BLICK beim FC St. Gallen Ärger zum Schluss!

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Benny Epstein
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Wieso die St. Galler mit Misstönen und Kopfschütteln aus dem Trainingslager abgereist sind.

Letztes Tagebuch

Es hätte das absolute Highlight des Vorbereitungscamps werden sollen: das Testspiel gegen Rubin Kasan. Trainer Uli Forte spricht in fast jedem Training von der bevorstehenden Partie. «Rubin Kasan ist nochmals ein anderes Kaliber als Terek Grosny», mahnt Forte.

Gegen Terek verloren die Ostschweizer mit 1:2. Rubin Kasan ist russischer Meister, hat in der laufenden Champions League Barcelona und Inter Mailand geschlagen.

Freitag ist Matchtag. Morgens um 6.45 Uhr gehe ich mit FCSG-Physio Simon Storm am Strand joggen. Sonnenaufgang. Nichts deutet auf das kommende Unwetter hin. Das bleibt auch so, als wir um 7.30 Uhr im Hotel zurück sind.

Ich traue meinen Augen nicht, als ich zehn Minuten später aus dem Fenster schaue: Wolkenbruch, es giesst in Strömen. Dennoch lässt Forte draussen trainieren. Die Stunden vergehen, der Regen bleibt. Sintflutartig.

Als es dunkel wird kommt das Gewitter. Er donnert und blitzt. Nicht die kleinen, länglichen Zickzack-Blitze, die ich aus der Schweiz kenne. Es sind blitze, die sich breit dem Himmel entlang strecken. Und um 17:30 soll St. Gallen gegen Rubin Kasan spielen?

Das Spiel beginnt trotz Gewitter und Sintflut. Rubin Kasan ist hochüberlegen. Bald führen die Russen 1:0. Dann die 41. Minute: Das Fluchtlicht erlöscht, die Spieler stehen im Dunkeln. Jetzt müssten der Schiedsrichter und die Captains über die Fortsetzung oder den Abbruch der Partie diskutieren.

Doch die Russen machen kurzen Prozess, steigen in den Bus und machen sich davon. Die St. Galler stehen verdutzt da, ehe sie ins Hotel zurückkehren.

Die Verwirrung weicht dem Ärger über die Russen und den Abbruch. Die FCSG-Funktionäre stänkern: «Das Spiel hätte gar nie angepfiffen werden dürfen.»

Andere meinen: «Stromausfall – amateurhafter geht’s nicht.» Mit einem vermiesten Abschluss fliegen die St. Galler nach Hause. Ob sie auch im kommenden Jahr nach Belek reisen, steht noch offen.

St. Gallen - Rubin Kasan abgebrochen!

Der FC St. Gallen spielt im Test gegen den russischen Spitzenklub Rubin Kasan. In Belek hat es den ganzen Tag geregnet. Dennoch wird das Spiel angepfiffen. In der 23. Minute gehen dei Russen in Führung. In der 41. Minute schlägt in der Nähe des Platzes ein Blitz ein, der Strom fällt aus. Die Mannschaften kommen überein, dass die Wiederaufnahme der Partie keinen Sinn macht.

FC St. Gallen – Rubin Kasan 0:1*
Trainingsplatz, Belek

St. Gallen: Vailati; Lang, Koubsky, Zellweger, Hämmerli; Zé Vitor, Costanzo, Imhof, Nushi; Merenda, Abegglen.

Tagebuch vom 22. Januar 2010

Die St. Galler pokern jeden Abend. Das weiss ich, schliesslich wohne ich mit ihnen in Belek. Eine grössere Gruppe (u. a. Fabian Frei, Michi Lang, Bernt Haas) zockt jeden Abend im Physio-Zimmer. Das grosse Pokerface ist Fabian Frei. Die 21-jährige Leihgabe vom FC Basel hat seinen Team-Kollegen schon 700 Franken abgeknöpft.

Andere gönnen sich am Abend lieber eine Massage im Wellness-Bereich. So auch beim FC Luzern. Eine wohltuende Rückenmassage ist im Hotel der Luzerner schon für 35 Euro zu haben. Spezialpreis für die Fussballer natürlich.

Aber auch die FCL-Stars pokern abends. Ein Grüppchen um Dave Zibung, Nelson Ferreira, Dusan Veskovac, Christophe Lambert, Nico Siegrist und Joao Paiva macht sichs jeweils neben der Hotel-Bar gemütlich.

Schweizerischer treibts der FC Thun. Die Berner Oberländer bleiben trotz dem boomenden Poker-Trend beim Jassen, während Trainer Murat Yakin und die sportliche Leitung nebenan eine Besprechung haben.

Vom FC Aarau sind in der Hotellobby keine Spieler zu sehen. Ob sie sich aufgrund der Tabellensituation in den Keller verzogen haben? Trainer Martin Andermatt hingegen sitzt auf dem Sofa und plaudert amüsiert mit Freunden.

