Rache für die Schande von Basel

BASEL – 13. Mai 2006: Der FCZ gewinnt in letzter Sekunde den Meistertitel in Basel, die Situation eskaliert. Gestern wiederholte sich die Geschichte – aus Rache?

  • Publiziert: 03.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012

Nach der verlorenen Meisterschaft vor zwei Jahren gab es für die Basler Anhänger im St. Jakob Park kein Halten mehr: Sie liessen ihrem Frust freien Lauf, es kam zur Schande von Basel. Sie warfen Leuchtpetarden auf die Zürcher Spieler, attackierten den Meisterschützen Iulian Filipescu. Die Polizei hat grösste Mühe der Lage einigermassen Herr zu werden.

Gestern Abend: Gleicher Ort, ähnliche Bilder – doch umgekehrte Vorzeichen. Der FCZ ist im Kampf um die Meisterschaft schon lange aus dem Rennen, Gegen starke Basler setzt es eine 0:4-Schlappe ab. Doch schon nach dem ersten Treffer rasten die Zürcher Anhänger aus. Sie zünden Feuerwerkskörper und werfen sie auf die Basler Fans (siehe untenstehendes Video). Über 1000 Grad werden die pyrotechnischen Körper heiss, brandgefährliches Material. War es die Rache der Zürcher für die üblen Attacken der Basler Hooligans vom 13. Mai 2006? Feuer wurde mit Feuer bekämpft. Die traurige Bilanz: Zwei Zuschauer wurden schon im Stadion verletzt.

Nach dem Spiel ging das Chaos weiter. Polizei und FCZ-Krawallmacher lieferten sich eine Strassenschlacht. Nur mit massivem Mitteleinsatz konnten die Sicherheitskräfte einen Teil der Zürcher Fans etwas unter Kontrolle halten. Insgesamt kam es zu 12 Festnahmen.

Zumindest konnte eine direkte Konfrontation mit gewaltbereiten Basler Anhängern vermieden werden. Ein Pyrrhus-Sieg: 45 Personen trugen Verletzungen davon, 16 davon durch Gewalteinwirkung, darunter ein Polizist.

Doch die Zürcher waren in ihrer Zerstörungswut durch nichts zu bremsen. Massive Sachbeschädigungen waren die Folge – und die verschiedenen Gruppierungen unter den FCZ-Anhängern schlugen sich sogar gegenseitig die Köpfe ein.

Der FC Zürich verurteilte die Taten unterdessen in einem Communiqué aufs Schärfste. Der Klub werde sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass die Fehlbaren rechtliche zur Rechenschaft gezogen werden. In den kommenden Tagen werde der FCZ-Verwaltungsrat über weitere Schritte informieren. Von den FCZ-Fans verlangt der Klub, «Pyro-Aktionen» in den Stadien strikt zu unterlassen. (SDA/zeb)

Krawalle auch in Bern

Nach Ende des Spiels Young Boys gegen Neuenburg Xamax, welches die Westschweizer Gäste mit 3:1 gewonnen hatten, kam es unweit des Stade de Suisse in Bern zu Ausschreitungen zwischen rund 100 Fans beider Clubs.

Die Polizei griff mit Tränengas und Gummischrot ein. Ein Polizist wurde verletzt. Einige Personen wurden vorübergehend festgenommen. Bei den Ausschreitungen sei ein Car aus Neuenburg beschädigt worden, hiess es weiter. (SDA)

Kamera-Gesichtskontrollen in Schweizer Sportstadien

BERN – Ab der kommenden Spielsaison werden in Schweizer Sportstadien versuchsweise Filmaufnahmen gemacht und die Bilder mit der Hooligan-Datenbank abgeglichen. Das Ziel: Mit Stadionverboten belegte, gewaltbereite Personen ausfindig machen.

Die Tests würden nicht nur in den Stadien durchgeführt, sagte Roger Schneeberger, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren (KKJPD), am Samstag in der Sendung «Heute morgen» von Schweizer Radio DRS. «Wir wollen auch sehen, was mit Biometrie im Umfeld der Stadien oder etwa in Bahnhöfen möglich ist.»

Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür äusserte gegenüber Radio DRS Bedenken: Er sei der Auffassung, dass für die Tests eine ausdrückliche gesetzliche Ermächtigung erforderlich sei. «Die rechtliche Diskussion ist aber noch nicht abschliessend passiert.» (SDA)

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