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Versinkt der FCZ im Chaos? Canepa vor Rücktritt  Bickel vor Rauswurf

Beim FCZ brennts. Diesmal nicht auf dem Rasen vor dem eigenen Tor, sondern in der Teppichetage. Sportchef Fredy Bickel steht in der Kritik und vor dem Abgang. Wirft sogar Ancillo Canepa den Bettel hin?

  • Publiziert: 30.09.2012
  • Von Michael Wegmann

Es hat von allem zu wenig beim FCZ: Tore, Punkte, überzeugende Auftritte, Leaderfiguren auf dem Platz, verkaufte Saison-Abos, Merchandising-Einnahmen, Geld. Vor allem Geld.

Man findet niemanden im Klub, der im Moment zufrieden ist. Am wenigsten die Herren im Verwaltungsrat. Und im Gegensatz zu früheren Jahren, als dieses Gremium mehrheitlich aus «Ja-Sagern» bestand, ist heute ein unzufriedener VR ein schlechtes Zeichen. Denn der VR hat Macht, viel Macht. «Vielleicht sogar zu viel», sagt ein Insider. Das siebenköpfige Gremium neben Canepa, bestehend aus Finanzfachleuten und Unternehmern, hinterfrage alles und jeden. Alles andere wäre in der momentanen Schieflage ein schlechtes Zeichen, heisst es.

Auch der Präsident Ancillo Canepa (59) und Sportchef Fredy Bickel (47) sind auf dem Prüfstand.

Sportchef Fredy Bickel ist bereits seit neun Jahren im Amt. Zu lange? Hinter vorgehaltener Hand wird ihm vorgeworfen, er sei ausgebrannt. Und habe zu viele Fehltransfers getätigt. Die Verpflichtung von gleich vier Tunesiern (Chikhaoui, Zouaghi, Chermiti, Nafka) zum Beispiel, der Floptransfer von Ramazotti oder die Verpflichtung des teuersten FCZ-Ersatzspielers aller Zeiten (Ludovic Magnin, geschätzte 750'000 Franken Lohn pro Jahr). Auch der aktuelle Kader sei farb- und erfolglos.

Bickel will gegenüber SonntagsBlick dazu keine Stellung beziehen. Dabei begann die Entmachtung Bickels schleichend. Seit dieser Saison gibt es im FCZ sogar eine Sportkommission. Mitglieder sind neben Bickel und Canepa auch die Verwaltungsräte George Tzionas, ein Ex-FCZ-Profi, sowie die Finanzfachleute Gregor Greber und Hans Zieg­ler. Transfers werden gemeinsam abgewickelt – nicht gerade ein Vertrauensbeweis in Bickels Arbeit.

Bickel jetzt nach Luzern?

Bickel muss plötzlich im Gremium arbeiten. In der «NZZ» spricht er von einem Kampf: «Es ist nicht immer einfach. Ich versuche meine Gedanken einzubringen, doch das Ergebnis macht mich nicht immer glücklich.» So geschehen schon im April dieses Jahres, als der VR über seinen Kopf hinweg die Entlassung von Urs Fischer als Trainer bestimmt hatte.

Vieles deutet darauf hin, dass sich Bickel diesen Kampf in der Kommission nicht mehr lange antun muss. Die Zeichen stehen trotz Vertrag bis 2014 auf Trennung. Entweder er wird nach neun Jahren FCZ dazu gedrängt. Oder er geht von selbst.

Gerüchten zufolge soll sich Bickel vor wenigen Tagen bereits mit Verantwortlichen des FC Luzern getroffen haben. Wie schon im November 2011 – damals ist trotz intensiven Gesprächen mit Walter Stierli keine Einigung zustande gekommen. Auch GC könnte eine Option sein, heisst es. Was, wenn Bickel und der FCZ sich trennen? Geht dann auch Canepa? Man munkelt, dass Vize-Präsident Gregor Greber der Aufgabe als FCZ-Boss nicht abgeneigt wäre.

Die Sinn-Frage hat sich Canepa  längst gestellt. Erstmals nach dem Petarden-Unfall in Rom im November 2011, als sich ein FCZ-Anhänger die Hand wegsprengte. Seither kämpft der Präsident statt um Titel und Ehren mit Imageproblemen, dem Standort Zürich und gegen Erfolglosigkeit und rote Zahlen.

Kritik an Canepa

Eigentlich kein Dauerzustand für den ehrgeizigen Canepa. Zudem bekommt auch der Präsident Gegenwind aus dem eigenen VR. Auch er und seine Errungenschaften werden von einzelnen Mitgliedern kritisch hinterfragt. Wie die aufwendige Frauenabteilung, das FCZ-Museum, das FCZ-TV oder die vielen neu geschaffenen Stellen. All dies wird geprüft, weil der FCZ kein Geld hat. 8,6 Millionen Franken Verlust machte der FCZ im Geschäftsjahr 2010.

Um die kurzfristige Liquidität zu sichern, hat der FCZ bereits Transferrechte einzelner Talente an eine englische Investmentfirma verkauft. Zuletzt musste man den Aktienwert von 10 Franken auf 1.40 Franken runtersetzen. Letzten Mittwoch wurde nun die erste Tranche der Kapitalerhöhung von 2,8 Millionen Franken kommuniziert.

Alarmierende Zeichen! Trotz den diversen Spielerverkäufen, der FCZ ist alles andere als wirtschaftlich gesund. Auch der frühere FCZ-Präsident Sven Hotz hat dieser Kapitalerhöhung zugestimmt und sich massgeblich daran beteiligt. Ungern und vor allem besorgt, heisst es. Von SonntagsBlick darauf angesprochen, gibt er sich zurückhaltend. Hotz: «Als ich als Präsident aufhörte, habe ich zwei Sachen versprochen. Erstens, dass ich den FCZ nie fallenlassen werde. Und zweitens, dass ich einer Fusion mit GC nie zustimmen würde.»

