Pressen, Schleifen & Begraben So will Töss Haki stoppen

  • Publiziert: 21.11.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Alain Kunz

Sie sind Baustellen-Chefs, Mechapraktiker und Haustechnik-Isoleure. Sie haben ein gemeinsames Ziel, die Amateure des FC Töss: Luzern und Hakan Yakin zu Fall bringen.

Leitungsgräben. Da kann es auch mal nötig sein, mit der Schaufel in der Hand auszuhelfen. Yakin verbuddeln, beerdigen? «Dazu bräuchte es wohl ein Wunder. Wir müssten das Spiel unseres Lebens liefern.»

Eine Zahl veranschaulicht dies: Das Gesamtbudget des Quartierklubs aus Winterthur, der seinen Spielern nicht mal Spesenentschädigungen ausrichtet, beträgt 200 000 Franken. Damit könnte man Yakin wie lange berappen?

Drei Monate, vier?

Eine alternative Methode, Yakin in die Schranken zu weisen, sieht Rame Mazrekaj (25). «Vielleicht ist er gegen uns nicht motiviert», hofft der im Kosovo geborene Mittelfeldstratege, der seit vier Jahren Schweizer ist. Der Mechapraktiker, der in seinem Job dreht, fräst, schleift und presst, kann sich am besten in den FCL-Star hineinfühlen. Gilt er im Quartier doch als der Tössener Yakin. Auch Rame ist Hatsch-Fan: «Dass der FCL so weit oben steht, ist Yakins Verdienst.»

Und wenn der Baustellenführer und der Mechapraktiker versagen? Dann bleibt noch der «Opa». Bruno Meili, Goalie, 34-jährig. Und damit sieben Jahre älter als der Zweitälteste des Teams. «Es laufen schon Wetten, wie viele Freistösse mir Yakin reinhaut», sagt der Isoleur, der seit 18 (!) Jahren Goalie der ersten Mannschaft von Töss ist. «Ich wette nicht mit.

Ich sage nur: Er trifft nicht per Freistoss.» Wie man den Kasten wasserdicht macht, weiss Meili aus dem Effeff: Er ist gelernter Dachdecker.

Der Keeper arbeitet in der Bude seines Trainers Abramo D’Aversa (37). Auch der Coach: Zu hundert Prozent Amateur. Zu hundert Prozent leidenschaftlicher Fussballer. Und zu hundert Prozent Yakin-Fan: «Er ist der beste Fussballer in der Schweiz. An seine Kreativität kommt niemand heran.»

Einen Masterplan, wie der FCL und sein Star zu stoppen sind, hat der Boss von 45 Festangestellten (noch) nicht. Den FCL hat er wegen Terminkollisionen auch nicht live beobachten können.

Was der Italiener aber bestimmt will: Ein 0:8 vergessen machen. Vor zwei Jahren kassierte sein Team gegen St. Gallen ein Fast-Stängeli.

Yakin war nicht dabei. Aber ein anderer: Rolf Fringer war auch damals der gegnerische Trainer. Der Österreicher hat null Bock auf einen gepressten, geschliffenen und begrabenen Yakin. Er hat die Tössener gleich zweimal live beobachtet.

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