Die nordkoreanische Nationalmannschaft trainiert ebenfalls in Kumköy. Dennoch ist abends nie ein Spieler der Ostasiaten auf dem Flur oder in der Lobby zu sehen. Die Bettzeit der Nordkoreaner: 20 Uhr! Zur Überwachung des Kaders haben die Koreaner eigenes Sicherheitspersonal aus dem Kommunisten-Staat mitgebracht. Wetten, dass sich da keiner wagt, heimlich davonzuschleichen?

FCSG-Tagebuch vom 21. Januar

Trotz Regenwetter machen St. Gallen-Trainer Uli Forte und der Betreuerstab am Mittwochnachmittag einen Ausflug ins benachbarte Side. In der VIP-Loge des schmucken Emirhan-Stadions beobachten sie den FC Luzern beim Testspiel gegen die nordkoreanische Nati.

Nordkorea ist frischer, führt rasch 1:0. Kein Wunder: Während die Luzerner am Morgen zwei Stunden hart trainierten, stand bei den Koreanern nur das Frühstücken auf dem Programm. Das 2:0 folgt bald.

Luzern bringt nicht viel Konstruktives zustande, bis sich Hakan Yakin ein Herz fasst und aus 20 Metern trifft. Das applaudieren sogar Forte und Co. Es wird genickt und getuschelt, kritisiert und gelobt. «Der Hakan hat halt schon ein Super-Füsschen.»

Doch das überrascht keinen. Die Leistung der flinken, schnellen und schussstarken Asiaten hingegen schon. Besonders ins Auge fällt Forte der Stürmer mit der Nummer 12. Der bullige Typ erzielt nicht nur das 1:0, er trifft zudem aus der Distanz den Pfosten und überfordert die FCL-Abwehr Mal für Mal.

Wird er der erste Nordkoreaner in der Super League? Sein Spiel gleicht dem von ex-GC-Star Raul Bobadilla (jetzt Mönchengladbach) aufs Haar. Sein Name ist Jong Tae-Se, er ist 24 Jahre alt und spielt bei Kawasaki Frontale (Japan). In 20 Länderspielen hat er acht Mal getroffen. Dieser starke Wert ist mit Vorsicht zu geniessen: In den ersten beiden Nati-Spielen traf er total acht Mal...

Besuch auf dem Bazar (21. Januar)

In einem Laden auf dem Bazar von Belek hängen drei Trikots von der Decke: Ibrahmovics Barcelona-Trikot, Torres’ Spanien-Dress – und das Leverkusen-Shirt von Tranquillo Barnetta. Was für eine Ehre!

Muss der Nati-Star nun fürchten, dass viele Barnetta-Trikots im Umlauf gefälscht sind? Kaum. Und wenn schon: Die Kopien sind von 1A-Qualität und vom Original kaum zu unterscheiden.

Tagebuch vom 20. Januar

„Wer ist der Neue?“, fragen sich die St. Galler Fans vor dem Testspiel gegen Terek Grosny. Als er sich umdreht, wird’s klar: Auf dem Trikot steht „Fabian Frei“. Der offensive Mittelfeldspieler ist aus der Distanz nicht mehr wiederzuerkennen, seine blonden Haare sind weg, der Kopf kahl geschoren!

Hat er eine Wette verloren? Ich frage den Frauenfelder. „Eine Wette“, entgegnet Frei lachend. „Nein, nein. Es war einfach an der Zeit, dass die Haare wegkommen. Ich habs gleich selbst gemacht.“ Uli Forte gefällts: „Das ist cool, er setzt ein Zeichen. Das mag ich.“

Das Testspiel gegen die Russen von Terek Grosny beginnt mit einem Schock: Schon in der 12. Minute verletzt sich St. Gallens Michi Lang. Der rechte Aussenverteidiger wird von Andrey Kobenko unfair von den Beinen geholt. Kobenko sieht Gelb, für Lang ist die Partie zu Ende. Ists was Schlimmes? Lang: „Es schmerzt sehr. Er hat mich seitlich am Unterschenkel getroffen, der Muskel tut weh. Aber ich hoffe, ich kann am Freitag gegen Rubin Kazan mitspielen.“ Das scheint derzeit eher Wunschdenken zu sein.

Terek spielt besser, trifft aber das Tor nicht. Und Daniel Lopar hält stark. Er spielt durch. Sein Konkurrent im Kampf um die Nummer 1, Germano Vailati kommt nicht zum Einsatz. Vorteil Lopar also? „Nein“, sagt Trainer Uli Forte. „Am Freitag spielt Vailati dafür das ganze Spiel.“

In der 39. Minute geht St. Gallen in Führung. Der wirblige Mario Frick köpfelt einen Frei-Corner rein. Die Pausenführung ist glücklich, Terek spielt überlegen.

