«Da gehts nur noch um Kleider und Aussehen»  GC-Lüthi hat die Schnauze voll vom Job als Profi-Fussballer!

Abertausende Jugendliche träumen davon, Profifussballer zu sein. Und dann kommt da GC-Verteidiger Benjamin Lüthi und wirft einfach den Bettel hin. Mit 28, freiwillig und kerngesund. Warum nur?

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2 YB 18 42:24 35
3 Sion 18 38:31 29
4 Luzern 18 36:33 29
5 GC 18 26:32 22
6 St. Gallen 18 20:27 21
7 Lausanne 18 30:34 18
8 Lugano 18 23:35 18
9 Thun 18 23:34 16
10 Vaduz 18 21:43 16
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Sind Sie in den Ferien?
Benjamin Lüthi: Nein, ich bin im Berner Oberland und bereite mich auf die Semesterprüfungen vor. So wie ich das schon die letzten zwei Mal gemacht habe.

Sie sind im dritten Semester?
Ja. Betriebswirtschaft an der Uni Zürich. Ich wollte es für mich behalten, um keine Angriffsfläche zu bieten. Gewisse Leute sehen es nicht gerne, wenn Fussballer nebenbeistudieren. Was ich schade finde.

Wusste nicht mal Ihr GC-Trainer Pierluigi Tami, dass Sie studieren?
Nein. Ich hab ihn mal gefragt, was er davon halten würde. Er fand es nicht so cool. Dann habe ich es nie mehr erwähnt.

Student und Profi geht das?
Eigentlich problemlos. Mir hat es gut­getan, die viele freie Zeit mit Inhalt zu füllen. Zudem war mir der Kontakt mit den Mitstudenten wichtig. Das ist ein anderer Schlag als Fussballer. Was ich jetzt nicht wertend meine.

Ist Ihr Studium der Grund, dass Sie zurücktreten?
Das Studium hat mir den Entscheid vereinfacht. Das Uni-Leben gefällt mir sehr. Aber der Rücktritt war kein Schuss ins Blaue. Das war ein Prozess über Jahre. Als junger Fussballer habe ich keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet. Da wollte ich keine Sekunde auf dieses Leben verzichten, auf die Annehmlich­keiten, die es mit sich bringt. Man macht gerne mit in diesem Unterhaltungsbusiness, in dieser Fussball-Blase. Aber es hat sich zuletzt alles verändert. Der Fussball und ich. Ich will da nicht mehr mitspielen. Das fühlt sich richtig gut an.

Was hat sich verändert?
Alles ist viel schneller und öffentlicher geworden. Die Werte haben sich verschoben.

Konkret?
Am Anfang in Thun, als Andres Gerber noch mein Mitspieler war, gingen wir zusammen nach den Trainings Kaffee trinken. Redeten über dieses und jenes. Heute ist jeder am Natel, kaum ist das Training fertig. Da geht es im besten Fall noch darum, was man für Kleider trägt und wie man aussieht. Das klingt jetzt nach grosser Abrechnung. Das sollte es aber nicht. Ich hatte zehn tolle Jahre als Profi.

Sie haben keinen Twitter-Account, kein Facebook, kein Instagram?
Ich bin nur auf Facebook wegen meinen Freunden. Bei all diesen Dingen muss man sich doch Fragen stellen dürfen: Was will ich? Was nicht? Ich will selbst bestimmen, was ich wissen will. Und gewisse Dinge will ich weder wissen noch sehen.

War der Umzug von Bern nach Zürich ein guter Schritt?
Ja. Zürich ist zwar ein anderes Pflaster. Härter, anonymer und auch oberflächlicher. Aber das ist nicht nur negativ. Es war zum Beispiel cool, dass es auch an der Uni anonym zu- und hergeht. So blieb ich unerkannt.

Ihr Vater Markus ist Thun-Präsident. Was meint er zu Ihrem Rücktritt?
Er vertraut meiner Intuition und unterstützt mich bei dem, was ich tue oder nicht tue. Die Frage, ob es richtig oder falsch ist, hat er nie gestellt. Die kann man auch nicht jetzt beantworten.

Sie lebten den Traum von Tausenden von Jugendlichen, und jetzt werfen Sie einfach hin. Entschuldigen Sie sich?
Das könnte ich. Es tut mir leid, wenn ich ihren grossen Traum ein bisschen relativiere. Aber ich finde meine Botschaft auch nicht schlecht: Dass man auf sich selber hören soll. Nicht einfach mit dem Strom schwimmen, weil man populär sein will oder mehr Geld verdient.

