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Marco Streller (legt ungefragt los): Die Pfiffe in St. Gallen beim Testspiel gegen Liechtenstein haben mich sehr getroffen. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Mein Rücktritt war aber emotional und nicht überlegt.
Also war Ihr Egotrip vor dem EM-Kickoff ein Kurzschluss?
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und heute kann ich sagen: Ich habe einen Fehler gemacht! Der Zeitpunkt war schlecht, das weiss ich. Ich bin den Weg des geringsten Widerstandes gegangen.
Wieso haben Sie Ihren Rücktritt dann noch einmal bestätigt?
Das hätte eine Art Hilferuf sein sollen, doch es kam nichts. Ich habe keine Unterstützung bekommen. Ich will keine Namen nennen, aber gewisse Leute wollen einfach nicht verstehen. Beim FCB und bei Medienchef Josef Zindel kann das nicht passieren. Und dann gab es kein Zurück für mich.
Wie hat die Mannschaft reagiert?
Auf die Mannschaft hatte das keine negativen Auswirkungen. Es gab Spieler, die auf mich zukamen und mir sagten, ich soll es mir noch einmal überlegen. Und heute weiss ich – ich hätte besser vorher überlegt.
Und dann haben Sie am Montag Ottmar Hitzfeld getroffen?
Er hat mich angerufen. Zusammen mit Christian Gross und den Ärzten haben wir uns dann getroffen. Das Gespräch war extrem positiv. Bis da habe ich den Trainer nur vom Fernsehen gekannt und ihn für seine Arbeit respektiert. Aber ich muss sagen, mein Respekt ist noch gestiegen. Er hat gesagt, dass er mich braucht und auf mich zählt. Ich habe grossen Rückhalt gespürt. Ich weiss, es zählt das Leistungsprinzip, aber ich hoffe, dass mir das Publikum eine faire Chance gibt. Und mit Toren kann ich vielleicht auch wieder Respekt zurück bekommen.
Vorher müssen Sie aber erst Ihren Leistenbruch behandeln lassen.
Ja, ich werde mich am Freitag einem Eingriff unterziehen. Ich werde an beiden Leisten, beiden Adduktoren und am Schambein operiert.
Demnach sind Sie bereits verletzt in die EM gestiegen?
Die Geschichte zieht sich seit acht Monaten hin. Aber die letzten Spiele mit Basel war ich schmerzfrei. Die Testspiele in der Vorbereitung sind gut gegangen. Wir, die Ärzte und auch Köbi Kuhn, haben gewusst, dass ein gewisses Risiko immer da ist. Dann, nach dem Spiel gegen Tschechien, ging es gar nicht mehr.
Wäre es dann nicht besser gewesen, vorher zu passen?
Wie gesagt, ich habe mich gut gefühlt. Und deshalb haben wir entschieden, dass ich spiele. Es hat keiner damit gerechnet, dass es so schnell akut wird.
Wie lange werden Sie nach der OP ausfallen?
Behaften Sie mich nicht, aber ich denke zirka drei Monate. Und ich freue mich auf einen Neuanfang beim FCB und in der Nati. Und darauf, im November erstmals Vater zu werden.