Fabian Lustenberger über seine Rolle in der Nati unter Petkovic «Ich bin enttäuscht»

Fabian Lustenberger (27) ist Captain bei Hertha BSC. In der Nati spielt er kaum. «Ich habe andere Erwartungen», sagt er.

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BLICK: Fabian, herzliche Gratu­lation. Der «Kicker» hat Sie bei der Wahl zum besten Innenverteidiger auf Platz 9 gewählt, als klar bester Schweizer.
Fabian Lustenberger:
Zuletzt spielte ich ja wieder im Mittelfeld. Aber es ist schön, wenn ein Fachmagazin dich auszeichnet und dir gute Noten gibt. Es ist die Bestätigung meiner Leistung.

Sie können fast überall auflaufen. Ist das Ihr Problem, sodass Sie in der Nati keine Rolle spielen?
Vielleicht, ja. Kann sein, dass es das Problem ist. Aber eigentlich ist es gut, wenn man verschieden, ja sozusagen poly­valent einsetzbar ist.

Sie sind Captain bei Hertha BSC und machen jede Partie – und sind doch nur die Nummer 4 in der Hierarchie der Nati-Innenverteidiger, hinter Fabian Schär und Timm Klose, die nicht immer Stammspieler waren.
Die Situation ist für mich un­befriedigend. Auf jeden Fall. Ich habe gegen Estland im letzten Quali-Spiel 90 Minuten gespielt und reiste mit einem guten Gefühl zu den Testspielen gegen die Slowakei und Österreich. Ich war schon enttäuscht, dass ich dann keine Chance bekommen habe.

Sie spielten nur die letzten 20 Minuten gegen Österreich – im Mittelfeld.
Ich habe mittlerweile einen anderen Anspruch. Ich bin nicht mehr das erste Mal dabei, kenne den Ablauf und habe gewisse Erwartungen. Ja und darum bin ich enttäuscht, dass ich keine wirkliche Möglichkeit bekomme, mein Potenzial zu zeigen.

Haben Sie Ihre Erwartungen mal mit Vladimir Petkovic besprochen?
Vor dem Estland-Spiel habe ich mich mit ihm ausgetauscht. Er hat mir erklärt, dass er in erster Linie den Leuten vertraut, die in der Qualifikation durchgespielt haben, und er ihnen weiterhin das Vertrauen schenkt.

Steht Petkovic nicht auf Ihre Spielweise?
Das ist für mich schwierig zu beantworten. Vielleicht ist es so, ich weiss es nicht. Aber vielleicht will er einfach seine Philosophie mit seinen Leuten durchziehen. Das ist auch sein gutes Recht. Es geht nicht darum, den Trainer zu kritisieren. Ich will hier auch gar nicht die beleidigte Leberwurst spielen. Aber ich sage auch klar: Ich bin überzeugt, bringe alle Voraussetzungen mit, um Stammspieler zu sein. Ich spiele regelmässig und zeige Leistung. Wir stehen mit Hertha auf dem dritten Platz der Bundesliga. Da hast du schon andere Hoffnungen und auch Erwartungen.

EM-Stammspieler zu sein, ist also Ihr grosses Ziel.
Erst mal die EM. Aber wenn man dann im Kader steht, will man auch spielen. Bis im Sommer kann noch viel passieren. Aber ich bin keine 22 mehr. Da sagst du dir nicht einfach: Dabei sein ist alles! Da will ich natürlich meinen Beitrag für das Team auf dem Platz leisten.

Haben Sie schon an Rücktritt gedacht, um mehr bei Ihren zwei Kindern zu sein?
Keine Sekunde. Wenn du mit drei Länderspielen aus der Nati zurücktrittst, machst du was falsch.

Sie sind achteinhalb Jahre in Berlin. Bleiben Sie die ganze Karriere über dort?
Ich habe bis 2017 einen Vertrag, es wird sicher Gespräche über eine Verlängerung geben. Weiter plane ich noch nicht.

Kehren Sie dereinst zum FC Luzern zurück?
Der FCL ist für mich immer im Hinterkopf. Die Schweiz auch, natürlich. Ich würde aber jetzt nicht sagen, dass ich sicher nach Luzern zurückkomme. Klar ist, dass wir, ich und meine Frau, uns als Familie einmal vorstellen können, in der Schweiz zu leben.

Woher kennen Sie sich eigentlich?
Wir haben uns im Ausgang in Berlin kennengelernt.

Ihre Frau ist aus Brandenburg. Sprechen Ihre Kinder Schweizerdeutsch?
Sie verstehen alles, von den Grosseltern und meinen Brüdern her. Aber sie sprechen es noch nicht, weil wir zu Hause hochdeutsch sprechen. Ich habe inzwischen auch manchmal Mühe, schnell von Hochdeutsch auf Schweizerdeutsch zu wechseln ... (lacht)

Publiziert am 15.01.2016 | Aktualisiert am 14.01.2016

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33 Kommentare
  • Roger  Kreienbühl 15.01.2016
    Fabian Lustenberger muss in der Nationalmannschaft gesetzt sein! Bei Hertha-Berlin ist er seit Jahren Stammspieler und Mannschaftsführer. So ein Spieler mit diesem Leistungsnachweis gegenüber anderen Nati-Kameraden immer spielen, wenn man denkt das es Stammspieler in der Nationalmannschaft gibt die in Ihrem Verein "nur" Ergänzungsspieler sind....ist das eine Frechheit. Mal schauen ob unser Nati-Trainer, die spielen lässt an der EM die im Verein zur Stamm 11 gehören.
  • Paul  Mauchle aus St.Gallen
    15.01.2016
    Das Elend fängt beim Trainer an. Er hat zwar die EM-Qualifikation geschafft in einer eher schwachen Gruppe und das kann man nicht als Leistungsausweis deklarieren. Wenn er nicht endlich auf Spieler setzt, die in der Klubmannschaft spielen und auch Leistungen bringen, dann wird die EM für unsere Nati zum Desaster werden.
  • Reto  Bohren 15.01.2016
    Petkovic spricht halt lieber mit seinen Spielern in seiner Muttersprache, dafür setzt er auf Bankdrücker, und gute Spieler wo man den Namen aussprechen kann vergisst er, weil er dann Deutsch oder Englisch sprechen müsste!
  • Mike  Müller aus Zürich
    15.01.2016
    Lustenberger ist zurecht enttäuscht. Er wäre in unserer Nati der ideale Stabilisator im defensiven Mittelfeld. Zuverlässig, formbeständig, hart aber fair, besonnen, taktisch klug, mit einem guten Passspiel. Und sollte wir mal in Rückstand sein, so könnte ein zentraler Verteidiger herausgenommen werden, Lustenberger übernimmt dessen Position und macht Platz für einen offensiv starken Spieler.......
    • mike  dahl aus bern
      15.01.2016
      Super geschrieben! Ich sehe es auch "umgekehrt": Er ist auch der ideale Stabilisator in der Innenverteidigung, neben Djourou, Schär oder Klose, die alle schwankhafte Formkurven aufweisen. Er ist erfahren, ballsicher und souverän im Aufbau. Für mich wäre er die Nr. 1 in der Innenverteidigung - mit der Option, ihn jederzeit ins Mittfeld vorrücken zu lassen.
  • Eduard  Hänni 15.01.2016
    Als Fabian Lustenberger würde ich sofort den Rücktritt aus der Nati erklären. Denn, als erfolgreicher und senkrechter Schweizerspieler ist es sowieso nicht erstrebenswert, in dieser Balkanauswahl mit zu kicken!