steht der zweite Test auf dem Programm. Gegner ist Lokalmatador El Gouna aus der ägyptischen Premier League. Vor der Abreise befragt Blick.ch Präsident Stierli in der Lobby zum Stand im Bobadilla-Poker. Stierli ist überzeugt: «Finanziell können wir mit den anderen Clubs nicht mithalten. Unser Joker ist Murat Yakin. Der Spieler kennt ihn von Concordia und GC und vertraut darauf, dass er ihn wieder ganz gross raus bringen wird.»



Der Spielverlauf ist ähnlich wie bei der Morgen-Partie.

Luzern gerät nach einem Zibung-Patzer in Rückstand.

Die Ägypter sind bissig und topmotiviert. In der zweiten Halbzeit kehren Bento und Siegrist das Spiel. Vor allem der zweite Treffer ist sehenswert und wird sogar von den rund 500 Heimfans bejubelt, die grösstenteils aus Sawiris Bauequippe stammen. Für das Spiel gabs einen freien Nachmittag.



Am Ende trennt man sich freundschaftlich 2:2. Kurios: El Gouna wird von Mc Donalds gesponsort. Aber im ganzen Dorf gibts weit und breit keine Filiale der Imbisskette.



Der Abend steht im Zeichen des Clasico. Die Mannschaft setzt sich ab, um die Partie im Dorf am TV zu verfolgen. Wir Journalisten machen uns auf die Suche. Dann eine SMS von Dave Zibung: «Bleibt bitte wo ihr seid, wir wollen ungestört sein.» Bitter! Blick.ch wird ausgeladen. So bleibt es der Phantasie überlassen, womit und in welchem Umfang die Kicker auf die vier Tore und das Ende ihrer Zeit in Ägypten anstossen.

Liebes FCL-Tagebuch (25. Januar)

Grosse Aufregung vor dem Morgentraining in El Gouna. Murat Yakin gibt bekannt, wer seinen Bruder Hakan auf der Captain-Position beerbt. Seit Tagen wurde heftig spekuliert. Unter der Hand machten bei den Journalisten die wildesten Gerüchte die Runde. Jeder meinte zu wissen, wer es denn nun werden würde.

Der bisherige Vize Michel Renggli galt als Favorit. Auch der Hobby-DJ Daniel Gygax wurde mancherorts hoch gehandelt, nachdem er von seiner langwierigen Verletzung genesen ist. Aussenseiterchancen schrieb man David Zibung zu. Der Keeper gilt als Leader-Typ und hat in der Hinrunde immerhin die wenigsten Gegentore der ganzen Super League kassiert.

Dann der Paukenschlag. Murat Yakins neuer verlängerter Arm ist... Florian Stahel! Wie bitte? Der Neo-Luzerner, der von der Zürcher Südkurve immer noch mit «Eine vo üs» begrüsst wird? Ja! Das Team durfte die Kandidaten nominieren, Yakin und sein Staff haben entschieden. Mit seiner besonnenen Art und seinem Einsatzwillen hat Stahel sich offenbar in nur 5 Monaten viele Freunde in der Innerschweiz gemacht. Symptomatisch, dass er sich im Tagebuch von gestern als Erster ins Rote Meer gestürzt hat...

Stahel führt also die Luzerner im Rückrunden-Startspiel gegen seinen ehemaligen Verein auf den Platz. Er freut sich gewaltig: «Ja, das macht mich natürlich schon stolz. Es ist eine grosse Ehre für mich», erklärt er gegenüber Blick.ch. Ob er denn jetzt öfter mal auf den Putz hauen werde, fragen wir den neuen Captain. Seine Antwort, besonnen wie immer: «Ich verändere mich nicht. Wenn es nötig ist, dann werde ich laut, sonst bleibe ich ein ruhiger Typ. Und ich bin kein Alleinherrscher, sondern werde viel mit dem Mannschaftsrat sprechen.»

Der besteht neben Stahel aus dem neuen Vizecaptain David Zibung und der Nummer 3 Claudio Lustenberger. Zwei zusätzliche Mitglieder wählt das Trio in den nächsten Tagen aus. Ob Michel Renggli dazu gehört? Der gescheiterte Kronfavorit wurde nun auch als Stellvertreter abgesetzt. Auf dem Platz wirkte er heute eher verbissen und donnerte im Freistosstraining einige Dinger derart heftig aufs Tor, dass einem angst und bange wurde.

