Kritik nach der Nati-Pleite: «Schämt euch!»

  • Publiziert: 11.09.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

ZÜRICH – Die Schweiz rieb sich kollektiv die Augen. In der 86. Minute zappelte der Ball im Tor, unsere Nati wurde übertölpelt von cleveren Luxemburgern. Ist das nur ein böser Traum?

Nein, es ist die bittere Realität. Hohn und Spott wird über unsere Nati geschüttet. Die Luxemburgische Zeitung «Station» titelte treffend: «Luxemburg skalpiert die Schweiz». Und zum Glück sind unserer Fussballer Profis. Schliesslich haben sie dadurch Zeit, heute Volkes Stimme zu ihrer desolaten Leistung zu lesen.

Anders die Luxemburger: Die Truppe aus Schülern, Studenten und Angestellten sitzt jetzt wieder im Hörsaal, oder im Büro – wohl mit einem breiten Grinsen auf den Stockzähnen.

Das Lachen vergangen ist allerdings der Schweiz und den Blick.ch-Lesern. Pako aus Luzern hat nur ein Wort übrig für die Blamage gestern im Letzigrund: «Oooberpeinlich!!!». War es Ottmar Hitzfelds Schuld? War es die Einstellung der Truppe? Gründe für die Niederlage gibt es viele.

Wo war die Leidenschaft?

Ein zentraler Grund für das schwarze Loch auf dem Platz gestern ist jedoch die fehlende Siegermentalität, meint Chris aus Otelfingen: «Wenn ein Fussballprofi meint er müsse gegen einen solchen Fussballzwerg keinen Einsatzwillen zeigen, hat in der Nati nichts verloren. Gestern fehlte die Leidenschaft, die Emotionen und der Wille für einen Sieg.»

Ottmar Hitzfeld sagte nach dem Spiel in die Kamera: «Man darf jetzt nicht das Kreuz über der Schweiz brechen». Auch die Blick.ch-Leser nehmen den neuen Mann an der Seitenlinie (noch) in Schutz: «Hitzfeld muss Mut beweisen mit den Nominierungen», schreibt Stefan aus Wolfwil. Hat der zweimalige Welt-Trainer des Jahres auf die falschen Leute gesetzt?

Walther aus Rüti bemängelt jedenfalls die Taktik von Hitzfeld: «Wie kann er 60 Minuten zuschauen und niemanden auswechseln?» Lustrinelli kam für Frei, Abdi für Yakin. Eben diesem Hakan Yakin, der trotz fehlender Spielpraxis mit Inler und Nkufo noch am ehesten an seine eigentlichen Fähigkeiten erinnern konnte.

Comeback von Köbi?

Trotzdem reichte auch Yakins Leistung bei weitem nicht aus. Die Mannschaft war ein Totalausfall – Magnin leistete sich so viele Fehlpässe, dass der geschockte Zuschauer mit dem Zählen gar nicht mehr mitkam. Felice aus Zürich: «Vielleicht haben es jetzt auch die letzten gemerkt. Das Problem war nicht Köbi Kuhn, es war die Mannschaft, die alle Spiele vergeigt haben.»

Und einige wehmütige Stimmen trauern den guten alten Zeiten mit Köbi Kuhn nach: «Bei Köbi gab es jedenfalls nie eine so desolate Mannschaft.» meint Leser Dani.

Doch nicht alle hauen die Nati in die Pfanne. Bereits wieder an die Zukunft denkt Kinsky aus Baden: «Traurig machen mich nur die Fans die eine Niederlage nicht akzeptieren können und jetzt über die Nati herziehen, anstatt Mut für die Zukunft zu zusprechen.»

Und doch bleibt die peinliche Schande vom Letzigrund. Jetzt ist Hitzfeld gefordert. Doch zuerst sollen sich unsere Spieler vor allem an der eigenen Nase fassen. Leser Donnie aus Baden sprichts aus: «Schämt euch!» (num)

Mein Gott, Hitzfeld!

Walter De Gregorio, Sportchef Blick

Bei jedem anderen Trainer würde man nach diesem Desaster den Rücktritt fordern. Die Schweiz verliert zu Hause gegen Luxemburg. Gegen Luxemburg! Es gibt immer Gründe, eine solche Katastrophe zu erklären. Gegen Luxemburg gibt es keine!

Da der Trainer aber nun mal nicht Möngi Max heisst, sondern Ottmar Hitzfeld, einer der erfolgreichsten Klubtrainer der Welt, ist eine Rücktrittsforderung jetzt nicht angebracht. Und doch: Hitzfeld ist nach diesem Debakel so gefordert wie selten in seiner langjährigen, aussergewöhnlichen Karriere.

In den kommenden Tagen werden wir von Spielern und vielleicht von Hitzfeld selbst Worte hören wie: «Im Fussball ist alles möglich.» Oder: «Im Fussball gibt es keine kleinen Nationen mehr.» Alles Schwachsinn. Wer sich für die WM qualifizieren will, der muss sich hüten, solches auch nur anzudenken, geschweige denn zu sagen. Es wäre peinlicher wie die Niederlage selbst.
Die Schweiz hilft den Luxemburgerli auf die Sprüngli – so stark hat noch kein Gegner den Kleinsten der kleinen Benelux-Staaten je gemacht!

Das Positive am Ganzen: Das Schwarze Loch hat gestern nur die Schweizer Nati verschluckt. Alle anderen dürfen hoffen, dass am 11. Oktober gegen Lettland ein neues Team auftritt. Hitzfeld, der Messias, noch nie so gross ist die Hoffnung auf ein Wunder.

Schaffen wir die WM-Quali überhaupt noch?»

  • 45,9% Ja, wir stehen wieder auf!
  • 54,1% Nein, wir werden scheitern.