Konnten Sie in den zehn Jahren als Profi viel Geld auf die Seite legen?
Ich habe Geld auf der Seite, aber nicht viel. Ich habe zwar nie eine dicke Karre gefahren, dafür lebte ich in Zürich in einer schönen Wohnung. Ein Grossverdiener war ich nie. Bei Thun hatte ich einen Vertrag in der oberen Lohnstufe, aber das ist immer noch Thun. Und bevor ich bei GC unterschrieb, war ich arbeitslos. Das sind nicht die besten Argumente bei Lohnverhandlungen.

Müssen Sie sparen?
Meine Ausgaben fahre ich zurück. Aus meiner Wohnung bin ich ausgezogen und ziehe in eine WG. Aber ich habe genug gespart, dass ich ein angenehmes Studentenleben führen und mal auswärts essen kann. Aber ich schaue mich nach einem Studentenjob um. In einem lässigen Kaffee arbeiten wäre cool. Nicht Arbeiten ist für mich kein Thema! Nur schon aus moralischen Gründen.

Man könnte sich Sie auch als Fussball-Experte am TV vorstellen.
Vielleicht. Wer weiss, was in der Zukunft sein wird.

Bevor Sie 2014 zu GC kamen, hatten Sie ­eigentlich in Nürnberg unterschrieben. Was lief schief?
Mein Vertrag lag unterschriftsbereit vor. Ich habe meinen Berater schon zum Essen eingeladen. Dann fanden sie beim Medizin-Test Flüssigkeit in meiner Hüfte. Nach einer kurzen Therapie war die Flüssigkeit aber wieder weg. Auf dem Weg nach Nürnberg zur Nachkontrolle sagte man mir, dass man einen anderen verpflichtet habe. Da dieser sofort und nicht erst in zwei Wochen einsatzbereit sei.

Da war ein herber Schlag?
Das war sehr bitter. Mittlerweile denke ich, dass es so kommen musste. Tönt nach Floskel, ich weiss. So konnte ich meine Zelte in Zürich aufschlagen und durfte ein tolles erstes halbes Jahr bei GC erleben und Europa League spielen. Danach habe ich sportlich nicht überzeugt, hatte nur neben dem Platz eine Leader-Rolle. Dennoch ist der Weg für mich aufgegangen.

Publiziert am 16.12.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016

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19 Kommentare
  • Heinz  Nütteler 16.12.2016
    Kein Wunder, wer will schon zum FC GC? Gut, besser als der Modeverein mit der Klamaukkurve. Aber der FCZ als Absteiger zählt ja sowieso nicht.
  • Oliver  Brunner aus Zürich
    16.12.2016
    Eigentlich wäre es schön, wenn es so wäre. Aber ich habe da meine Zweifel. BL hat in den vergangenen Spielen einen rechten Murks abgeliefert und viele Tore verschuldet. Bei GC wäre er bald weg vom Fenster gewesen. Und dann?
    • Antonio  Andreano aus Richterswil
      17.12.2016
      Wäre interessant zu wissen, wieviele der "Däumchen nach unten"-Drücker die Spiele Lüthis im GC Dress auch gesehen haben.
  • Roger  Stahel 16.12.2016
    Vor solchen Menschen habe ich mehr Respekt als von irgendwelchen Stars und Sternchen!Warum?weil er das macht was im am besten behagt und nicht einfach mit dem Strom schwimmt und weil es ja alle tun!
    • Lionell Werren der Klartexter  aus Basel 16.12.2016
      Ich habe vorallem meine Spass an Leuten wie dir die so leichtgläubig sind. Wenn ich mir das Ganze anschaue, muss ich doch feststellen dass dieser Mann wohl eher früher als später keine grosse Rolle mehr im Profi-Sport erhalten hätte. So lässt es sich natürlich einfach sagen, dass man aus dem Grund xy aufgehört hat. Das ist etwa gleich naiv wie die YB-Fans die immer meinen der Horau sei so stark in YB verliebt, dass er sich jeden Monat dafür aussprechen muss. Der sagt das nicht ohne Hintergedanke
  • Rolf  Järmann 16.12.2016
    Chapeau vor diesem Entscheid und den Aussagen. Ganz wenige Profisportler schätzen es, dass man da ganz viel Freizeit hat. Diese Freizeit gilt es zu nützen, nur die meisten merken es erst, wann die Karriere zu Ende ist.
  • Heinz  Züttel aus Dietlikon
    16.12.2016
    Die gemachten Aussagen und Feststellungen von GC-Akteur Lüthi haben mich berührt. Ehrlichkeit und Offenheit, wie man es selten antrifft. Da hat einer den Mut, die offensichtliche Show-Szene schonungslos aufzuzeigen und die persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen. In seiner Eigen-Beurteilung gibt er selbstkritisch aber auch zu, nur ausserhalb des Spielfeldes eine Leaderrolle wahrgenommen zu haben. Wie hätte er wohl reagiert, wenn das Umfeld ihn als fussballerisches Talent eingestuft hätte.