In der zweiten Halbzeit dreht das Spiel. Der Ausgleich fällt in der 63. Minute. In der 77. Minute schiesst Terek das spielentscheidende 2:1 – ein Schuss aus 17 Metern ins entfernte Lattenkreuz. Hätte Moreno Merenda acht Minuten vor Schluss seinen Kopfball aus sechs Metern reingebracht, wäre St. Gallen noch zum glücklichen Unentschieden gekommen. Aber daraus wird nichts. Nicht nur in dieser Szene wird offensichtlich, dass St. Gallen dringend einen zweiten starken Stürmer neben Frick benötigt. Wird’s der 20-jährige Kameruner Brice Owona? Die medizinischen Tests hat er bestanden, jetzt kanns nur noch an der Transfersumme oder an den Lohnforderungen scheitern. Forte bestätigt: „Das Geld ist noch das grosse Thema.“


Uli Forte setzt in beiden Halbzeiten auf zwei verschiedene Teams.

1. Halbzeit:

Lopar; Lang (15. Martic), Koubsky, Schenkel, Fernando; Winter, Imhof, Ciccone, Pa Modou Jagne; Frick, Frei.

2. Halbzeit:

Lopar; Martic, Zellweger, Schenkel, Hämmerli; Zé Vitor, Imhof (84. Ciccone), Costanzo, Nushi; Abegglen, Merenda.


Neben Vailati kommt auch Bernt Haas nicht zum Einsatz. Der Verteidiger hat einen Schlag aufs Knie kassiert und wird geschont. Künftig soll er nicht wie gewohnt als Aussenverteidiger spielen, sondern als Innenverteidiger. Forte: „Das kennt er noch aus GC-Zeiten.“

Tagebuch vom 19. Januar

Grün-weiss-weiss? Weiss-grün-grün? Oder grün-weiss-grün? Der FC St. Gallen bestreitet heute um 16 Uhr Ortszeit (15 Uhr Schweizer Zeit) ein Testspiel gegen Terek Grosny. Gestern Mittag diskutierte St. Gallen-Trainer Uli Forte mit dem tschetschenischen Gegner die Tenue-Farbe. Das Problem: St. Gallen hat nur die grün-weissen Heimtrikots in die Türkei mitgenommen. Tereks Heimtrikots sind grün, die Auswärtstrikots weiss. Wie sollen da die Teams auseinander gehalten werden?

Voraussichtlich wird Terek in weiss spielen, das sollte klappen. Doch wieso hat St. Gallen die grün-schwarzen Auswärtstrikots nicht mitgenommen? Aus Kostengründen. Jedes Kilo Übergewicht ist teuer.

St. Gallen-Tagebuch, 19. Januar 2010

Das St. Galler Team ist gespalten. Krieg der Jungen gegen die Alten. Routinier Bernt Haas (31) hebt die Arme, läuft vom Feld weg. Der junge Adi Winter (23) grinst vor sich hin, jubelt innerlich. Er hat seinen Teamkollegen abgeschossen.

Was ist da nur los? Was nach Knatsch klingt, ist der Team-Event des FC St. Gallen. Uli Forte nimmt seine Spieler und die Betreuer mit zum Paintballspielen.

In einem Wald unweit vom Trainingsgelände fassen die Espen Tarnanzug, Handschuhe, Gesichtsschutz und Gewehr. Jung gegen Alt – rote gegen grüne Kopftücher. Ziel ist es, die Fahne des Gegners zu stehlen. Wer aber von einer Kugel getroffen wird, ist aus dem Spiel.

Die Munition: Kugeln mit Lebensmittelfarbe. Hört sich harmlos an, kann aber schmerzhaft sein. Auch Forte selbst wagt sich in die Schlacht – mit Erfolg. Der Taktikfuchs stellt die Alten optimal ein: Sie gewinnen die ersten zwei Fights. Dann lässt wohl die Kondition nach – der Nachmittag endet mit 2:2.

St. Gallen-Tagebuch, 18. Januar 2010

Es herrschen Temperaturen um zirka 15 Grad Celsius, von Wind ist gar nichts zu spüren. Und Petrus weiss genau, wann er es regnen lassen darf und wann nicht. St. Gallen-Trainer Uli Forte ist begeistert: „Vor dem Training regnet es immer, aber sobald wir den Rasen betreten, hört der Regen auf. Und kaum haben wir fertig trainiert, setzt der Regen wieder ein. Besser geht’s nicht.“

Optimale Bedingungen also für die Spieler – und für den Platz. Forte: „Der Rasen ist dank dem Regen in perfektem Zustand.“ Der erst 35-jährige Trainer ist gut gelaunt, seine Schützlinge geben Vollgas beim Training. Nur eine Situation nervt ihn: Beim Mätschli am Ende des Trainings beschwert sich ein Verteidiger beim Gegentor. Offside solls gewesen sein. Forte mag keine Reklamationen.

Darum erteilt er der Mannschaft nach dem Training eine Lektion: „Ein Winner-Typ sucht Lösungen, ein Verlierer-Typ sucht Ausreden. Man kann immer eine Ausrede suchen, wieso etwas passiert ist, aber so kommt man nicht weiter. Ich suche Lösungen, ich bin ein Winner-Typ. Jetzt kann jeder von euch selbst entscheiden, was er ist.“

Serie

Die BLICK-Reporter begleiten die Super-League-Klubs in den Trainingslagern. Im Online-Tagebuch auf Blick.ch erfahren Sie, was abgeht!
BLICK-Reporter Benny Epstein.

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