Die Weltenbummler aus Sitten

  • Publiziert: 04.04.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Alain Kunz

Sie spielen vor 100'000 Fans. Doch mit dem FC Sion gurken die vielen Internationalen der Walliser in der Abstiegszone herum. Auch heute im Direktduell gegen Luzern.

Das Prozedere ist dem FC Sion längst vertraut. In den letzten Tagen trafen die Spieler des Trainerduos Barberis/Zermatten tröpfchenweise im Wallis ein. Kommend von Destinationen wie Kairo, Maputo (Mosambik), Kumasi (Ghana), Budapest, Lissabon und San José (El Salvador). Denn der FC Sion ist längst nicht mehr der FC Wallis. Und auch nicht ein Olympique des Alpes, wie die Aktiengesellschaft des Klubs immer noch heisst. Der FC Sion ist ein FC Mondo, ein FC Global, der wahre FC Internazionale. Mit Spielern, denen Strand, Meer und Palmen weit vertrauter sind als Gletscherspalten, Rhone und Fendant.Die Liste ist erstaunlich: Goalie Essam El Hadary spielte mit Ägypten in Kairo beim 1:1 gegen Sambia durch und war am Gegentor schuldlos. Beim 0:0 von Mosambik gegen Nigeria in Maputo stand in beiden Mannschaften je ein Sittener: Paito für das Heimteam, Obinna Nwaneri für den gestrauchelten Favoriten. Ausgerechnet Nwaneri, der 2009 noch keine Sekunde für Sion gespielt hat. Weil ihn Boss Christian Constantin verkaufen will, und er überdies zuletzt verletzt war. «Gegen Luzern ist er wieder auf dem Matchblatt», verspricht CC. Mohammed Yusuf war im nigerianischen Aufgebot, musste wegen einer Verletzung aber Forfait geben. Der Wahnsinn: Yusuf wird diese Saison nie für Sion spielen können, weil für ihn auf der Kontingentsliste kein Platz mehr frei ist. Vilmos Vanczak gewann im heissen Tirana mit Ungarn 1:0 gegen Albanien und siegte in Budapest gegen Malta 2:0. Vanczak ist unbestrittener Stammspieler bei den Magyaren, die auf WM-Kurs sind. Jocelyn Ahoueya verlor mit Benin in Kumasi 0:1 gegen Ghana. Kali verlor in Lissabon mit der ehemaligen portugiesischen Kolonie Angola 0:2 gegen Marokko. Und Stürmer Alvaro Saborio durfte beim 0:2 von Costa Rica im gewaltigen Aztekenstadion von Mexico City vor 105000 Fans in der zweiten Halbzeit ran, schmorte dann in San José beim 0:1 gegen El Salvador 90 Minuten auf der Bank der auf WM-Kurs liegenden Ticos.«Und vergiss Alvaro Dominguez nicht», wirft CC ein, seine illustre Kickerrunde kommentierend. Dominguez war bis vor kurzem Stammspieler in der Kolumbien-Nati, half im März 2007 mit, die Schweiz in Miami 3:1 zu besiegen. Verrückt, nicht? Da reisen die Sion-Spieler in der halben Welt herum, werden in ihren Heimatländern wie Staatsgäste empfangen, holen teilweise grossartige Resultate, kommen zurück ins Wallis – und sind nur noch Bettler.Das macht selbst CC ratlos, der diese Weltauswahl zusammengestellt hat: «Wenn ich eine Erklärung hätte, würde ich einiges ändern. Aber dieses Team ist nun seit bald zwei Jahren zusammen – und es ist immer noch keine Mannschaft.» Und mittlerweile hat doch der eine oder andere Trainer versucht, aus diesen «hervorragenden Individualisten» (CC) eine homogene Gruppe zu formen. Ohne Erfolg.Im Moment sind es gar zwei. Auch ohne Erfolg. Mit dem ersten Luzern-Spiel wird für Barberis/Zermatten der Job-Countdown eingeläutet. Danach gehts wieder in die Innerschweiz zum Cup-Halbfinal, und dann wartet zweimal Vaduz.PS. Auch der FC Luzern hat seinen Nati-Spieler. Er heisst Elsad Zverotic, ist Montenegriner und durfte sowohl beim 1:2 in Lecce gegen Italien, wie auch beim 0:0 in Georgien von Beginn weg ran. Beim Super-League-Letzten indes reicht es ihm nicht für die Stammelf.

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