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Frisches Fussballerblut tut gut: Wegen Verletzungen oder taktischen Änderungen rotierten beide Trainer fleissig vor dem vorentscheidenden Spiel. Der türkische Coach Fatih Terim nahm gleich vier Veränderungen gegenüber dem Match gegen Portugal vor. Am schlimmsten wog die verletzungsbedingte Abwesenheit von Emre.
Die Schweizer starteten dagegen mit der kompletten Kebab-Connection: Im Sturm Hakan Yakin und Eren Derdiyok anstelle der verletzten Alex Frei und Marco Streller, im defensiven Mittelfeld Gökhan Inler.
Schlammschlacht in Basel
In der ersten Viertelstunde kam es zu keiner valablen Torchance auf beiden Seiten, zu sehr schien der Druck die Mannschaften zu lähmen. Auch die extremen äusseren Bedingungen machten den Teams zu schaffen, es begann heftig zu regnen. Der Ball blieb sogar im Wasser liegen, das Ganze erinnerte schon fast an die Schlammschlacht zwischen Deutschland gegen Polen an der WM 1974!
Die Schweizer kamen jedoch mit den enormen Wassermassen besser zurecht. Hakan Yakin sorgte in der 24. Minute mit einem herrlichen Weitschuss für Aufregung, danach drosch Barnetta einen direkten Freistoss an der Mauer vorbei, der türkische Goalie Volkan kratzte den Ball jedoch mirakulös von der Linie.
Wasserball statt Fussball
Der Regen prasselte auch nach einer halben Stunde noch literweise vom Himmel. Die Türken taten sich je länger je mehr schwer mit diesen fast schon irregulären Bedingungen. Unsere Kebab-Connection drehte hingegen in der neuen Sportart Wasserball richtig auf und wirbelte die türkische Abwehr einige Male durcheinander.
Nach einem herrlichen Steilpass von Senderos stand der 19-jährige Shootingstar Derdiyok plötzlich alleine vor dem herausstürmenden Türken-Keeper Volkan. Derdiyok liess sich nicht beirren und spielte den Ball geschickt quer zum freistehenden Yakin. Doch der Ball blieb fast in den Wassermassen stecken. Nach einer kurzen Schrecksekunde schob Hakan Yakin die Kugel jedoch zum 1:0 über die Linie. Die Schweiz führte somit zum ersten Mal überhaupt in einem EM-Spiel!
Yakin wie Podolski
Hakan Yakins verhaltener Jubel war eine faire Geste. Er tat es somit dem Deutschen Podolski gleich, der sich nach seinem Treffer gegen Polen auch zurückhaltend freute – Yakin stammt wie Podolski vom Land des jeweiligen Gegners ab.
In der Pause waren die Rasenpfleger besonders gefordert und versuchten, die Wasserballfläche wieder möglichst in einen Fussballrasen zu verwandeln. Während Köbi Kuhn nach der Pause keine Wechsel vornehmen musste, hatte Fatih Terim genug gesehen und brachte Semih Sentürk und Mehmet Topal.
Wasserball beendet
Nach der Halbzeit konnte endlich richtig Fussball gespielt werden. Die Verhältnisse hatten sich deutlich verbessert und die Türken drängten vehement auf den Ausgleich. In der 57. Minute flankte Nihat präzise in die Mitte und der Abnehmer Semih Sentürk köpfte herrlich aus vier Metern ein. Benaglio versuchte zu reagieren, der Ball prallte jedoch unglücklich von ihm ab und ins Tor.
Stich ins Schweizer Herz
In den letzten zwanzig Minuten hätten beide Teams das Spiel für sich entscheiden können. In der 84. Minute verspielten die Schweizer jedoch den ersten Matchball nach einem 3:1 Überzahl Konter. Die Türken machten es in der Nachspielzeit ungleich besser…
Arda Turan schoss in der 93. Minute den 2:1-Siegtreffer und stiess den Schweizern mitten ins Herz. Die Fassungslosigkeit war den Nati-Fans ins Gesicht geschrieben und nach dem sinnflutartigen Regen folgte das kollektive Schweizer Tränenmeer. Die EM ist für uns bereits beendet, wir sind draussen!