Tranquillo Barnetta: «Ich hatte keine Angst, den Stammplatz zu verlieren»

  • Publiziert: 20.06.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Andreas Böni und Max Kern aus Vanderbijlpark

Einer unserer Helden vom Spanien-Spiel: Tranquillo Barnetta (25). Der Mittelfeldspieler spricht über Telefonate mit einem Chile-Spieler, die Rolle von Alex Frei und sagt, warum er die Ersatzbank nicht fürchtet.

Am Montag treffen Sie auf Chile. Dort spielt Ihr Teamkollege Arturo Vidal. Haben Sie eine Wette laufen?
Nein, aber wir haben nach dem ersten WM-Spiel telefoniert.

In welcher Sprache?
Spanisch. Ich kann ein paar Brocken, aber ein flüssiges Gespräch wars nicht. Wir haben uns kurz über Spanien und Honduras unterhalten. Und ja – er war ganz schön überrascht, dass wir die Spanier geschlagen haben. Aber er hat gratuliert.

Jetzt ist Funkstille bis zum Spiel?
Wir telefonieren ja nicht täglich, also ist das normal, dass wir bis dahin keinen Kontakt haben. Jetzt bereitet er sich vor, und ich mache das auch. Aber wir freuen uns beide auf das Wiedersehen am Montag.

Wenn man den Europameister schlägt, kann man Weltmeister werden. Würden Sie das so unterschreiben?
Nein. Nur weil wir einen Favoriten geschlagen haben, sind wir nicht gleich selbst Favorit. Wir haben noch zwei sehr harte Spiele gegen Chile und Honduras. Wir schauen Spiel für Spiel. Es bringt nichts, wenn wir zu weit nach vorne schauen.

Ist es eine Genugtuung, dass Sie den Kritikern das Maul gestopft haben?

Es war ein Sieg der ganzen Mannschaft. Wir standen alle zusammen sehr kompakt, wussten, dass es das gegen Spanien braucht. Wir sind froh, dass es so rausgekommen ist.

Aber nochmals: Sie fühlten sich ungerecht behandelt.
Unser Ziel war es, das Spiel zu gewinnen. Und ich wusste, was es dafür von mir braucht. Natürlich tut es gut. Wir haben es all denen gezeigt, die nicht an uns geglaubt haben. Nicht alle erwarteten von uns, dass wir gegen Spanien bestehen können. Aber wir waren am Tag X bereit, dafür haben wir lange gearbeitet.

Haben Sie die Kritik von aussen gebraucht?
Nein, für mich ist immer klar, dass ich mein Bestes gebe. Ich wusste auch, dass ich in den Spielen gegen Costa Rica und Italien noch nicht meine Bestform erreicht hatte. Vom Fitnessstand her. Aber jetzt fühle ich mich sehr gut, und wir müssen dran bleiben. Denn jeder Einzelne muss alles geben, damit wir am Montag auch gegen Chile bestehen können.

Hatten Sie Angst, Ihren Stammplatz zu verlieren?
Nein. Bei einer WM brauchst du alle Spieler. Wenn mal ein anderer spielt, dann ist es so. Das heisst nicht gleich, dass man Stammspieler ist oder nicht. Ich finde, das wurde alles unnötig aufgebauscht. Es ist wichtig, dass man 23 Leute hat, auf die man sich verlassen kann. Wenn ich mal draussen sitze, dann gebe ich mein Bestes, wenn ich reinkomme. Diese Einstellung muss jeder haben. Jeder Einzelne muss sich da in den Hintergrund stellen.

Zwischen dem Spanien- und dem Chile-Spiel liegen fünf Tage. Reicht das zur Erholung oder sollte dann Valon Behrami spielen, der wieder fit sein dürfte?
Das reicht. Ich war Ende April noch an der Hüfte verletzt. Vielleicht hilft mir das jetzt, dass ich damals ein bisschen Pause hatte. Vielleicht brauchte ich das, um meinen Körper ein bisschen zu entspannen.

Was meinen Sie: Sollte Alex Frei am Montag von Anfang an spielen?
Wir wissen alle, wie wichtig Alex für diese Mannschaft ist. Er ist Captain, er ist Rekordtorschütze. Und er wird alles daran setzen, dass er fit wird. Aber er ist auch genug Profi, um zu sagen, wenn er noch nicht richtig fit ist. Dann wird er freiwillig verzichten. Und dann kommt eine unserer wohl stärksten Qualitäten zum Tragen: das Kollektiv. Wir sind nicht derart von einzelnen Spielern abhängig, wie das vielleicht andere Teams sind. Wir können Ausfälle kompensieren. Nehmen Sie Eren Derdiyok: Ihm gebührt ein grosses Lob, wie er das gegen Spanien gemacht hat. Er war in der Vorbereitung nicht in der Stammelf und dann so eine riesen Leistung. Oder Steve von Bergen, der im Verlauf eines solchen Spiels Philippe Senderos ersetzen muss. Auch er hat bewiesen, dass man keine Angst haben muss, wenn wir Ausfälle zu beklagen haben.

Wie gross ist der Anteil von Ottmar Hitzfeld an diesem Sieg?
Er hat uns absolut perfekt auf diesen Gegner eingestellt. Aber wir wissen auch, dass wir Glück hatten an diesem Tag. Es war das perfekte Spiel für uns. Das wirds nicht immer geben.

Lesen Sie das ganze Interview mit Tranquillo Barnetta im SonntagsBlick und erfahren Sie mehr über seine Situation in Leverkusen und wer bei der Nati im Jassen die Nase vorn hat.