FCL-Tagebuch vom 23. Januar
Vier Dinge prägten den Samstag an der türkischen Riviera. Die Kurzzusammenfassung:
1. Es regnete nicht, die Welt war am Freitag über Anatolien wider allen Erwartungen doch nicht untergegangen und es konnte trotz einiger Pfützen wieder normal trainiert werden.
2. Der FC Aarau tat dies seiner Tabellenlage entsprechend sehr lang, geschlagene zwei Stunden.
3. Luzern trennt sich in einem starken Test von den Europa-Überfliegern von Red Bull Salzburg 1:1.
4. Abends ward die Mehrheit der FCL-Spieler nicht mehr gesehen: Freier Ausgang.
Derweil die Punkte eins und zwei selbsterklärend sind, bedürfen drei und vier näherer Erläuterung.
Denn beim Spiel gegen den Roten Bullen aus der Mozart-Stadt geschah doch einiges, was nicht alltäglich war. Dass Red Bull bei einem Budget von mehr als 50 Millionen Franken in einem doppelt so teuren Luxushotel wie dem Luzerner Sensimar residiert und mit zwei Mini-Coopers, vier eigenen Presseleuten, Gratis-Dosen Flügelbrühe und einer respektablen Entourage auffuhr, überrascht nicht.
Doch auf dem Platz war von diesem Budget-Unterschied nicht viel spürbar. Luzern holte dank Cristian Ianus Tor nach einer guten Stunde ein verdientes Remis.
A propos Ianu: Der Rumäne buchte das 1:1 wohl mit seinem regulären Schuh. Am linken Fuss indes hatte er ein anderes Modell. Kurz zuvor war die Fersenverstärkung gerissen. Und das ausgerechnet bei der Ianu-Spezialanfertigung mit Name, Rückennummer und rumänischer Flagge.
Ianu war von Red Bull, das in seiner Europa-League-Gruppe alle sechs Spiele gewonnen hat – darunter je zwei gegen Villareal und Lazio Rom – leicht enttäuscht: «Ich habe die stärker erwartet. Aber wir haben den Ball gut gehalten.»
Ebensogut wie die FCL-Defensive die Red-Bull-Stürmer bewachte Materialwartin Petra Suter die Garderobe des FCL. Diese liess sich dummerweise nicht abschliessen. Das war Emine Yakin, der Mutter von Hakan, ziemlich egal.
Sie thronte majestätisch in der Platzmitte in einem eleganten Fauteuil. Und sie liess es sich nicht nehmen, sich mit ihrem Sitznachbarn ein lautes Wortgefecht über Offside oder nicht zu liefern.Und der war kein Geringerer als Bullen-Coach Huub Stevens, der aus der deutschen Bundesliga bekannte Schleifer vom Dienst… Er war nach dem Spiel durchaus zufrieden: «
Ich glaube, es war ein guter Test gegen eine starke Mannschaft.»
Stevens gönnte Christian Schwegler ein Time-out. Kein Wunder, der Luzerner in Salzburger Diensten stand in der ersten Halbrunde nicht weniger als 30-mal im Einsatz.
Ganz stark trumpfte Davide Chiumiento auf. Deshalb erstaunte der Pauseneinsatz von FCL-Präsident Walter Stierli nicht. Sein Tipp an Rolf Fringer: »Nimm den Chiumiento raus, sonst posten die ihn noch…"
Denn wenn Red Bull einen Spieler will, kriegen die ihn auch. So zum Beispiel Ex-Bayern-Star Alexander Zickler, der erst im Verlauf von Halbzeit zwei zum Einsatz kam. Das sagt alles über Österreichs Nummer 1 aus.
Abends hatten die FCL-Cracks frei. Die Jungen und die Spieler slawischer Abstammung pokerten im Hotel um Leben und Tod.
Wo der Rest des Teams war, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten. Und das darf dann und wann auch mal sein – nicht?