Hitzfelds Nati-Aufgebot Eine Zeitbombe für Luzern

  • Publiziert: 28.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Alain Kunz und Bruno Voser

Angesäuert stapft Hakan Yakin gruss- und wortlos vom Trainingsgelände Fliegerschuppen. Der Grund ist klar: kein Nati-Aufgebot von Ottmar Hitzfeld. Sprengstoff für den FC Luzern.

Die Hierarchie letzten Sommer war klar. Hakan Yakin (33) ist der Star, der Nationalspieler, der Grossverdiener. Kurz: Er ist die Nummer 1, als er zum FCL wechselt.

Für Davide Chiumiento (25), der mit einem Wahnsinns-Auftritt im Barrage-Rückspiel gegen Lugano (5:0) einen grossen Anteil am Ligaerhalt hatte, blieb die Rolle des Sekundanten.

Es war klar: Yakin würde die Position des Regisseurs übernehmen, Chiumiento ins ungeliebte Couloir ausweichen müssen. Keine Fragen. Alles klar.

Doch was nur wenige erwartet hatten: Chiumiento reifte in dieser Rolle immens, wurde auf der Seite zur spielbestimmenden Figur. Er, der eigentliche Anti-Torschütze, schoss sechs Tore in nur elf Spielen. Und am Freitag hielt er das Aufgebot des Nati-Coaches in der Hand.

Noch am Morgen ging der Appenzeller davon aus, dass der FCL nun zwei aktuelle Nationalspieler in seinen Reihen haben würde. Also er, der Neuling, und Hakan, der Arrivierte. Doch Hitzfeld überging Yakin. Und in Luzern war nichts mehr so, wie es vorher war.

Trainer Rolf Fringer konnte seine besondere Genugtuung über das Aufgebot für Chiumiento nicht verhehlen. Kein Wunder, ist es doch Fringer, der Chiumientos Karriere nach vielen Irrungen und Wirrungen in vielen Gesprächen wieder auf Kurs gebracht hat.

Der Coach gratulierte dem ehemaligen Juventus-Talent vor versammelter Mannschaft zur Nomination. Ganz Diplomat, vergass er Yakin dabei nicht: «Davide hat auch vom Team profitiert, speziell von Hakan.»

An Konfliktpotenzial mag der Österreicher nicht glauben, zumindest öffentlich, wenn die Rollen der beiden Trainingslager-Zimmerkollegen nun vertauscht werden. Doch Fringer weiss genau: Da hat sich eine Baustelle aufgetan.

Wieder ist er gefordert. Wie auch Präsident Walter Stierli. Denn mit dem Aufgebot hat Ex-FCL-Beirat Hitzfeld seinem Freund Stierli einen Bärendienst erwiesen – ohne das beabsichtigt zu haben.

Die Verhandlungsposition von Chiumiento im Poker um die Vertragsverlängerung ist nun eine andere, jetzt, da er Nationalspieler ist. Hat der FC Zürich tatsächlich Interesse an Chiumiento, dürfte er einen Preis zu zahlen bereit sein, bei dem Stierli aussteigen muss.

Es ist schon eigenartig, dass Chiumiento schon vor über einem Monat sagte, dass er in Luzern bleiben wolle und nur noch Details zu klären seien. Doch die Unterschrift unter dem Dreijahres-Kontrakt fehlt immer noch.

Es droht dem FCL ein zweiter Fall Milan Gajic. Ihn hatten die Luzerner auch gross gemacht und es dann verpasst, rechtzeitig zu verlängern. Der FCZ lachte sich ins Fäustchen und holte den Mittelfeldmann – gratis und franko.

play Landet er in Italien, oder Portugal? (EQ)

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