Um 13 Uhr rief Köbi die Ambulanz

  • Publiziert: 03.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Max Kern und Andreas Böni

Die gute Nachricht zuerst: Alice Kuhn geht es wieder besser. Und Nati-Coach Köbi Kuhn ist «unendlich dankbar».

Am frühen Nachmittag sah das ganz anders aus: Köbi Kuhn (64) steht gebückt auf dem Trottoir. Er hat beide Hände vor das Gesicht geschlagen. Im Krankenwagen nebenan liegt bewusstlos seine Gattin Alice.

Was für ein Schock für unseren Nati-Coach! Und das fünf Tage vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Tschechien!

Alice, seine Jugendliebe, die er vor 43 Jahren geheiratet hat, erleidet daheim in der Attika-Wohnung in Birmensdorf ZH aufgrund einer Bewusstseinsstörung einen epileptischen Anfall.

Als Köbi seine Liebste kurz nach 13 Uhr findet, denkt er zuerst, sie schlafe. Dann bemerkt er, dass Alice bewusstlos ist. Köbi wählt sofort die Notfall-Nummer.

In Kuhns Wohnblock gleich neben einem Waldrand fahren kurz darauf Sanität und Feuerwehr vor.

Über eine Drehleiter wird Alice Kuhn von Sanitätern und Feuerwehrleuten aus dem Haus auf die Strasse gebracht. Mit Blaulicht wird sie ins Spital gefahren.

Auch am Montag Abend (Stand 21 Uhr) war Köbis Gattin noch nicht bei Bewusstsein. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass ihr Zustand stabil und nicht lebensbedrohlich ist.

Um 20 Uhr besammelt sich Kuhns Mannschaft im Teamhotel «Panorama Resort & Spa» in Feusisberg SZ. Der Coach fehlt. Er werde spätestens am Dienstag zum Team stossen, heisst es in einer Medienmitteilung des Schweizerischen Fussball-Verbandes kurz vor 20 Uhr.

Schnell macht die Hiobsbotschaft unter Köbis Spielern die Runde. Vize-Captain Ludovic Magnin, der um 19.51 Uhr in Feusisberg vorfährt, sagt zu BLICK: «Die ganze Mannschaft steht hinter dem Trainer.» Tranquillo Barnetta: «Ich wünsche Frau Kuhn gute Besserung und Köbi viel Kraft.»

Kurz nach 21 Uhr erreicht Köbi Kuhn doch noch das Mannschaftshotel hoch über dem Zürichsee.

Er informiert seine Spieler und die Betreuer über den schweren Schicksalsschlag.

Zu BLICK sagt Köbi Kuhn etwas später: «Ich bin unendlich dankbar, dass sich die Situation von Alice stabilisiert hat. Ich bin froh, dass es nichts ist mit lebensbedrohlichen Auswirkungen. Ich bedanke mich für die riesige Anteilnahme.»

Wünsche der Nati-Spieler

Vize-Captain Ludovic Magnin: «Die ganze Mannschaft steht hinter dem Trainer. Wir wissen, wie wichtig Menschlichkeit für ihn ist. Solche Momente sind die schwierigsten, wenn die wichtigste Person in deinem Leben betroffen ist. Ich kann mir vorstellen, wie es wäre, wenn meine Frau jetzt im Spital liegen würde.»

Philipp Degen: «Das ist schlimm, ich hoffe, dass es ihr bald wieder besser geht. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen alles Gute.»

Gelson Fernandes: «Was ist passiert? Ist es das Herz? Kommt Köbi?»

Tranquillo Barnetta: «Ich war abgeschottet, habe noch gar nichts gehört. Ich wünsche Alice Kuhn gute Besserung und Köbi ganz viel Kraft.»

Alice-Liebling Daniel Gygax (kam im FCZ-Shirt): «Ich habe es gerade im Radio gehört. So eine Sache gibt einem zu denken. Natürlich lenkt so etwas die Mannschaft in dieser Zeit ab.»

Pascal Zuberbühler: «Schlimm. Ich hoffe, es ist nichts Gravierendes. Ich kann nicht mehr sagen, ich bin so überrumpelt.»

Stephan Lichtsteiner: «Ich bin schockiert. Ich wünsche Köbi und seiner Frau viel Kraft. Herr Kuhn kann garantiert auf die Mannschaft zählen.»

Eldin Jakupovic: «Ich bin geschockt. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes und wünsche alles Gute.»

Diego Benaglio: «Au nei! Ich wünsche Alice Kuhn alles Gute. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmeres und es geht ihr bald wieder gut.»

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