Hitzfeld über verrückte Reisen in den Osten «Wir haben auch schon in Holzhütten gewohnt»

  • Publiziert: 21.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Andreas Böni und Max Kern
play Hat sich gründlich über den moldawischen Fussball informiert: Nati-Coach Ottmar Hitzfeld. (Georgios Kefalas)

SonntagsBlick stellt Ottmar Hitzfeld (60) heisse Fragen zum Trip nach Moldawien. Der Nati-Trainer schlägt sich tapfer, spricht über nächtliches Dröhnen in den Ohren, Spieler in Holzhütten und Alex Freis Probleme in Dortmund.

Herr Hitzfeld, lassen Sie uns ein kleines Moldawien-Quiz machen. Also, erste Frage: Wie viele Einwohner hat Moldawien?
Ottmar Hitzfeld: Au, damit habe ich mich gar nicht beschäftigt. Fünf Millionen würde ich schätzen. Wie liege ich?

Gar nicht schlecht. 4,4 Millionen. Zweite Frage: Was ist das grösste Problem des Landes für die Menschen dort?
Die Arbeitslosigkeit vielleicht?

Falsch. Kinder- und Organhandel.
Klingt schlimm. Da will ich nicht zu viel dazu sagen.

Dritte Frage: Was glauben Sie, wie viel Prozent der 5- bis 14-jährigen Kinder müssen in Moldawien arbeiten gehen?
Wenn Sie fragen, müssen es viele sein. Gut 20 Prozent?

Es sind sogar 32 Prozent. Und die Lebenserwartung beträgt nur 68 Jahre. In der Schweiz wird man im Schnitt 81 Jahre alt.
Ja, und ich denke auch, dass die Arbeitslosigkeit hoch sein wird, wenn sogar Kinder arbeiten gehen müssen. Aber die Informationen, die man über dieses Land bekommt, sind ja äusserst interessant. Da geht man mit einer ganz anderen Sichtweise nach Moldawien, auch mit viel Respekt für die Bevölkerung da.

Vierte Frage: Können Sie drei moldawische Nationalspieler aus dem Kopf sagen?
Ich habe vier Spiele auf Video gesehen. Der gefährlichste Spieler aus meiner Sicht ist Suworow, ein Linksfuss auf der linken Seite. Er wechselt aber mit Bordian gerne mal die Seite, kommt dann über rechts. Der ist auch bei Standards sehr gefährlich. Vorne stand da meist Frunza, ein Mann von 1,90 Meter. Der ist aber gegen uns offenbar nicht dabei. Aber auch Alexeew, ein anderer Stürmer ist gleich gross.

Suworow, Bordian, Frunza – den meisten Lesern werden diese Namen chinesisch vorkommen, Herr Hitzfeld.
Ich sehe die vier Spiele und kenne dann die Namen. Zum Beispiel Onica hat defensiv im Mittelfeld gut gespielt, wie auch Innenverteidiger Epureanu. Der kann auch im Mittelfeld spielen. Lascencow heisst der andere Innenverteidiger, er hat aber auch schon rechts in der Verteidigung gespielt. Dort spielt sonst übrigens Sawinow. Ach ja, Andronic hat zuletzt hinter den Spitzen gespielt. Die Mannschaft hat zuletzt sowohl im 3-5-2, 3-4-3 und 4-4-2, also in allen Systemen ge-spielt. Ist die Frage beantwortet?

Sie scheinen wirklich alles zu wissen über den Gegner. Fünfte und letzte Quiz-Frage: Können Sie uns auch noch den Namen des Trainers sagen?
Igor Dobrowolski. Er spielte ja in Genf, hatte immer lange Haare. Ich weiss, dass er ein technisch starker Regisseur war. So spielen die Moldawier meistens auch. Technisch guten und offensiven Fussball, mit sehr viel Wucht. Es ist keine defensive Mannschaft. Sie gehen immer mit sieben, acht Mann in die Offensive. Da liegt auch unsere Chance. Wir müssen schnell umschalten, in der Rückwärtsbewegung sind sie anfällig. Aber: Es ist erstaunlich, dass sie so wenige Punkte geholt haben. Ich hätte sie sogar stärker eingestuft als Lettland.

Bekamen Sie mit, dass Dobrowolski Informationen über einen ehemaligen Westschweizer Journalisten holen wollte?
Das ist doch legitim.

Natürlich. Nur ist der ehemalige Journalist heute Ihr persönlicher Berater.
(lacht) Echt? Er hat Erwin Zogg angerufen? Dann hat er ja den Richtigen gefragt.

Das ausführliche Interview mit Ottmar Hitzfeld finden Sie in voller Länge in der heutigen Ausgabe des SonntagsBlicks.

Nati-Aufgebot gegen Moldawien

Tor: Benaglio (Wolfsburg), Wölfli (YB), Leoni (FCZ).

Verteidigung: Djourou (Arsenal), Grichting (Auxerre), Lichtsteiner (Lazio), Magnin (Stuttgart), Müller (Monaco), Senderos (Milan), Ziegler (Sampdoria).

Mittelfeld: Abdi (FCZ), Barnetta (Leverkusen), Dzemaili (Torino), Fernandes (Manchester City), Huggel (FCB), Inler (Udinese), Padalino (Sampdoria), Stocker (FCB).

Sturm: Derdiyok (FCB), Frei (Dortmund), Nkufo (Enschede), Regazzoni (YB).
play Der Notengeber: Andreas Böni (l.) im Gespräch mit Nati-Coach Ottmar Hitzfeld. (Georgios Kefalas)