Endlich: Vonlanthen frisst Dreck!

  • Publiziert: 27.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Michael Wegmann

Vonlanthen war lang als eitler Schönwetterkicker verschrien. Beim FCZ fightet und glänzt er.

Total verdreckt läuft Johan Vonlanthen zur Pause in die Kabine. Total verdreckt kommt er nach 15 Minuten wieder auf den Rasen. Warum zieht der Torschütze keine sauberen Klamotten an? Vonlanthen: «Ich wechsle mein Leibchen in der Pause nie aus.»

Zu dem verwöhnten und sensiblen Schönwetterfussballer, als der er verschrien war, passt dieses Gebaren gar nicht. Zum neuen Vonlanthen dagegen schon. Denn der (zu) früh Gehypte, dann (zu) oft Verschmähte ist endlich geerdet.

Das schmutzige Dress versinnbildlicht den Eindruck, den der 23-Jährige seit seinem Transfer zum FCZ hinterlässt. Der schnelle und torgefährliche Supertechniker verrichtet auch Defensivarbeit. Er frisst Dreck für seinen neuen Verein!

Vonlanthen schlägt beim FC Zürich ein wie eine Bombe und macht die Zürcher glücklich. Seine Trikots mit der Nummer 8 gehören zu den Verkaufsschlagern im FCZ-Fanshop.

Vonlanthen, der Publikumsliebling! Eigentlich ein Wahnsinn: Vor nicht mal sechs Wochen stiess er bei den FCZ-Fans noch auf Ablehnung: «Was will der denn bei uns?», lautete der Tenor. Jetzt kennt auch der schärfste Kritiker die Antwort. Dribbeln, treffen und kämpfen! Vonlanthen führte den FCZ mit grossem Engagement und drei Quali-Toren in die Königs-klasse.

Bei Red Bull schaut man «ein bisserl deppert aus der Wäsch»

In Salzburg schaut man deshalb «ein bisserl deppert aus der Wäsch». Denn Red Bull, wo Vonlanthen vor einigen Wochen aussortiert wurde, verpasst nach dem 0:3 gegen Maccabi Haifa den Einzug in die Champions League klar.

Die Bullen müssen in die Europa League, und der Verschmähte trumpft in Zürich auf. «Ich habe immer gesagt, dass Vonlanthen ein wunderbarer Fussballer ist. Ich kann nicht verstehen, warum Red Bull ihn nicht mehr wollte», kritisiert Herbert Prohaska (Österreichs Günter Netzer) die Transferpolitik des Dosenklubs.

Red Bull ist Vergangenheit, der FCZ die Gegenwart. Vonlanthens Zukunft soll Real Madrid sein. «Das wäre mein absoluter Traumgegner», sagt der Natispieler.

Und was für Chancen würde er sich mit dem FCZ gegen die Königlichen ausrechnen? «Es kann alles passieren. Mit uns muss man auch in der Champions League rechnen.» Vonlanthens Kampfansage. Ganz ohne Augenzwinkern, dafür mit einem breiten Grinsen.

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