Skandal-Ref Hoyzer: «Ich dachte an Selbstmord!»

  • Aktualisiert am 02.01.2012

HAMBURG – Er manipulierte Spiele, sorgte für den grössten Wett-Skandal im deutschen Fussball. Jetzt redete Schiri Robert Hoyzer am TV über den Skandal.

Er gab der «Bild»-Zeitung ein längeres Interview und trat am Dienstagabend in der Talkshow von Johannes B. Kerner auf. Auszüge aus den Aussagen des Schiri-Betrügers, der von der kroatischen Wett-Mafia 67000 Euro und einen Plasma-Bildschirm erhalten hatte. Das TV-Gerät wurde beschlagnahmt, vom Geld blieben gerade mal 13900 Euro übrig.

Alles begann mit einem Fehlschlag: Bei der ersten Bestechung beim Spiel Paderborn – Chemnitz pfiff Hoyzer Penalty. Doch sein Schiri-Assistent korrigierte ihn, das Foul wäre ausserhalb des Strafraums passiert. Hoyzer musste die 8000 Euro Bestechungs-Geld zurückzahlen.

Hoyzer: «Ich wollte es beim nächsten Mal besser machen und nicht als Verlierer dastehen.» Weitere Manipulationen folgten. Immer und immer wieder. «Ich fühlte mich stark.»

Öffentlich schwärzt er namentlich keine Ref-Kollegen an: «Ich habe alles dem Staatsanwalt erzählt. Aber es wundert mich schon, dass einige dem Druck standhalten und weiter lügen.»

Weitere Aussagen Hoyzer im Bild-Interview.

«Meine Geld-Gier hat alles kaputtgemacht. Ich schäme mich so sehr. Seit der Sache rauche ich drei Packungen Zigaretten pro Tag. Betrügen muss man lernen.»

«Ich verstehe Fans, die mich hassen! Ich muss damit rechnen, dass mich Leute beschimpfen oder mir auf der Strasse Prügel androhen. Es ging für mich um viel Geld. Es ging alles so leicht.»

«Als meine Mutter Bettina davon erfuhr, wurde sie ohnmächtig, mein Vater Peter hat sich stundenlang übergeben. Die ganze Sache war für sie wie ein Tritt in den Magen, weil ich gelogen hatte. Meine Freundin Antje war anfangs stoisch – dann hat sie die Handtasche nach mir geworfen.»

«Als alles rauskam, sass ich auf der Couch und habe nur noch geheult. Ich sagte mir, dein Leben hat keinen Sinn mehr, alles kaputt, alles Scheisse. Ich dachte an Selbstmord.»

Jetzt wünscht sich der 25-Jährige nur, dass er nicht ins Gefängnis muss und will sich bei Leuten wie Klaus Toppmöller entschuldigen. Dieser hatte nach dem 2:4 im Cup gegen Paderborn seinen Job verloren.

Kerner mit Top-Quoten

Der Auftritt von Richard Hoyzer bescherte dem ZDF Traumquoten: Der Marktanteil, normal zwischen 12 und 13 Prozent, betrug 17,4 Prozent. Total schauten 2,7 Millionen Leute zu. «Er war ein besonderer Gast, noch nie haben wir so viele Reaktionen im Vorfeld erhalten, in denen Wut, Entsetzen und manchmal blanker Hass zum Ausdruck kamen», sagte der Moderator.
Der Fall Hoyzer ist noch in bester Erinnerung.- Keystone

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