Präsident Stierli plaudert derweil offen über seinen Transferwunsch Raul Bobadilla von Mönchengladbach. Innerhalb von 48 Stunden soll die Entscheidung fallen. Stierli erklärt die aktuelle Lage: «Wir bemühen uns sehr. Durch die Abgänge von Yakin und Ianu haben wir wieder Spielraum im Lohnbudget. Mit den FCL-Investoren versuchen wir einen Sondereffort zu leisten, um die Transfersumme ausserhalb der Betriebsrechnung zu stemmen.» Im Klartext: Sawiris und Co. sollen noch einen Batzen springen lassen, um dem FCL mehr Offensiv-Power zu kaufen. Wir warten gespannt!

Nach den geruhsamen letzten Tagen mit Kart und Bootsausflug gehts heute auch am Nachmittag nochmal zur Sache. Theorie und Praxis zu Taktik und Standards stehen auf dem Programm. Auf dem Weg zum zweiten Training spricht Blick.ch mit Xavier Hochstrasser. Er sieht nicht sehr happy aus. Auf Facebook hat er schon einen Countdown gestartet, wo er die Tage bis zur Heimkehr runterzählt. Hochstrasser gesteht: «Ich bin nicht so der Typ fürs Trainingslager. Die Zeit geht wahnsinnig langsam vorbei und man wird ständig kontrolliert. Das liegt aber nicht am FCL oder El Gouna. Das war bei mir schon immer so. Es wird halt immer schlimmer, ich träume schon von zuhause.»

Zur Auflockerung spielt er mit seinem Zimmerkumpel Sally Sarr oft Fussball auf der Playstation. Und da sind sie nicht die Einzigen im Team. Ungeschlagener Champion ist David Zibung. Gerüchteweise treibt er sich bei FIFA 12 in der zweithöchsten Online-Liga herum. Ein Kunststück, um das ihn mancher Fan beneiden dürfte.

Liebes FCL-Tagebuch (24. Januar)

Po-Alarm in El Gouna! Michel Renggli zieht mitten im Strafraum blank. Sowas gibts nur im Trainingslager...

Der Reihe nach: Trainer-Fuchs Murat Yakin weiss, wie er seine Jungs auch zu Beginn der zweiten Woche in Ägypten bei Laune hält. Er teilt die Mannschaft beim Morgentraining in Fünfergruppen auf. Jede Übung ist ein Wettkampf zwischen zwei der Mini-Teams. Die Resultate notiert Yakin akribisch. Der Trick funktioniert! Die Jungs sind heiss. Sie kämpfen um jeden Ball und feuern sich gegenseitig lautstark an.

Im Eifer des Gefechts stösst Daniel Gygax unglücklich mit Adi Winter zusammen. Winter muss sich am bereits lädierten Bein lange pflegen lassen. Der Staff ist besorgt. Die Coaches diskutieren schon, ob sie ihn zur Sicherheit ins neue Spital in El Gouna zum MRI bringen sollen. Gygax lebt Teamgeist vor: Er schiebt Doppelschichten, ersetzt den verletzten Kollegen im anderen Team. Dann die Entwarnung, Winter ist wieder auf den Beinen. Alles ok!

Am Ende der Einheit wird abgerechnet. Auf dem letzten Platz landet ein illustres Quintett. Daniel Gygax, Alain Wiss, Michel Renggli, Nico Siegrist und Nico Samson. Für die Verlierer-Truppe gibts eine saftige Strafe: Yakin dirigiert sie auf die Torlinie: Po voraus und in die Hocke! Aus 11 Metern hat jeder Sieger freie Schussbahn auf die Allerwertesten der Kollegen.

So richtig zielen will aber keiner. Die Verlierer sind durch die unangenehme Position schon genug gestraft. Nur Gygax kassiert zwei harte Dinger. Michel Renggli wird schon übermütig. Er präsentiert den Kollegen seinen blanken Hintern! Der Spassvogel erntet grosses Gelächter, aber Gezim Shalaj bestraft ihn sofort mit einem saftigen Treffer. Autsch!

