Der Ballmächtige Chikhaoui zaubert wieder

  • Publiziert: 14.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Thomas Renggli

Yassine Chikhaoui drohte an seinen langwierigen Kniebeschwerden zu zerbrechen. Doch plötzlich spielt der FCZ-Magier im Titelrennen eine entscheidende Rolle.

Auf dem Fussballplatz ist Yassine Chikhaoui ein Artist. Kaum ein Spieler in der Super League besitzt ein stupenderes Ballgefühl und grössere Klasse im Dribbling und Passspiel als der Tunesier.

Doch diese Qualitäten drohten in Vergessenheit zu geraten – und Chikhaoui an den Folgen einer Knieoperation zu zerbrechen.

Prognosen zu seinem Comeback lauteten seit letztem September immer gleich: «Ungefähr in vier Wochen». Aus den vier Wochen wurden vier Monate, aus den vier Monaten sieben. Als FCZ-Trainer Bernard Challandes vor ein paar Wochen sagte, «Yassine wird unsere Geheimwaffe im Meisterschaftsfinale», ordnete man dieses Statement dem Reich der Fantasien zu.

Doch plötzlich haben Challandes Worte einen Realitätsbezug erhalten. Vor zweieinhalb Wochen wurde Chikahoui gegen YB in der 84. Minute eingewechselt.

Den Neuenburger Kunstrasen wollte man ihm sechs Tage später hingegen nicht zumuten. Doch gegen Luzern und in Vaduz brachte Challandes in der Schlussphase seinen Edeljoker ins Spiel – am Dienstag im Rheinpark mit durchschlagendem Erfolg. Ein Tor und ein Assist waren Chikhaouis Beiträge zum spektakulären 5:3 – bei einem Arbeitspensum von 24 Minuten.

Die Leistung ist umso erstaunlicher, als sich der Tunesier erst im Wiederaufbau befindet. Ad van den Bergh, Chef der medizinischen Abteilung in Zürich: «Für 90 Minuten reicht es noch nicht. Eine Halbzeit ist das Maximum. Doch Chikhaoui ist auf gutem Weg.»

Auch in der Garderobe spielt der strenggläubige Muslim wieder eine positive Rolle. Hatte er sich während der Leidenszeit mehr und mehr zurückgezogen, sieht man ihn jetzt wieder viel lachen. «Yassine hat sich geöffnet», sagt Sportchef Fredy Bickel.

Die Wende zum Guten markierte eine Blitz-Therapie in der medizinischen Abteilung des FC Barcelona im März – einerseits, weil die dortigen Ärzte auf Probleme mit der Patellasehne spezialisiert sind, anderseits, weil Chikhaoui realisierte, wie sehr man sich beim FCZ um ihn kümmert.

Auch jetzt tut man alles, um den Superstar bei Laune zu halten. In den letzten Tagen war ein Jugendfreund Chikhaouis, der tunesische Defensivspieler Chaker Zouaghi, zum Probetraining eingeladen.

Und was denkt der Spieler selbst über seine Rückkehr auf den Rasen? Das weiss nur Allah. Chikhaoui hält von medialem Smalltalk wenig.

So bleibt auch im Dunkeln, ob er sich an seinen letzten Treffer vor der Verletzungspause erinnert? Es war ein verwandelter Penalty gegen Basel am 17. Februar 2008. Es könnte (aus Zürcher Sicht) ein gutes Omen für den sonntäglichen Meisterschafts-Showdown gegen den FCB sein.

play Der Muslim dankt Allah nach seinem Treffer zum 5:3 in Vaduz. (Keystone)

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