Der Saudi klaut uns Behrami und gibt umstrittenes Tor Schiri pfeift Nati kaputt

  • Publiziert: 21.06.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Dominik Steinmann aus Port Elizabeth

Die Schweiz verliert gegen Chile mit 0:1. Valon Behrami wird vom saudischen Schiedsrichter Al-Ghamdi schon nach 30 Minuten vom Platz gestellt. Und der Schiri gibt ein offsideverdächtiges Tor.

Ein bissiger Wind fegt bei Spielbeginn durch das wunderschöne Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth. Im muschelartigen Rund, in dem die chilenischen Fans überwiegen, herrscht eine tolle Stimmung, obwohl bei weitem nicht alle Plätze besetzt sind.

In der 2. Minute geht es ein erstes Mal heiss zu und her. Goalgetter Humberto Suazo, der Schleckstengel genannt wird, streckt Stéphane Grichting nieder und sieht Gelb. In der 5. Minute zieht Spielmacher Alexis Sanchez ein erstes Mal ab, sein Schuss streift aber weit am Kasten von Diego Benaglio vorbei. Nur zwei Minuten später stoppt Gary Medel – genannt «Pitbull» – den Ball mit der Hand. Schiedsrichter Khalid Al-Ghamdi aus Saudi-Arabien gibt Freistoss, den Captain Alex Frei allerdings schwach tritt. Al-Ghamdi scheint die Partie zu diesem Zeitpunkt noch im Griff zu haben.

Sanchez wirbelt – Benaglio hält dicht

In der 10. Minute muss Benaglio gleich zwei Distanz-Schüsse von Vidal und Carmona parieren, erledigt seine Arbeit aber souverän. Chile hat eindeutig mehr vom Spiel. Die Südamerikaner sind unglaublich wendig und trickreich. Vor allem Alexis Sanchez wirbelt die Schweizer Abwehr immer wieder durcheinander. Blaise Nkufo wird wegen eines eher harmlosen Trikot-Zupfers in der 18. Minute verwarnt. Auch die Chilenen Carmona und Ponce sehen kurze Zeit später den Karton. Es wird früh klar: Al-Ghamdi kennt keinen Spass.

Dann kommen die Schweizer besser ins Spiel. Grichtings Kopfball streift in der 25. Minute knapp am Tor vorbei, es ist die bislang gefährlichste Aktion der Schweizer. In der 28. Minute kommt Nkufo im Strafraum beinahe an den Ball, Goalie und Captain Bravo befreit mit einer Fussabwehr.

Al-Ghamdi fällt auf Vidals Theater ein

Dann folgt der herbe Rückschlag für die Nati: Valon Behrami wird nach einer halben Stunde von Schiri Al-Ghamdi vom Platz gestellt – ein krasser Fehlentscheid! Behrami greift im Zweikampf mit Arturo Vidal (Bayer Leverkusen) zwar um sich, Vidal lässt sich aber theatralisch fallen. Chile hat nun wieder Oberwasser. In der 38. Minute schlägt Beausejour von links eine gute Flanke, Suazo köpft aber weit daneben. Inler versuchts im Gegenzug mit einem Distanzschuss. Sein Klubkollege von Udinese, Alexis Sanchez, vergibt unmittelbar danach aus bester Position. Sein Flachschuss ist eine sichere Beute für Benaglio.

Nach 42 Minuten nimmt Ottmar Hitzfeld Captain Alex Frei vom Feld und bringt Tranquillo Barnetta – ein taktischer Wechsel. Nkufo sucht noch vor der Pause den Abschluss, dann bittet Al-Ghamdi zum Pausentee. Der Saudi ist die Figur der ersten Halbzeit und trübt den Gaudi aus Schweizer Sicht.

Chile-Coach Marcelo Bielsa überrascht in der Pause mit zwei Wechseln. Er ersetzt Suazo und Vidal durch Gonzalez und Valdivia. Dann geht das Kartenzücken munter weiter. Barnetta sieht nach 48 Minuten Gelb. Es folgt eine Schrecksekunde aus Schweizer Sicht. Der Ball landet nach einem Sanchez-Schuss im Tor, doch der Treffer zählt nicht, weil ihn ein Chilene in Abseitsposition noch abfälscht. In der 55. Minute vertändelt Grichting als hinterster Mann, Benaglio rettet vor dem alleine heranstürmenden Sanchez. Dann verpasst der eingewechselte Gonzalez mit dem Kopf. Inler und Fernandez sehen nach einem Rencontre in der 60. Minute die Karten Nummer 6 und 7. Auch für Chiles «Pitbull» Gary Medel gibt es unmittelbar darauf Gelb.

Gonzalez trübt neuen Schweizer WM-Rekord

In der 68. Minute darf die Schweiz einen WM-Rekord bejubeln. Die Nati bleibt auch im sechsten Spiel in Folge – zumindest vorläufig – ohne Gegentreffer und löst Italien als Rekordhalter ab.

Die Freude dauert allerdings nur kurze Zeit. In der 75. Minute flankt der eingewechselte Paredes auf den ebenfalls nach der Pause gekommenen Gonzalez, dieser ist mit dem Kopf zur Stelle. 1;:0 für Chile! Auch dieser Schiri-Entscheid gibt zu reden: Das Tor ist auch offsideverdächtiger Position erzielt worden.

Die Schweiz versucht, zu reagieren. In der 84. und der 89. Minute verpasst Paredes den engültigen K.o.-Schlag, seine beiden Schüsse streifen über und neben das Tor.

Derdiyok hat Ausgleich auf dem Fuss

In der 90. Minute hat der eingewechselte Derdiyok aber noch den Ausgleich auf dem Fuss. Sein Schuss streift nur knapp am chilenischen Tor vorbei. Statt auf den Penalty-Punkt zeigt Ref Al-Ghamdi im Gegenzug Valdivia wegen einer Schwalbe Gelb.

Die Schweiz verliert nach einer veritablen Abwehr-Schlacht 0:1 und muss wohl im letzten Gruppenspiel am Freitag gegen Honduras unbedingt gewinnen.