Ein Wochenende ohne grobe Fehlentscheide – und dennoch kehrt um unsere Schiedsrichter keine Ruhe ein. Gleich vier von 12 Schweizer Spitzen-Refs hören auf. Für Urs Meier ist klar, warum.
Daniel Wermelinger (41), Damien Carrel (30), Cyril Zimmermann (36) und Ludovic Gremaud (32) haben genug und blasen ab Ende Jahr nicht mehr in die Pfeife. Dies berichtete gestern die Zeitung «Sonntag».
Der Tenor ist einstimmig: Das Quartett hat es satt, Freizeit zu opfern und nach Fehlentscheiden als Buhmann dazustehen.
Carrel bringt die Stimmung bei den Refs auf den Punkt: «Man erwartet von uns eine professionelle Einstellung. Doch die Rahmenbedingungen sind amateurhaft.»
Cyril Zimmermann, einer von sieben Fifa-Schiris mit Schweizer Pass, sagt: «Man müsste mehr Mittel aufbringen, um den voll berufstätigen Schiedsrichtern Entlastung zu bieten.»
Dass gleich drei vergleichsweise junge Refs aufhören (die Alterslimite liegt bei 45 Jahren), kommt einem Erdbeben gleich. «Mit 30 stehen viele vor der Abzweigung: Beruf oder Schiedsrichter. Schiedsrichter bleibt nur, wer ein absoluter Idealist ist», sagt Wermelinger.
Die Lage ist ernst: Nach dem Abgang von Massimo Busacca verfügt die Schweiz über keinen Top-Schiri mehr. Wie weiter?
Der ehemalige Schiri-Boss Urs Meier amtete nach seiner erfolgreichen internationalen Karriere als ZDF-Experte und war ein Verfechter der Professionalisierung. Im Interview mit Blick.ch analysiert der 53-Jährige die aktuelle Lage.
Herr Meier, vier Schiris hören auf, das ist schockierend, nicht?
Das ist natürlich eine grosse Zahl. Und es könnte bis Ende Jahr noch ein Fünfter oder Sechster dazukommen. Fakt ist, dass wir nicht ein unbegrenztes Reservoir an Spitzen-Schiris haben.
Woran liegts?
Die Schiris sind am Anschlag mit der beruflichen Belastung. Sie bräuchten mehr Zeit für sich. Ein junger Schiedsrichter hat mir gesagt, er fühle sich überall nur halb dabei: in der Familie, im Beruf und als Schiri. Wenn man jetzt nicht die Alarm-Glocken läuten hört, weiss ich auch nicht. Carrell zum Beispiel hätte Fifa-Schiri werden können.
Liegts am Geld?
Nicht unbedingt am Geld, sondern an der Entlastung. Unsere Schiris geben all ihre Ferien für den Fussball, für Kurse und Auslandeinsätze. Im Sommer müssen sie schon unbezahlten Urlaub nehmen. Natürlich ist es am Ende eine Geldfrage. Wenn die Schiris weniger oder nicht mehr arbeiten sollen, muss man das ja entschädigen.
1150 Franken kassieren die Männer in Schwarz pro Einsatz.
Man hat diese Entgeltung seit 15 Jahren nicht mehr erhöht. Diesen Betrag muss man ja auch versteuern. Immer wieder hat der Verband Versprechungen gemacht und nicht eingehalten. So kann man mit den Schiris, die zum Teil Spitzenkräfte in der Wirtschaft sind, nicht umgehen.
Was wäre der richtige Weg?
Ich habe immer versucht, mit meinen Leuten auf den Mount Everest zu gehen. Drei Profi-Schiris, vier Halb-Profis und fünf mit einer 20-Prozent-Anstellung. Doch das wollte der Verband nicht, also war es nicht mehr mein Weg.
Sie gaben als Konsequenz den Rücktritt als Schiri-Boss. Geht es denn nur mit Profis?
Bei den Fussballern fragt doch auch niemand, wer besser ist: ein Amateur oder ein Profi? Aber wenn der Verband sagt, der aktuelle Weg sei richtig, muss man auch die Leistungen akzeptieren und mit mehr Fehlentscheiden leben. Denn der Profi-Fussball wartet nicht. Ein Ziel könnte lauten: Wir wollen einen Schweizer an die EM 2016 bringen.
Müsste man Ex-Profis wie Ludovic Magnin für die Sache gewinnen?
Ich habe immer gesagt, dass diese einen beschleunigten Weg hätten. Doch ist es unter diesen bestehenden Voraussetzungen attraktiv?
| Platz | Mannschaft | SP | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Basel | 33 | 59:30 | 66 |
| 2 | GC | 33 | 41:30 | 60 |
| 3 | St. Gallen | 33 | 49:32 | 56 |
| 4 | Zürich | 33 | 54:42 | 49 |
| 5 | Sion | 32 | 36:45 | 45 |
| 6 | Thun | 33 | 41:42 | 44 |
| 7 | YB | 33 | 44:43 | 42 |
| 8 | Luzern | 33 | 35:46 | 36 |
| 9 | Lausanne | 33 | 25:47 | 27 |
| 10 | Servette | 32 | 24:51 | 23 |
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (53)