Am Nachmittag folgt der traditionelle Bootsausflug. Investor Samih Sawiris hat zwei Yachten für den Vorstand und die Journalisten organisiert. Ein atemberaubender Anblick! Auf einem der Schiffe hat Filmstar Jean-Paul Belmondo letztes Jahr seinen 78. Geburtstag gefeiert.

Für die Spieler gibts sogar einen pfeilschnellen Katamaran. Und so schippert die ganze Truppe bei strahlendem Sonnenschein über das Rote Meer. Weit vor der Küste wird geankert. Florian Stahel stürmt als Erster ins Wasser, die anderen zieren sich noch. Hier draussen ist es doch ziemlich windig und kühl. Mehr als eine kurze Schnorcheltour liegt nicht drin, bevor es mit Vollgas wieder heimwärts geht.

Bobadilla nach Luzern?

Ein heisses Gerücht macht die Runde. Nach Angaben des Deutschen Fachblatts «Kicker» ist der FC Luzern an Ex-Hopper Raúl Bobadilla (24) interessiert.

Der Argentinier hat bei Lucien Favres Borussia Mönchengladbach einen schweren Stand, erzielte bei 15 Einsätzen nur gerade einen Treffer. Der bullige Stürmer war 2009 für 5,6 Millionen Franken von GC zu Gladbach gewechselt.

In der Super League hat Bobadilla in 47 Spielen 26 Treffer erzielt und zehn weitere vorbereitet. Was ist da dran, Murat Yakin? «Sehr gerne, ich glaube aber nicht, dass wir ihn zahlen können.» (Mi.W.)

Liebes FCL-Tagebuch (23. Januar)

Tag 6 im FCL-Trainingscamp in El Gouna. Endlich! Freier Ausgang für die Luzerner Kicker zum Abschluss einer intensiven ersten Wochen in Ägypten. Aber den Spass müssen sich Zibung, Gygax und Co. erst noch verdienen! Am Morgen übernimmt Konditionstrainer Walter Grüter die Einheit. Er ist ein harter Hund, scheucht seine Jungs unerbittlich Runde für Runde um den Platz.

Dann ist es so weit – frei! Zapfenstreich ist erst um 24 Uhr. 12 Stunden dürfen die Profis auf den Putz hauen. Kopf leeren, lecker essen, egal! Hauptsache dem Lager-Koller vorbeugen. Grüter gibt dem Team noch einen Ratschlag mit auf den Weg: «Gönnt Euch was, ihr habt es verdient. Heute ist ausnahmsweise alles erlaubt.»

Also was tun? Entspannen? Spa? An den Pool? Oder doch die versprochenen Postkarten schreiben? Quatsch! Fast alle Spieler wollen mehr Adrenalin. Also mieten sie am Nachmittag kurzerhand die Kartbahn in El Gouna und geben richtig Gas. Qietschende Reifen, packende Duelle – wer bremst verliert. Für einmal ist Ersatzkeeper Gabriel Wüthrich die Nummer 1. Er sichert sich den Pokal und darf sich nun ein Jahr lang als grösster Bleifuss der Innerschweiz brüsten.

Am Abend pfeifen die Spieler auf das Buffet im Fünf-Sterne-Mövenpick-Ressort. Sie wollen Abwechslung. Mit dem Car gehts geschlossen ab in die Stadt.

Zum Schluss klingt der Abend an der Hotelbar aus. Trainer Yakin und Präsi Stierli sind von einem Essen mit Investoren zurück. Es gab Fondue, und das in Nordafrika! Die Stimmung ist gut. Beim Vorstand machen Wasserpfeifen die Runde. Plötzlich flammt ein heisses Thema auf. Walter Stierli will einen Match: FCL-Funktionäre gegen den Blick-Journi und seine Kollegen.

Walter Grüter ist sofort Feuer und Flamme und kündigt scherzhaft an, nur auf auf den Mann zu spielen: «Irgendwem breche ich immer das Bein!» Gefixt ist noch nichts - aber wenn die Bosse Wort halten, dann wird das ein heisser Tanz im Wüstensand!

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2 Kubi Türkyilmaz Über Muri-Aussage schüttelt er den Kopfbullet
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