Unser WM-Held Das ist Gelsons Welt

  • Publiziert: 18.06.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Andreas Böni, Max Kern (Text) und Toto Marti (Fotos) aus Vanderbijlpark

Dass Gelson Fernandes zum Schweizer Nati-Helden wurde, hat er auch seinem Papa José zu verdanken.

Am Tag nach dem sensationellen 1:0 gegen Spanien sitzt Gelson Fernandes vor den Medien. Er zerknüllt ein Taschentuch, seine Fingernägel sind angekaut, er rutscht unruhig auf dem Stuhl hin und her. Gelson ist einer, der sich immer bewegen muss. Die Nati-Mitspieler tauften ihn Duracell. Weil er wie die Häschen aus der Batterie-Werbung ist: Er läuft und läuft und läuft. «Duracell? Ich muss so sein, das ist meine Qualität», sagt Gelson lachend.

Neuerdings läuft er nicht nur, sondern trifft auch noch. Ein Held, über den man gern mehr erfahren möchte.

  • Frisur: Gelson liess sich Anfang Jahr in Frankreich, wo er bei St-Etienne spielt, eine Glatze schneiden. «Seither rasiere ich mich vor jedem Spiel selbst», sagt der Mittelfeldspieler.

  • Tattoo: Beim Torjubel war ein Tattoo auf dem Arm zu sehen. «Die Zeichen stehen für Frau und Stärke», klärt der Walliser auf.

  • Glücksbringer: Gelson Fernandes trägt meist ein Kreuz an einer Kette. «Vor dem Spiel gebe ich es einem Staff-Mitglied zur Aufbewahrung», sagt er.

  • Glaube: Vor dem Spiel betet Gelson auf dem Feld, streckt beide Hände in die Höhe. «Ich bin sehr gläubig. Ich danke Gott für alles, was er mir gegeben hat. Dass ich solch einen tollen Beruf ausüben und mein Land repräsentieren darf.»

  • Eltern: Gelson kommt am 2. September 1986 auf den Kapverdischen Inseln zur Welt. Sein Vater José wandert in die Schweiz aus, als Gelson sechs Monate alt ist. Er arbeitet erst als Kuhhirte, dann als Bodenleger und Schlosser, bevor er 2004 Platzwart beim FC Sion wird. Die Familie holt José später nach. Ein Glücksfall für die Nati. «Heute kann ich ihm nichts mehr sagen», sagt José. «Er sollte selbst wissen, dass er jetzt nicht abheben darf. Man muss sich den Erfolg immer wieder von neuem hart erarbeiten.

  • Cousin: Sein Cousin ist ebenfalls Profi-Fussballer, heisst Cabral und spielt beim FC Basel.

  • Baby: Seine Freundin Rochelle schenkt Gelson am 5. Februar eine Tochter. Ariella kommt in Sion zur Welt.

  • Musik: In seiner Freizeit hört Gelson Zouk, die Musik seines Heimatlandes.

  • Transfers: Bis 2007 spielte er bei Sion. Dann kaufte ihn Manchester City für 9,1 Mio. Franken. Jetzt spielt er bei St-Etienne. Zum Schluss sagt Gelson: «Der Sieg gegen Spanien ist mein grösster Erfolg und hoffentlich nicht der letzte. Ich bin ja noch jung …»