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So kannte man den Nati-Trainer noch nicht. Früher nahm Ottmar Hitzfeld seine Spieler stets in Schutz. Nach der England-Pleite übte er erstmals offen Kritik an Einzelspielern.
Und wie!
«In dieser Mannschaft möchte ich nicht Stürmer sein», sagte Hitzfeld im grossen BLICK-Interview. Eine Ohrfeige für die Aussenverteidiger. Denn Hitzfeld nannte Namen: Stephan Lichtsteiner und Reto Ziegler. Die würden zu wenig für die Offensive machen, so Hitzfeld. Und: «Schon an der WM gegen Honduras kam von den Aussenverteidigern zu wenig.»
Lichtsteiner ist erstaunt über diese Kritik. «Mir hat der Trainer persönlich nie vorgeworfen, dass ich zu wenig für die Offensive mache», sagte er gestern auf Anfrage von BLICK. Und wehrt sich: Er sei ein Verteidiger, der sich wann immer möglich ins Spiel nach vorne einbringe. «Gegen Honduras habe ich sehr viel gemacht, schlug mindestens vier gute Flanken.»
Einsichtig zeigt sich Lichtsteiner bei Hitzfelds Kritik zur Gelb-Roten Karte: «Ich mache mir selbst Vorwürfe. Es tut mir leid für die Mannschaft.» Hitzfeld warf Lichtsteiner vor: «Als Abwehrspieler darfst du nie wegen Reklamierens Gelb bekommen.»
Daran gebe es nichts zu beschönigen, so Lichtsteiner. Auch wenn die zweite Karte «unglücklich» gewesen sei.
Auch mit Eren Derdiyok war Hitzfeld überhaupt nicht zufrieden: Derdiyok bringe sich zu wenig ins Spiel ein, sei phasenweise nicht integriert. Der Stürmer von Leverkusen stellt diese Kritik nicht in Abrede, sprach gestern im Onlineportal «Newsnetz» von «Verkrampfung», bekennt, dass er sich «stündlich Gedanken» mache. «Ich bin mir bewusst, dass meine Leistung gegen England ungenügend war.»
Ärger über eigene Fehler
In der Bundesliga trifft Derdiyok zwar. Doch Hitzfeld fordert mehr: «Ich erwarte, dass er sich auch in der Bundesliga weiterentwickelt.» Derdiyok entgegnet: «Ich will in der Bundesliga dort weitermachen, wo ich aufgehört habe. Es lief alles gut in Leverkusen.»
Auch Derdiyoks Körpersprache auf dem Platz gibt zu reden. Hände verwerfen, resignierte Blicke, hängende Schultern. Derdiyok erklärt sich: «Wenn ich mal nach einer missglückten Aktion die Hände verwerfe oder den Kopf schüttle, ist das überhaupt kein Vorwurf an einen Mitspieler, sondern vielmehr Ausdruck der Enttäuschung über den eigenen Fehler.» Gegenüber BLICK meint er abschliessend: «Mehr gibt es im Moment zum England-Spiel nicht zu sagen.»
Und was sagt Reto Ziegler (24), der dritte Prügelknabe im Bunde, zu den harten Worten des Chefs? Der Sampdoria-Legionär reagiert kurz und trocken: «Ich werde die Antwort auf dem Platz geben.»
Am 8. Oktober haben Ziegler und seine Kollegen die Gelegenheit dazu. Dann tritt die Nati zum ersten Schicksalsspiel auswärts gegen Montenegro an.