Der verbissene Torjubel Alex, warum nicht öfter so?

  • Publiziert: 21.07.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Heiko Ostendorp und Michel Wettstein

Selten haben 90 Minuten so viel über einen Profi verraten. Der Auftritt von Alex Frei (31) beim 3:2 gegen den FCZ ist ein Spiegelbild des Nati-Captains.

Früh liegt der FCB 0:1 hinten. Keine fünf Minuten später knallt Frei den Ausgleich rein. Er stürmt zu den Fans. Beim Torjubel entlädt sich sein ganzer WM-Frust.

Als Shaqiri einen Freistoss zu früh ausführt und Gelb sieht, staucht Frei den Youngster zusammen. Anschliessend jagt er den stehenden Ball drüber und wird von den FCZ-Fans als «Hurensohn» verhöhnt. Er kocht vor Wut. 1:2, 2:2. Ein Unentschieden ist für Frei zu wenig. Er will den Sieg. Frei fordert jeden Ball, ackert, reklamiert. Dann trifft er per Kopf nur den Innenpfosten. Verzweifeln? Aufgeben? Von wegen!

Zehn Minuten vor Ende steht Frei wieder da, wo ein echter Knipser stehen muss, und nagelt das 3:2 in den Winkel. Diesmal rennt er Richtung Haupttribüne und schreit seine Anspannung raus. Ein Lachen sucht man in seinem Gesicht vergebens.

Nach dem Duschen feiert Frei weder sich selbst noch den starken Auftritt des FCB. Er denkt schon an das nächste schwere Spiel am Samstag in Sion. Und kündigt an: «Ich bin noch nicht bei hundert Prozent. Dafür braucht es noch zwei, drei Wochen.»

Es klingt wie eine Drohung an den Rest der Liga. Denn wenn Frei so etwas sagt, gibt er weiter Gas. Vollgas. Sein unbändiger Ehrgeiz wird ihm oft negativ ausgelegt.

In Wahrheit ist er seine grösste Qualität. Frei ist nie zufrieden. Auch nicht nach einem Doppelpack gegen den Zürcher Erzrivalen.

«Wir wissen, was wir an ihm haben», sagt Bernhard Heusler. «Genau aufgrund dieser Qualitäten haben wir ihn vor einem Jahr geholt. Er ist zu hundert Prozent loyal, haut auch mal auf den Tisch, wenn es sein muss. Aber er gibt dir sein Wort, und du kannst dich darauf verlassen.»

So war es auch, als Frei dem FCB-Vizepräsidenten bei der Hochzeit von Marco Streller per Handschlag versprach, aus der Bundesliga zurück in die Schweiz zu kommen. Frei wollte es in der Heimat allen beweisen, nachdem er im ersten Anlauf für untauglich befunden worden war. Und Frei beweist es. Trotz Verletzungen macht er in seiner ersten Saison 27 Pflichtspieltore und 16 Assists (bei 34 Einsätzen) – eine Wahnsinnsquote!

Trainer Thorsten Fink schwärmt von Freis Führungsqualitäten: «Er ist da, wenn man ihn braucht. Er schiesst seine Tore, wenn wir sie brauchen. Alex ist ein absoluter Vollprofi.»

Ein Vollprofi muss nicht der Liebling der Massen sein. Er muss Tore schiessen, Titel gewinnen. Auch, wenn man manchmal gerne rufen würde: «Alex, bitte lächeln!»

play Zunge raus: Frei nach dem 3:2-Siegestor gegen den FCZ. (Keystone)

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Ist Frei zu verbissen?»

  • 55,0% Ja! Mehr Lockerheit verbessert sein Image
  • 45,0% Nein! Gute Laune schiesst keine Tore