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Es sollte bis heute geheim bleiben. Sickerte am Samstagabend nach dem 7:0-Triumph gegen Bellinzona trotzdem durch. Bei GC klafft nicht nur ein Loch von 5 Millionen Franken – es sollen gegen 10 Millionen sein. Urs Linsi (60), neuer CEO bei der «Neue Grasshopper Fussball AG», will deshalb heute den Spielern Salärkürzungen schmackhaft machen.
Linsi zu BLICK: «Es braucht die Spieler, die Angestellten in Niederhasli, die ganze GC-Familie. Die Salärkürzungen sollen Signalwirkung haben.» Die neueste Spar-Übung beim Rekordmeister (27 Titel) wäre wohl gar nicht nötig gewesen, wenn das damalige GC-Triumvirat Roger Berbig/Heinz Spross/Erich Vogel im Oktober 2008 ein Traum-Angebot für Stürmer Raul Bobadilla nicht in den Wind geschlagen hätte.
Laut BLICK-Recherchen ging es um 20 Millionen Franken! GC hätte nur noch unterschreiben müssen. Der russische Staatskonzern Gazprom bot kurz vor Ausbruch der Wirtschaftskrise für den argentinischen Stürmer Raul Bobadilla 12 Millionen Euro. Zum damaligen Welchsel-Kurs von 1,62 entsprach das einer Summe von 19,56 Millionen Franken.
Gazprom – Besitzer von Zenit St. Petersburg und Hauptsponsor von Schalke 04 – hatte Bobadilla seit Monaten beobachtet, wollte den bulligen GC-Angreifer kaufen. Bobadilla hätte 2 Mio. Dollar netto verdienen sollen. Das GC-Triumvirat winkte ab. Man könne den Jungen, den Sportchef Erich Vogel von Concordia Basel mitgebracht hatte, doch nicht in die russische Kälte schicken.
Vogel & Co. hofften auf einen Deal mit der AC Fiorentina. Er kam nie zustande. Spross gestern: «Gazprom ist kein Spielervermittler. Wir konnten doch Bobadilla nicht zumuten, ihn zu verkaufen, ohne zu wissen, wo er dann landen würde. Dann wären wir wirklich Menschenhändler gewesen.»
Linsi gestern: «Das war vor meiner Zeit. Und zu Gerüchten nehme ich keine Stellung.» Auf 20 Millionen verzichten – das nennt man salopp Perlen vor die Säue werfen. Später verletzte sich Bobadilla erneut am Oberschenkel, musste operiert werden. Im Sommer 2009 wechselte der Argentinier zu Borussia Mönchengladbach. Für geschätzte 6 Mio. Euro. Oder für die Hälfte des Gazprom-Angebots.
Nur eine der Leichen, die Linsi beim Aufräumen in Niederhasli wohl fand. Weiter kam zu Tage, dass die Zürcher für die Dienste von Spielervermittlern 2,2 Millionen Franken ausgaben. Drei Jahre zuvor waren es nur 700 000 gewesen. Linsi: «Eine solche Entwicklung halte ich auch für fragwürdig.»
Neu kam auch aus, dass neben dem entlassenen Trainer Hanspeter Latour auch noch Martin Rueda auf der Lohnliste steht, falls er beim FC Wohlen gehen müsste. Linsi: «Wir wollen vorwärts schauen.» Ist GC noch zu retten? Das fragen sich nicht nur die Spieler. Linsi: «Wenn ich nicht dran glauben würde, wäre ich nicht da.»