Seeberger trainiert jetzt Amateure Der FC Kosova braucht diesen harten Hund!

Er trainierte schon Klubs in der höchsten Liga, jetzt steht er bei Amateuren an der Seitenlinie: Jürgen Seeberger (51) ist das egal. Er coacht so beherzt, als handle es sich um den Cupfinal.

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Die Nocken bohren sich in die Erde, der Rasen fliegt in kleinen Fetzen in die Luft. «Tempo! Durchziehen, Jungs! 100 Prozent! Hört zu!»

Der Mann im uniblauen Trainer schreit seine Spieler im Stakkato an. Er heizt sie zehn Minuten vor Spielanpfiff mit Kurzsprints auf. «Aggressiv! Aber ruhig bleiben!» Der FC Kosova Zürich empfängt in der 2. Liga Interregional, der fünfthöchsten Schweizer Spielklasse, den FC Linth 04. Aus den Lautsprechern scherbelt der albanische Sommerhit vom letzten Jahr, «Love me, love me».

Der resolute Mann ist Jürgen Seeberger (51), der vor einem Jahr beim Challenge-League-Klub FC Winterthur entlassen wurde und Ende September das Zepter beim FC Kosova Zürich übernommen hat.

Statt Profis im grossen Stadion trainiert er nun Amateure auf einer städtischen Sportanlage. Auf der Tribüne, die eher einer Bushaltestelle gleicht, stehen rund 400 Fans.

Kosova-Präsident Arsim Hyseni (49) holte Seeberger nach Zürich. «Er ist ein grosser Name in der Fussballwelt und ein Hardliner», sagt Hyseni. Deshalb sei er eine hervorragende Lösung für seinen Verein. Hyseni lernte ihn über den albanischstämmigen Fussballer Milaim Rama (40) kennen, der damals unter Seeberger beim FC Schaffhausen kickte. Der gebürtige Deutsche führte den Schaffhauser Klub von der 1. Liga in die Super League.

«Ich wollte schon immer im Ausland tätig sein – jetzt bin ich mitten in Zürich im Ausland», sagt Seeberger, der oft nichts versteht von dem, was seine Spieler bereden. Bis auf zwei Spieler kommen alle aus dem Kosovo. Es habe ihn gereizt, zu einem Klub zu wechseln, der eine Bevölkerungsgruppe repräsentiere, sagt Seeberger. «Der Fussball leistet einen grossen Beitrag zur Integration. Das finde ich spannend.»

Zu Fanfarenmusik laufen seine Spieler im rot-schwarzen Tenue ein. 12 Minuten später liegen sie mit 0:1 im Rückstand. «Das ist unglaublich! Spielt doch einfach mal Fussball statt euch durchzuwursteln», schreit er aufs Feld, seine Stimme überschlägt sich.

Da steht kein Mann an der Seitenlinie, der diesen Job nur als Überbrückung bis zum nächsten Engagement bei einem grösseren Klub sieht. Leicht vornüber gebeugt steht Seeberger da, ganz so, als würde er gleich zupacken wollen. «Wenn ich an einem Ort bin, dann gehe ich die Dinge mit der Leidenschaft an, als wäre ich zehn Jahre hier. Immer.» Der Trainerjob beim FC Kosova ermöglicht ihm, der aktuell keine andere Stelle hat, «dran und drin zu bleiben. So kann ich weiter Fussball atmen.»

Mit den Händen in den Hosentaschen kommt Seeberger nach der Pause zurück aus der Kabine. Die wärmende Herbstsonne ist verschwunden, Seeberger zieht sich die dicke Daunenjacke mit dem weissen FC-Kosova-Schriftzug über. 

Vier Minuten nach Wiederanpfiff schiebt der eingewechselte Gökhan Berisha (25) zum 1:1 ein. Der Mittelfeldspieler mag den Stil des neuen Trainers, die intensiveren Trainings. «Wir sind eine emotionale Mannschaft und brauchen deshalb einen strengen Coach. Bei uns funktioniert Larifari nicht», sagt Berisha. Eine Viertelstunde später kassieren er und sein Team das zweite Gegentor.

Larifari und Seeberger wäre wie Seeberger ohne Fussball. Also unmöglich. Er will die Schrauben bei den Kosovo-Kickern anziehen. «Mir fehlt noch die Entschlossenheit, die Gier.» Seine Mannschaft könne 2 Meter 10 springen, begnüge sich aber oft mit 1 Meter 80. «Mein Fussballerherz schmerzt, wenn ich die Tabelle anschaue. Wir müssen unser Potenzial auf den Platz bringen.»

Rexhep Thaqi (29) rettet in der 81. Minute mit seinem Ausgleich zum 2:2 einen Punkt, der klub-eigene Speaker spielt «Samba di Janeiro» ein. Seeberger notiert auf seinem zerknitterten A4-Zettel, «82.’ Rexhep super gespielt». Am Ende des Tages liegt der FC Kosova Zürich auf dem fünften Tabellenrang. Enttäuscht verlässt Seeberger den Platz im Dunkel des Herbstabends, «wir dürfen keine Punkte liegen lassen». Und wirft mit der ihm eigenen Verve nach: «Gegen Uster ist volle Chancenauswertung gefragt!» 

Publiziert am 06.11.2016 | Aktualisiert am 07.11.2016

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2 Kommentare
  • Bruno  Füchslin aus Richterswil
    07.11.2016
    "Harte Hunde": Chapeau! In der Rangliste der Strafpunkte von allen 84 Interregio-Teams unter den zehn fairsten Mannschaften. Dies als kleiner Hinweis an all jene, die negative Vorkommnisse auf Fussballplätzen partout und ohne irgend welche Untersuchungen abzuwarten den so genannten Ausländern in die Fussballschuhe schieben.
  • Concolor  Shalako 06.11.2016
    Und alle sind sie froh wenn sie gegen die harten Hunde gespielt haben.
    Denn Tatsache ist...Nicht nur der Trainer ist ein harter Hund auch die Spieler.