Man könne sich selber zusammenreimen, um welchen Punkt es sich hierbei handelt. Die aktuellen Besitzverhältnisse der FCZ-AG: Rund 20 Prozent sind bei Ancillo Canepa. Rund 25 bei Sven Hotz, rund 30 beim Business Club. Und FCZ-­Vize Gregor Greber besitzt rund 10 Prozent. Wie sich die

Besitzverhältnisse nach der Kapital­erhöhung verschieben, kann man noch nicht sagen.

Beliebteste Kommentare

  • Adrian  Vogt
    Es wäre sicher mal an der Zeit dass diese Herren den Sessel räumen. Bickel war in den ersten Jahren sicher erfolgreich und wird es bei einem anderen Club möglicherweise auch wieder sein. Leider fehlte es mir bei ihm an Selbstkritik, er wurde auch von Canepa zu lange gehalten. Canepa hingegen war schon immer eine Fehlbesetzung, es ist natürlich auch nicht einfach eine Legende wie Sven Hotz zu ersetzen. Anstatt einen richtigen Fussballkenner einzustellen haben sie diesen ewigen Nörgeler und "Fehler bei den anderen Suchenden" genommen. Der VR ist auch nicht ganz schuldlos hat man doch zu lange dem Treiben dieser Herren zugesehen. Ich denke der FCZ wird erst wieder ein Spitzenteam wenn das neue Stadion in Zürich steht. Aber aus Erfahrung kann das sehr lange dauern. In Zürich steht wieder ein Umbau voraus, GC hat es wie es scheint geschafft. Bin gespannt wann der FCZ die Kurve wieder kriegt.
  • Gregor  Schär , Richterswil
    Canepa ist Selbstdarsteller und ganz allein für diese Misere Schuld.
    Jeder der etwas von Fussball versteht wusste sofort das man mit dieser Mannschaft kein Blumentopf gewinnt. Dieses Jahr kaufte ich zum ersten mal keine Saisonkarte mehr. Wie kann man nach einer Hinrunde 2011 die halbe Mannschaft verkaufen und Glauben, dass man die Saison so noch anständig zu Ende bringt. Ich fühlte mich von diesen Herren betrogen! In dieser Saison wirds auch nicht besser. Die Transfers und die Trainerauswahl waren schlicht weg zu schlecht. Aber Urs Fischer hat man fūr die sportliche Misere verantwortlich gemacht und entlassen!

Alle Kommentare (23)

  • Peter  Stierli , Geroldswil
    Erfolg ist in der heutigen Zeit alles was bei einem Fussballklub zählt und die Klubführung ist dafür verantortlich!
    • 30.09.2012
    • 8
    • 1
  • Werner  Guntli , Zürich
    Ich finde es äusserst unfair, wie jetzt hier auf Herrn Canepa rumgehackt wird. Er muss einem ja nicht sympathisch sein, aber es ist sehr anerkennenswert, wie er sich ohne Lohn engagiert und einsetzt. Wer will denn schon in dieses Präsidentenamt? Einer der vielen Besserwisser, die hier kommentieren? Dann heissts aber endgültig gute Nacht FCZ.
  • Anton  Werth , Visp
    Merchandising-Einnahmen .... was bitte soll man denn vom FCZ kaufen?
    Da kauf ich noch lieber eine Bratwurst beim FC St.Gallen!
  • Paul  Sacher , via Facebook
    Zwei "Spitzenmannschaften" in Zürich ist eine zuviel. Kein Fussballstadion, seit Jahren peinliche Zuschauerzahlen GC und FCZ usw. usw.. Eine der beiden Mannschaften wird früher oder später in der Versenkung verschwinden.
    • Armin  Vogt , via Facebook
      Genau auch meine Meinung. Die Zuschauerzahlen beweisen es seit Jahren vor allem bei GC, Zürich ist keine Fussballstadt und die Erfolge beim Rekordmeister GC waren einmal. Wenn sich GC und der FCZ nicht bald zusammentun, gehen beide Bankrott. Vergleicht den Fussball heute, nicht immer mit dem vor 15 oder 20 Jahren.
      • 30.09.2012
      • als Kommentar auf Paul  Sacher
      • 103
      • 84
  • Wahr  Urs , Zürich
    Warum dauert es bei FCZ immer solange bis was Passiert ? Seit Herr Hotz weg ist geht es mit dem FCZ nur Bergab.. Dieser möchtegern Präsi. mit der Pfeife im Mund ist eine Pfeife. Und Bickel ist nicht Besser .
    Aber eben Geld Regiert die Welt .
    • anton  lienhard
      Ich bin kein FCZ-Fan, aber Fakt ist, dass Herr Canepa Millionen an Franken und sehr viel Zeit in den FCZ gesteckt hat. Ihn nun als Pfeife zu bezeichnen, ist völlig daneben und einfach unanständig. Aber von Leuten die in jedem Satz mehrere Schreibfehler machen, kann man ja nicht viel mehr erwarten.
      • 30.09.2012
      • als Kommentar auf Wahr  Urs , Zürich
      • 35
      • 4
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Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 Basel 33 59:30 66
2 GC 33 41:30 60
3 St. Gallen 33 49:32 56
4 Zürich 33 54:42 49
5 Thun 34 42:42 47
6 Sion 34 36:50 45
7 YB 33 44:43 42
8 Luzern 34 35:49 36
9 Lausanne 34 28:47 30
10 Servette 33 28:51 26

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