Nach den Schmährufen der YB-Fans gegen Marco Streller im Spitzenspiel fragt man sich: Woher kommt eigentlich der Hass gegen den FCB-Stürmer?
Es gibt Spieler, die ziehen den Hass aufgrund ihrer Spielweise auf sich. Meist sind das brutale Verteidiger oder Stürmer, die sich gerne fallen lassen. Es gibt andere, die werden nach schlimmen Eskapaden ausserhalb des Platzes ausgepfiffen. Schlägereien, Sauftouren, Affären.Und es gibt Spieler wie Marco Streller. 2006 verschiesst er im WM-Achtelfinal aufreizend lässig einen Penalty, nachdem er zuvor neckisch mit der Zunge schnalzte.«Ich weiss, dass ich polarisiere»Es war der Anfang der Anti-Streller-Stimmung in der Schweiz. Der Rest ist bekannt: Pfiffe der eigenen Fans beim Länderspiel in St. Gallen, Rücktritt. Rücktritt vom Rücktritt. Vergangene Saison sogar mehrfach Pfiffe der FCB-Fans gegen den Baselbieter. «Ich weiss, dass ich polarisiere. Mein Stil gefällt nicht jedem. Ich werde hochgejubelt oder niedergemacht», sagte Streller damals.In dieser Saison spielt der Nati-Stürmer in der Form seines Lebens. Machte bisher 18 Tore in drei Wettbewerben. Zeigte spektakuläre Dribblings wie gegen Xamax oder Zürich. In jedem Auswärts-Stadion wird Streller ausgepfiffen.«Die Aktion war kreativ, nicht bösartig»Nach dem Match in
Bern verhöhnt ihn die YB-Fankurve: «Ohne Streller fahrn wir zur WM.» Was haben die Zuschauer nur gegen Streller, der eigentlich ein lockerer, sympathischer Typ ist?Clemens Friedli vom YB-Fandachverband: «Ich fand die Aktion kreativ und überhaupt nicht bösartig. Streller ist nun mal Basler und steht dazu, er macht mir auf dem Platz zu viel
Theater. Lässt sich fallen, reklamiert. Aber diese Reaktion der Fans muss er abkönnen, sonst hat er im Profi-Fussball nichts verloren. Ausserdem ist es ja auch eine Art Anerkennung. Wäre er eine Wurst, würden wir nicht pfeifen.»Das sieht auch FCB-Sportkoordinator Georg Heitz so: «Diese Schmährufe hat sich Marco erarbeitet, und er wird sich weitere erarbeiten.» Nach drei, vier Jahren habe sich Streller aber an diese Reaktionen gewöhnt, glaubt Heitz: «Ihn trifft das nicht mehr so. Ich persönlich finde es schade, weil dort Dinge vermischt werden, die nichts miteinander zu tun haben. Es ist ein Unterschied, ob er als FCB-Spieler oder als Nationalspieler ausgepfiffen oder verspottet wird.»Streller selbst will kein weiteres Öl ins Feuer giessen und schweigt lieber. Dafür sagt sein Kumpel Beni Huggel: «In der Schweiz herrscht eine komische Doppelmoral, die schwer zu akzeptieren ist. Man soll auch in der Öffentlichkeit Schwächen zeigen dürfen, wurde gerade nach der tragischen Geschichte mit Robert Enke gefordert. Marco hat das damals getan und bekommt dafür seit zwei Jahren auf die Mütze.»BLICK meint: Die Schmährufe hat Streller nicht verdient, denn in dieser Form muss jeder Schweizer froh sein, wenn er mit zur WM fährt.