Beim FCZ brennts. Diesmal nicht auf dem Rasen vor dem eigenen Tor, sondern in der Teppichetage. Sportchef Fredy Bickel steht in der Kritik und vor dem Abgang. Wirft sogar Ancillo Canepa den Bettel hin?
Es hat von allem zu wenig beim FCZ: Tore, Punkte, überzeugende Auftritte, Leaderfiguren auf dem Platz, verkaufte Saison-Abos, Merchandising-Einnahmen, Geld. Vor allem Geld.
Man findet niemanden im Klub, der im Moment zufrieden ist. Am wenigsten die Herren im Verwaltungsrat. Und im Gegensatz zu früheren Jahren, als dieses Gremium mehrheitlich aus «Ja-Sagern» bestand, ist heute ein unzufriedener VR ein schlechtes Zeichen. Denn der VR hat Macht, viel Macht. «Vielleicht sogar zu viel», sagt ein Insider. Das siebenköpfige Gremium neben Canepa, bestehend aus Finanzfachleuten und Unternehmern, hinterfrage alles und jeden. Alles andere wäre in der momentanen Schieflage ein schlechtes Zeichen, heisst es.
Auch der Präsident Ancillo Canepa (59) und Sportchef Fredy Bickel (47) sind auf dem Prüfstand.
Sportchef Fredy Bickel ist bereits seit neun Jahren im Amt. Zu lange? Hinter vorgehaltener Hand wird ihm vorgeworfen, er sei ausgebrannt. Und habe zu viele Fehltransfers getätigt. Die Verpflichtung von gleich vier Tunesiern (Chikhaoui, Zouaghi, Chermiti, Nafka) zum Beispiel, der Floptransfer von Ramazotti oder die Verpflichtung des teuersten FCZ-Ersatzspielers aller Zeiten (Ludovic Magnin, geschätzte 750'000 Franken Lohn pro Jahr). Auch der aktuelle Kader sei farb- und erfolglos.
Bickel will gegenüber SonntagsBlick dazu keine Stellung beziehen. Dabei begann die Entmachtung Bickels schleichend. Seit dieser Saison gibt es im FCZ sogar eine Sportkommission. Mitglieder sind neben Bickel und Canepa auch die Verwaltungsräte George Tzionas, ein Ex-FCZ-Profi, sowie die Finanzfachleute Gregor Greber und Hans Ziegler. Transfers werden gemeinsam abgewickelt – nicht gerade ein Vertrauensbeweis in Bickels Arbeit.
Bickel muss plötzlich im Gremium arbeiten. In der «NZZ» spricht er von einem Kampf: «Es ist nicht immer einfach. Ich versuche meine Gedanken einzubringen, doch das Ergebnis macht mich nicht immer glücklich.» So geschehen schon im April dieses Jahres, als der VR über seinen Kopf hinweg die Entlassung von Urs Fischer als Trainer bestimmt hatte.
Vieles deutet darauf hin, dass sich Bickel diesen Kampf in der Kommission nicht mehr lange antun muss. Die Zeichen stehen trotz Vertrag bis 2014 auf Trennung. Entweder er wird nach neun Jahren FCZ dazu gedrängt. Oder er geht von selbst.
Gerüchten zufolge soll sich Bickel vor wenigen Tagen bereits mit Verantwortlichen des FC Luzern getroffen haben. Wie schon im November 2011 – damals ist trotz intensiven Gesprächen mit Walter Stierli keine Einigung zustande gekommen. Auch GC könnte eine Option sein, heisst es. Was, wenn Bickel und der FCZ sich trennen? Geht dann auch Canepa? Man munkelt, dass Vize-Präsident Gregor Greber der Aufgabe als FCZ-Boss nicht abgeneigt wäre.
Die Sinn-Frage hat sich Canepa längst gestellt. Erstmals nach dem Petarden-Unfall in Rom im November 2011, als sich ein FCZ-Anhänger die Hand wegsprengte. Seither kämpft der Präsident statt um Titel und Ehren mit Imageproblemen, dem Standort Zürich und gegen Erfolglosigkeit und rote Zahlen.
Eigentlich kein Dauerzustand für den ehrgeizigen Canepa. Zudem bekommt auch der Präsident Gegenwind aus dem eigenen VR. Auch er und seine Errungenschaften werden von einzelnen Mitgliedern kritisch hinterfragt. Wie die aufwendige Frauenabteilung, das FCZ-Museum, das FCZ-TV oder die vielen neu geschaffenen Stellen. All dies wird geprüft, weil der FCZ kein Geld hat. 8,6 Millionen Franken Verlust machte der FCZ im Geschäftsjahr 2010.
Um die kurzfristige Liquidität zu sichern, hat der FCZ bereits Transferrechte einzelner Talente an eine englische Investmentfirma verkauft. Zuletzt musste man den Aktienwert von 10 Franken auf 1.40 Franken runtersetzen. Letzten Mittwoch wurde nun die erste Tranche der Kapitalerhöhung von 2,8 Millionen Franken kommuniziert.
Alarmierende Zeichen! Trotz den diversen Spielerverkäufen, der FCZ ist alles andere als wirtschaftlich gesund. Auch der frühere FCZ-Präsident Sven Hotz hat dieser Kapitalerhöhung zugestimmt und sich massgeblich daran beteiligt. Ungern und vor allem besorgt, heisst es. Von SonntagsBlick darauf angesprochen, gibt er sich zurückhaltend. Hotz: «Als ich als Präsident aufhörte, habe ich zwei Sachen versprochen. Erstens, dass ich den FCZ nie fallenlassen werde. Und zweitens, dass ich einer Fusion mit GC nie zustimmen würde.»
Man könne sich selber zusammenreimen, um welchen Punkt es sich hierbei handelt. Die aktuellen Besitzverhältnisse der FCZ-AG: Rund 20 Prozent sind bei Ancillo Canepa. Rund 25 bei Sven Hotz, rund 30 beim Business Club. Und FCZ-Vize Gregor Greber besitzt rund 10 Prozent. Wie sich die
Besitzverhältnisse nach der Kapitalerhöhung verschieben, kann man noch nicht sagen.
| Platz | Mannschaft | SP | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Basel | 33 | 59:30 | 66 |
| 2 | GC | 33 | 41:30 | 60 |
| 3 | St. Gallen | 33 | 49:32 | 56 |
| 4 | Zürich | 33 | 54:42 | 49 |
| 5 | Thun | 34 | 42:42 | 47 |
| 6 | Sion | 34 | 36:50 | 45 |
| 7 | YB | 33 | 44:43 | 42 |
| 8 | Luzern | 34 | 35:49 | 36 |
| 9 | Lausanne | 34 | 28:47 | 30 |
| 10 | Servette | 33 | 28:51 | 26 |
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