
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Es war am 2. März 2009, vor dem Spiel gegen Uruguay in St. Gallen. Nati-Coach Ottmar Hitzfeld drohte, bei Pfiffen gegen Marco Streller nicht mehr in der AFG Arena spielen zu wollen. Es kam zum Fan-Krieg. Streller wurde von den einen ausgepfiffen, von den anderen gefeiert. Die Nati kam wieder.
Freitag, AFG Arena. Alex Frei verschiesst beim 0:0 gegen Australien einen Penalty und wird knallhart ausgepfiffen. Jetzt knallts so richtig.
Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld: «Es ist peinlich, wie sich zahlreiche Zuschauer benommen haben wegen eines verschossenen Penaltys. Alex, der Captain, hat für die Schweiz viele wichtige Tore erzielt. Dass er ausgepfiffen wurde, ist total unfair. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.»
«Pfiffe sind Sauerei»
Nie mehr St. Gallen? Vieles deutet darauf hin, auch wenn Hitzfeld keinen Schnellschuss machen will. Doch er sagt kurz: «Wir werden uns gut überlegen, wo wir in Zukunft unsere Heimspiele austragen werden.»
SonntagsBlick spricht mit Peter Stadelmann. Der Nati-Delegierte ist aus Flawil SG und sitzt beim FC St. Gallen in der Transferkommission. Auch er findet drastische Worte. «Die Pfiffe sind schlicht eine Sauerei – absolut unfair und inakzeptabel.»
Befürchtet er, dass in der Ostschweiz nun nie mehr Länderspiele stattfinden könnten? Stadelmann: «An und für sich habe ich Freude, wenn in der Region was läuft. Aber es ist ein wichtiger Aspekt, dass sich das Publikum gut und anständig verhält. Darum verstehe ich die Überlegungen von Ottmar Hitzfeld. Auch wenn mir die Veranstalter und die AFG-Arena leid tun. Man weiss, dass in St. Gallen nicht zuviel Geld da ist.»
«Penaltyschütze kann nur verlieren»
Stadelmann haut sich voll vor seinen Captain Alex Frei. «Unverständlich, dass er als Captain ausgepfiffen wurde. Vor allem muss man Leute, die Verantwortung übernehmen, immer schützen. Es ist doch so, dass ein Penalty-Schütze immer nur verlieren kann. Wenn er ihn reinmacht, dann ist das normal. Wenn nicht, dann macht er alles falsch.» Es war Freis erster Fehlschuss nach 14 verwandelten Penaltys in Serie.
Freis Sturmpartner Eren Derdiyok, ein Basler in Leverkusener Diensten, kann sich nach Spielschluss kaum beruhigen. Zu SonntagsBlick sagt er: «Wenn du in St. Gallen eine Partie machst, dann ist es wie ein Auswärtsspiel. Unglaublich. Gerade, dass es Alex getroffen hat, der so viel für dieses Land geleistet hat.»
Am Dienstag im Joggeli
Moreno Costanzo, der Ostschweizer aus Kirchberg SG, glaubt an ein St. Galler Phänomen. «Man kennt ja das St. Galler Publikum», sagt der YB- und Ex-Espen-Spieler, «wenns nicht so läuft, pfeifen die Fans auch mal die eigenen Spieler aus. Das ist beim FCSG nicht anders. Aber es ist nicht okay, wenn das dann beim Nati-Rekordtorschützen passiert.»
Am Dienstag spielt Frei mit der Nati im Joggeli. Dann wird es für ihn endlich wieder Jubel geben.