Die letzten Ruhetage vor der WM So tanken die Nati-Stars Kraft

  • Publiziert: 08.06.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Marc Ribolla

Trainer Ottmar Hitzfeld hatte den Spielern vor der Abreise an die WM zwei Tage Ruhe zur Erholung verordnet. Nicht alle halten sich daran.

Seit Sonntag genossen die Spieler von Coach Ottmar Hitzfeld zwei freie Tage, um sich ein letztes Mal nach der körperlich harten Vorbereitung in Crans-Montana zu erholen und Kräfte zu tanken für die WM in Südafrika. Die letzten Stunden persönlicher Freizeit vor der Abreise nutzten sie sehr unterschiedlich.

Verteidiger Stéphane Grichting (31) beispielsweise, einer von zehn Familienvätern unter den 23 Nati-Spielern, machte in seiner Heimat Wallis in Ruhe Spaziergänge mit Frau Valériane und den Kindern Zora (6) und Ilan (4). In «Le Matin» sagt er zur bevorstehenden Trennung offen: «Es ist hart, seine Familie zurückzulassen. Man fühlt sich nicht gut.» Er nehme als moralische Stütze aber Fotos und Zeichnungen seiner Liebsten mit, und Kontakt via Skype sei mindestens alle zwei Tage Pflicht.

Sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben sich dagegen Hakan Yakin (33) und Diego Benaglio (26). Die beiden statteten am Montag dem Freizeit- und Business-Komplex «Riverside» im Zürcher Unterland bei einem Kundenanlass einen Besuch ab. Sie verteilten den Fans Autogramme und posierten für Erinnerungsfotos.

Positiven Stress hatte Mittelfeldspieler Gelson Fernandes in den letzten Tagen. Der 23-Jährige bezog sein neu gebautes Haus bei Grimisuat, in der Nähe von Sion. «Die Möbel sind schon angekommen», sagte Fernandes in «Le Matin». Viel Zeit kann er noch nicht im Haus verbringen.

Am Mittwochmittag besammeln sich die Stars wieder am Flughafen Zürich und bestreiten um 16.30 Uhr ein letztes, für die Fans öffentliches Training im Letzigrund. Danach hebt um 22.45 Uhr die Nati Richtung Johannesburg ab.

Interview mit Sportpsychologe Robert Buchli

Die Nati hatte zwei Tage frei. Einige spannten aus, andere machten körperlich etwas. Was ist schlauer?
Das hängt von jedem Athleten und seiner subjektiven Einschätzung ab. Für den einen ist der letzte soziale Kontakt mit den Fans via Autogrammstunden Erholung, für den anderen die Ruhe. Beides kann Sinn machen

Was geht in einem Sportler vor, so kurz vor der Abreise?
Dasselbe wie uns allen auch, wenn wir eine längere Reise antreten. Man ist nervös, spürt ein Kribbeln und die grosse Vorfreude auf den Fussball. Die Spieler wollen vor allem, dass es endlich losgeht.

Was ist das Wichtigste, wenn die Nati-Stars in Südafrika ankommen?
Aus der Erfahrung mit Olympia-Athleten wissen wir, dass man die ersten Eindrücke auf sich wirken lassen muss. Die ersten Stunden in der neuen, ungewohnten Umgebung geniessen und sich bewusst werden, wofür man die Reise angetreten hat. (rib)