Darm-Virus in der Nati Top-Trio fraglich!

  • Publiziert: 13.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Max Kern und Andreas Böni

Zwei bleiben im Hotel, einer trainiert nur 29 Minuten. Noch keine Entwarnung in Sachen Darm-Alarm in der Nati.

Nach dem Mittagessen im Nati-Hotel in Feusisberg SZ. Am Tisch der Ärzte und Physiotherapeuten wird diskutiert: Was ist die Ursache, dass Captain Alex Frei, Goalie Diego Benaglio und Beni Huggel letzten Samstag in Luxemburg von einem Magen-Darm-Virus befallen wurden? Der Verdacht fällt auf einen Getränke-Mixer. Das Gerät, dass Wasser und Pulver zu isotonischen Getränken mixt. Nicht auszuschliessen, heisst es.

Am Abend sagt Nationalmannschafts-Arzt Cuno Wetzel am Rande des Trainings in Rapperswil-Jona SG zu BLICK: «Nichts ist bewiesen. Es kann von der Luft sein, vom Kontakt mit den Händen. Sicher ist: Es handelt sich in allen drei Fällen nicht um eine Lebensmittelvergiftung.» Heisst: Der Koch ist fein raus. Das Mittagessen am Spieltag war nicht verdorben.

Diego Benaglio, der unter Durchfall litt, ist seit gestern laut der medizinischen Abteilung fieberfrei. Aber der Goalie bleibt im Hotel, darf zwei Tage vor dem alles entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Israel noch nicht mittrainieren. Reichts bis zum Ankick morgen um 20 Uhr?

Dr. Wetzel: «Die Spieler müssen 24 Stunden fieberfrei – und bei Kräften sein.» Wer entscheidet, ob Frei, Huggel und Benaglio einlaufen? Wetzel: «Vom Medizinischen her bin das ich.»

Kann das mit den Grippe-Opfern gut gehen? Hält Durchfall-Opfer Benaglio gegen die Israelis dicht?

Lässt Benaglio (oder sein Ersatz Marco Wölfli) im St. Jakob-Park keinen Gegentreffer zu, hat die Mannschaft von Coach Ottmar Hitzfeld mindestens einen Punkt auf sicher. Und das reicht für die direkte Qualifikation für die WM in Südafrika. Die rauschende WM-Party könnte morgen kurz vor 22 Uhr im ausverkauften Joggeli steigen – mit 38 500 Gästen vor Ort.

Ein Benaglio, der dicht hält, ist morgen wohl bitter nötig. Denn unsere Verteidigung ist im (hoffentlich) letzten Ernstkampf vor der WM 2010 noch nicht sattelfest. Von den neun Gruppenersten der europäischen WM-Quali liess die Schweiz am zweitmeisten Gegentreffer zu: 8 in 9 Quali-Spielen. Nur die Slowakei (10 Gegentreffer) ist noch löchriger. Holland (2), Spanien (3) oder Deutschland (4) sind uns verteidigungstechnisch um Längen voraus.

Es gibt Gründe für die anfällige Verteidigung: Nur einmal in neun Spielen konnte Hitzfeld zweimal hintereinander die gleiche Abwehr aufstellen: Bei den beiden 2:0-Siegen gegen Moldawien innert vier Tagen liefen im Frühling Lichtsteiner, Senderos, Grichting und Magnin auf. Insgesamt 9 Verteidiger brauchte der Coach in der WM-Kampagne für 4 Plätze. Rückkehrer Stéphane Grichting (letzten Samstag gesperrt) ist mit 8 Einsätzen bisher Hitzfelds Anker.

Angriff ist die beste Verteidigung, sagt der Volksmund. Zum Glück haben sich Hitzfelds Kicker zu Königen der Lüfte entwickelt. Die letzten sieben Tore wurden alle mit dem Kopf erzielt, die letzten vier gar auf Standards. Hitzfeld: «Ich habe schon bei meiner Amtsübernahme gefordert, dass die stehenden Bälle eine Waffe für uns werden sollen.»

Gut zu wissen: Die israelischen Verteidiger Klemi Saban (1,73 m), Tal Ben-Haim (1,80), Dini Mori (1,84) und Yoav Ziv (1,78) sind keine Riesen. Unsere Kopfball-Spezialisten Beni Huggel (1,90), Eren Derdiyok (1,90), Philipp Senderos (1,89) oder Blaise Nkufo (1,86) haben klar die Lufthoheit.




Was passiert, falls Benaglio mitten im Match aufs WC muss?

60 Minuten sind zwischen der Schweiz und Israel gespielt, 0:0 stehts — Benaglio sei Dank. Doch plötzlich rumort Diegos Darm, Benaglio muss aufs Töpfchen. Dringendst.

Ein Szenario, das morgen durchaus eintreten könnte. Die grosse Frage, die sich Hunderttausende Fans stellen: Was passiert? Darf unser Torhüter zurück? Muss er ausgewechselt werden?

Schiri-Boss Urs Meier: «Das Spiel wird unterbrochen und erst wieder fortgesetzt, wenn der Keeper zurück ist.» Anders bei einem Feldspieler. «Dieser muss sich beim Schiri abmelden, und er kann solange auf der Toilette bleiben, wie er will.» Das Spiel allerdings läuft während dieser Zeit weiter.

Selten, dass ein Spiel buchstäblich in die Hosen geht. 2005 sprintet GC-Verteidiger Igor Stepanov in die Katakomben, kommt zurück, doch nicht lange — der Dünnpfiff ist stärker.

Besser ergeht es 1988 dem 68-fachen Internationalen Roger Wehrli. Der verabschiedet sich kurzzeitig mit vollen Hosen, kehrt mit sauberen zurück – und schiesst danach gar ein Goal.
E.K.
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