Der Narr der Runde und der Mann der Stunde

  • Publiziert: 09.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Alain Kunz und Bruno Voser

Christian Constantin fasste beim Debüt als Sion-Trainer gleich die Narrenkappe. Zu viel hatte er falsch gemacht.

Sion steckt nun tiefer im Abstiegssumpf denn je. Wäre CC noch immer nur Präsident, er hätte gehetzt gegen den Trainer und Aufstellung, Auswechslungen, System und Taktik kritisiert. Doch weil er nun auch Trainer ist, fand er nur harmlose Worte. «Das Team hat gearbeitet. Nach fünf und drei Gegentoren in den letzten beiden Auswärtsspielen war das eine Reaktion. Das ist positiv.» Positiv? Die Leistung einer Mannschaft, die fast nur mauert und während der gesamten 95 Minuten zu keiner Chance kommt? So verschieben sich die Perspektiven. CC hatte wie immer für alles eine Antwort bereit. Den besten Mann, Olivier Monterrubio, wollte er als Joker bringen, aber der Platzverweis von Nwaneri kam dazwischen. Monterrubio sei als Captain nicht abgesetzt. Wer die Binde trage, entscheide er von Spiel zu Spiel. Die Taktik sei auch nicht zu defensiv gewesen, immerhin liege Bellinzona den Wallisern überhaupt nicht.

Fehler über Fehler. Und es ging noch weiter: CC zog den schwachen und vor nicht allzu langer Zeit ausgemusterten Nwaneri Kali vor. Dominguez war als Sturmspitze eine Fehlbesetzung, zumal man einen Skorer wie Saborio im Kader weiss. Und, und, und…

Auch Goran Obradovic verstand die Welt nicht mehr: «Wir haben nicht nach vorne gespielt, waren bloss auf einen Punkt aus. Doch das können wir gar nicht.» Der Serbe hat aber längst aufgehört, die Dinge im Wallis zu hinterfragen. «Da darf man nicht darüber nachdenken. Hier überrascht einen gar nichts mehr. Nicht einmal, dass der Präsident Trainer wird. Dass es so weit kam, ist in Sion doch normal – nicht?»

Der Mann der Stunde

Was ist nur mit Luzern los? Seit Rolf Fringer das Zepter übernommen hat, spielt der FCL wieder Fussball.

Von ganz hinten übt der Tabellenletzte aus Luzern Druck aus. Und wie! Zwei Spiele, zwei Siege. Mit Neo-Trainer Fringer als Held. Fringer: «Nein, nein. Sicher habe ich den Kern der Sache ‹getüpft› und das richtige Medikament aus der Apotheke erwischt. Aber die Credits gehören der Mannschaft. Sie reagierte super.»

Zum «Narren der Stunde» (siehe oben) mochte der Österreicher gestern nichts mehr sagen. «Wir kümmern uns um uns.» Keine markigen Worte mehr also, nachdem er im Vorfeld noch gesagt hatte, die Trainer müssten sich vor dieser Konkurrenz nicht fürchten, höchstens der Circus Knie.

Wie der FC Luzern am Samstag Aarau 3:0 besiegte, war beeindruckend. Dabei hätten sich die Leuchtenstädter den Sieg viel einfacher sichern können: Weil die Trikotfarbe des FC Aarau (schwarz) dem des FCL (dunkelblau) zu ähnlich war und die Aarauer kein Auswärts-Set dabei hatten, hätten die Luzerner die Möglichkeit gehabt, beim Schiedsrichter einen Protest zu hinterlegen. Dann hätten sie die Partie forfait – und somit ebenfalls 3:0 – für sich entschieden.

Doch Präsident Walter Stierli wollte die Partie auf dem Feld gewinnen. So liehen die Luzerner ihren Gästen das gelbe Auswärts-Set der eigenen U21-Equipe.

Stierli: «Wir sind Sportsmänner. Nicht wie die Aarauer, die von uns im Sommer für Sermeter 500000 Franken verlangten, während die anderen Klubs nur die Hälfte hätten zahlen müssen. Aber so sind wir nicht.»

Das Vertrauen des Präsidenten in seinen Trainer und das Team zahlte sich aus. Auf Fringer ist Verlass.

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